BasketballDie zweite Euroleague-Show des FC Bayern

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„Es gibt noch viel, was ich besser machen muss“: Carsen Edwards (re.), mit 32 Punkten überragender Spieler des Abends, beim Korbleger gegen Nadir Hifi.
„Es gibt noch viel, was ich besser machen muss“: Carsen Edwards (re.), mit 32 Punkten überragender Spieler des Abends, beim Korbleger gegen Nadir Hifi. (Foto: Marcel Engelbrecht/Eibner-Pressefoto/Imago)

In einem spektakulären Schlagabtausch in Hochgeschwindigkeit besiegen die Münchner Paris 109:107, sie bleiben im SAP Garden ungeschlagen. Ärger bereitet der enge Spielplan: Am Samstag schon geht es in der Liga nach Leipzig.

Von Ralf Tögel

Marko Pesic war schnell auf Betriebstemperatur. Was zunächst nicht wundern musste, nach jenem am Donnerstagabend um 23.15 Uhr zu Ende gegangenen Spektakel im SAP Garden vor erneut ausverkauftem Haus. 11 200 begeisterte Zuschauer erlebten einen sehenswerten Schlagabtausch in Hochgeschwindigkeit, der mit einem nervenaufreibenden 109:107-Sieg der Basketballer des FC Bayern gegen Paris Basketball endete. Damit bleiben die Bayern in ihrer neuen Arena ungeschlagen. Er sei „zufrieden“ mit dem Saisonstart in die Euroleague, ließ der Münchner Geschäftsführer wissen, den Siegen gegen Real Madrid und nun Paris stehen die Niederlagen in Athen und Belgrad gegenüber. Doch das war nicht die Nachricht, die Pesic loswerden wollte. Ihm war die immense Belastung der vergangenen Tage ein Anliegen – und dieses adressierte er umgehend an den Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL), Stefan Holz: „Der Herr Holz und wer das immer zu entscheiden hat, sollte sich langsam mal Gedanken machen.“

Auslöser für die Kritik des Münchner Geschäftsführers ist das Bundesligaspiel am Samstag um 16 Uhr beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC), es ist das fünfte Spiel innerhalb von zehn Tagen. Der Grund für den unverrückbaren Termin ist, dass sich der MDR die Rechte gesichert hat und live übertragen wird. „Wir sind durch halb Europa gereist, erst in Athen, dann in Bonn, dann in Belgrad und jetzt hier. Das ist für die Spieler unverantwortlich.“ Schließlich sei der FC Bayern kooperativ gewesen, etwa beim Anliegen der BBL, das Eröffnungsspiel vorzuziehen, weil „es hieß, dass der Meister da spielen muss“. Aber für den Samstagstermin fehle ihm jegliches Verständnis, zumal Euroleague-Mitkonkurrent Berlin sein Ligaspiel erst Sonntagabend zu bestreiten hat. „Die Spieler werden jetzt noch bis Mitternacht behandelt“, grantelte der FCB-Boss, „da kann man sich vorstellen, wann sie heimkommen. Sie müssen schlafen, essen, regenerieren, wie soll das gehen?“

„Die BBL sagt immer, sie will ein möglichst gutes Produkt aufbauen, so funktioniert das nicht“, grantelt Pesic

Immerhin habe man für Freitag eine Chartermaschine organisieren können, sonst hätten die Spieler auch noch eine stundenlange Busfahrt zu bewältigen. „Im Basketball stehen die Spieler im Vordergrund“, so Pesic weiter, so aber würden die Protagonisten verheizt: „Die BBL sagt immer, sie will ein möglichst gutes Produkt aufbauen, so funktioniert das nicht.“ In Niels Giffey (Fingerbruch) und Vladimir Lucic (Pferdekuss) muss Trainer Gordon Herbert bereits auf zwei wichtige Akteure verzichten, beide werden ihm auch in der Stadthalle Weißenfels fehlen, wo der Tip-off wegen der MDR-Liveübertragung um vier Stunden vorverlegt wurde.

Fünf Spiele in zehn Tagen: FCB-Geschäftsführer Marko Pesic hat ordentlich Dampf abgelassen in Richtung BBL.
Fünf Spiele in zehn Tagen: FCB-Geschäftsführer Marko Pesic hat ordentlich Dampf abgelassen in Richtung BBL. (Foto: Mladen Lackovic/Imago)

Apropos Halle: Der SAP Garden war auch beim zweiten Basketballspiel ausverkauft, dieses Mal mit nur noch 300 Zuschauern unter der Maximalkapazität von 11 500. Denn die Probleme mit der Hydraulik im Tribünen-System sind noch nicht behoben, laut Pesic werde es „bis Mitte der Saison dauern, bis wir das vorgesehene Setup haben“. Im Vergleich zum ersten Heimspiel konnten die Münchner aber rund 1000 Tickets mehr in den Verkauf geben, auch die Sichtbedingungen waren deutlich verbessert. „Wir werden die Situation von Spiel zu Spiel optimieren“, verspricht Pesic.

Auf dem Spielfeld gab es hingegen wenig zu optimieren, denn auch der zweite Heimauftritt geriet zu einer großen FCB-Show. In Topscorer Carsen Edwards, der mit 32 Punkten seinen persönlichen Euroleague-Bestwert erzielte, sowie Shabazz Napier (27 Punkte) hat der FC Bayern nicht nur ein Spielmacher-Duo, dem „die neue Halle offensichtlich liegt“, wie Pesic anmerkte. Sondern eines, das die Mannschaft auch in der europäischen Eliteliga tragen kann. Devin Booker agiert ohnehin seit Saisonbeginn in bestechender Form, was er mit 21 Punkten bestätigte.

Allein die Defensive gab Anlass zur Kritik, wie Trainer Herbert hinterließ: In Lucic und Giffey hätten „zwei Kämpfer“ gefehlt, so sei es den Parisern zu leicht gemacht worden, zu Abschlüssen zu kommen. Was natürlich auch an der Qualität der Pariser Guards lag, allen voran der hierzulande bestens bekannte T.J. Shorts, der vor seinem Wechsel in die französische Metropole die Baskets Bonn zum Champions-League-Sieg geführt hatte. Daran zu arbeiten, schloss Pesic, bleibe genügend Zeit, man befinde sich am Beginn der Saison. Kurzfristig zähle nur eines: „Den Samstag überleben.“

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