Die Annahme, dass die Basketball-Profis des FC Bayern an diesem Wochenende lieber knapp 6000 Kilometer südöstlich ihrer Heimat unterwegs wären, ist keinesfalls gewagt. Dort nämlich liegt Abu Dhabi, und in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate findet an diesem Wochenende das Final-Four-Turnier der Euroleague statt. Dieser Gedanke dürfte bei dem ein oder anderen Protagonisten im Münchner Team schmerzhafte Erinnerungen hervorrufen, denn bekanntermaßen versemmelten die Münchner auf der Zielgeraden die greifbar nahe Teilnahme an den Playoffs in der europäischen Königsklasse. Nun also: Bundesliga-Playoffs im Münchner SAP-Garden anstatt Euroleague-Endrunde in der Etihad Arena, Mitteldeutscher Basketball Club (MBC) statt Istanbul, Monaco, Athen oder Piräus. Ein Sieg im dritten Spiel der Best-of-five-Serie im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft, und der Titelverteidiger steht im Halbfinale.
Damit soll keinesfalls dem MBC zu nahe getreten werden, das Team aus dem 40 000-Einwohner-Städtchen Weißenfels in Sachsen-Anhalt hat sich diese Aufmerksamkeit wohl verdient. Denn die Wölfe, wie der MBC sein Team nennt, haben eine starke Saison gespielt und diese mit dem Pokalsieg in eigener Halle gekrönt. Mit einem Sieg im Halbfinale gegen die Bayern wohlgemerkt. Und der SAP Garden zu München mit seinen mittlerweile 11 500 Zuschauern, die Probleme mit der Tribünen-Hydraulik sind behoben, muss sich hinter der Arena im fernen Orient, die 18 000 Zuschauer fasst, nicht verstecken.
Wie stark ist die Widerstandsfähigkeit der Weißenfelser angeknackst?
Die Frage allerdings wird sein, wie stark die Widerstandsfähigkeit der Gäste nach deren 65:80-Niederlage vom Dienstagabend angeknackst ist, ob sich das Häuflein tapferer Weißenfelser noch einmal zu einem Überraschungscoup aufraffen wird können. Sie haben ja einiges versucht: ein paar gezielte Sticheleien Richtung Süden, mit Erinnerung an die Heimsiege in Liga und Pokal sowie der ihrer Meinung nach irregulären Niederlage in München – alles beim 60:78 im ersten Spiel wirkungslos verpufft. Auch die Beschwörung der Heimstärke vor dem zweiten Vergleich lief ins Leere, der FCB war auch auf fremden Terrain in allen Belangen besser.
Bei den Bayern wird die Frage sein, wie ernst sie den dritten Vergleich nehmen, angesichts der deutlich verteilten Kraftverhältnisse zu ihren Gunsten. Bisher genügte eine engagierte Abwehrarbeit, es war nicht einmal vonnöten, dass sich das gesamte Ensemble offensiv in Bestform zeigte. Waren es im ersten Spiel noch die US-Kräfte Shabazz Napier und Devin Booker, die ihr Team führten, übernahmen beim Auswärtssieg Andreas Obst und Johannes Voigtmann. Sprich: Offensiv sind die Münchner noch nicht einmal in die Nähe ihrer Bestform gekommen. Was sie aber müssen, die Gegner werden sicher nicht leichter, wie etwa der Blick nach Ulm zeigt. Die Schwaben sind gerade dabei, den schwächelnden Berlinern die Saison endgültig zu versauen.
Vielleicht hilft den Bayern ja die Erinnerung an die Euroleague, da nämlich wusste das gesamte Team in seiner Heimstatt die Bestform in Serie abzurufen – etwa bei den Siegen gegen Piräus oder Monaco.

