Basketballer des FC Bayern:Chronik einer angekündigten Meisterschaft

Lesezeit: 3 min

Na endlich: Münchens Nick Weiler-Babb stemmt den Meisterpokal in die Höhe. (Foto: Andreas Gora/dpa)

Der FC Bayern gewinnt das Double und erfüllt die Erwartungen der Klubführung. Der Erfolg könnte nun eine neue Ära einläuten: Zur kommenden Saison wird die neue Arena im Olympiapark eingeweiht, außerdem strebt man auch international nach mehr.

Von Ralf Tögel

Diesen Vorwurf muss sich die Basketball-Bundesliga (BBL) gefallen lassen: Schlechter hätte das vierte Spiel der Finalserie nicht terminiert werden können, gleichwohl gab es für eine Verlegung wenig Spielraum: Am Montag muss die Saison beendet sein, dann beginnt die Abstellung der Nationalspieler für Olympia. Und weil die Finalserie im Zweitagesrhythmus gespielt wird und das mögliche letzte Spiel zwingend für Sonntag terminiert war, blieb nur Freitag. Immerhin wurde der Beginn von 20.30 Uhr auf 18 Uhr vorverlegt, der Triumph des FC Bayern wurde dennoch von der Euphorie über das 5:1 der deutschen Fußballer im EM-Eröffnungsspiel geschluckt.

Immerhin knapp 10 000 Zuschauern bekamen in der nicht ausverkauften Arena am Berliner Ostbahnhof ein energiegeladenes, hochklassiges und nervenaufreibendes Duell zu sehen, in dem sich die Bayern mit einem 88:82-Sieg gegen starke und unermüdlich kämpfende Berliner den ersten Meistertitel seit 2019 sicherten. Was der neue Meister in der Hauptstadt bis in die frühen Morgenstunden und am Sonntag in München mit einem Fanfest angemessen feierte. Trotz des schlechten Zeitpunkts könnte diese Meisterschaft eine neue Ära einläuten. Das hat gute Gründe.

Alles neu für FCB-Coach Pablo Laso: Liga, Verein, Spieler – und der erste Meistertitel in der BBL. (Foto: Tilo Wiedensohler/Camera4+/Imago)

Der Trainer

Die Königspersonalie wurde nach dem Weggang von Andrea Trinchieri schnell und prominent gelöst: In Pablo Laso kam ein zweimaliger Euroleague-Sieger an die Isar, für den sechsmaligen Meistertrainer von Real Madrid war es die erste Auslandsstation: „Für mich war alles neu, Verein, Umfeld, Spieler, Liga“, erklärt der 56-Jährige. Laso hatte bei Real wegen eines Herzinfarktes aufhören und eine Pause einlegen müssen, nur so war die Verpflichtung eines so erfolgreichen und begehrten Coaches möglich. Aber der Spanier akklimatisierte sich schnell – und verstand es im Gegensatz zu seinem Vorgänger, die brutalen Anforderungen einer Saison mit zwei Wettbewerben so auf die Spieler zu verteilen. So waren die Bayern dieses Mal in der Saisonendphase trotz zweier verletzter Stammspieler in der Lage Topleistungen abzurufen.

Einen Spieler wie NBA-Champion Serge Ibaka (rechts gegen Berlins Khalifa Koumadje) hat es in der Bundesliga bisher nicht gegeben. (Foto: Steinbrenner/Imago)

Die Mannschaft

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ihm dafür ein erlesener Kader zur Verfügung gestellt wurde – was nicht zuletzt an Laso selbst lag. Dessen Ruf als Meistertrainer und Spielerentwickler folgten nach eigener Aussage einige Zugänge nach München – unter ihnen ein NBA-Champion: Serge Ibaka ist der bisher prominenteste Spieler der BBL-Geschichte, er war 2019 Meister mit Toronto, hat 1071 NBA-Partien absolviert und spielte während des NBA-Lockouts 2011 für Real Madrid – unter Trainer Pablo Laso. Neben weiteren NBA-erfahrenen Spielern wie Leandro Bolmaro und Carsen Edwards, der auch FCB-Topscorer und bester Spieler der Finalserie war, erstklassigen Euroleague-Kräften wie Vladimir Lucic, Devin Booker, Nick Weiler-Babb oder Elias Harris stechen drei Weltmeister aus dem Kader heraus: Isaac Bonga, Niels Giffey und Andreas Obst erhöhten die Qualität der deutschen Spieler, von denen sechs im Zwölferkader stehen müssen, enorm. Das war in den vergangenen Spielzeiten eine Achillesferse der Bayern, die nun zu einem großen Vorteil umgewandelt wurde.

In den BBL-Finals war Carsen Edwards (re.) bester Spieler, in der Euroleague stieß er an Grenzen (hier gegen Kostas Antetokounmpo vom Champion Athen). (Foto: Sportworld/Imago)

Die Saison

Um es klar zu formulieren: Die Euroleague verlief enttäuschend. Das Ziel war, nach 2021 und 2022 zum dritten Mal in die K.o.-Runde einzuziehen, wofür nach Einführung von Playins zehn Teams infrage kamen – selbst das wurde mit Platz 15 deutlich verpasst. Über gute Ansätze kamen die Bayern nicht hinaus, viele Spiele wurden unnötig und knapp verloren, es fehlte die Konstanz, die europäische Elite um den späteren Champion Panathinaikos Athen ist noch weit entfernt. Immerhin konnte sich das Team nach dem frühen internationalen Aus auf den heimischen Betrieb fokussieren: Zumal nur das Double die Saison des Topfavoriten retten konnte. Das hatten die Verantwortlichen von Präsident Herbert Hainer bis zu Geschäftsführer Marko Pesic sehr klar kommuniziert – was den Druck nicht gerade verringerte. Aber die Mannschaft hielt diesem Druck stand, dem Pokalsieg im Februar folgte nun der verdiente Meistertitel, der den Grundstein für eine neue Ära legen soll. In der kommenden Saison nämlich ziehen die Bayern in den 11 500 Zuschauer fassenden SAP Garden um. Zumindest mit ihrer Halle zählen die Münchner dann auch international zur absoluten Spitze.

Bleibt der Weltmeister? Isaac Bongas Vertrag läuft aus, über seine Zukunft wollte er sich bisher nicht äußern. Erst einmal geht es in den Kurzurlaub, dann nach Paris zu den Olympischen Spielen. (Foto: Andreas Gora/dpa)

Die Zukunft

Erst einmal ist Urlaub angesagt: Während die US-Spieler in die Heimat düsen, dürfte dieser für die Nationalspieler reichlich kurz ausfallen: Bonga, Giffey und Obst sind für Bundestrainer Gordon Herbert gesetzt. Sie sollen auch in der kommenden Saison beim FCB das Gerüst bilden, wobei Bongas Vertrag, der einer der Besten in den Playoffs war, ausläuft. Auch die Verträge von Ibaka, Edwards und Weiler-Babb enden, Ibaka habe Angebote, teilte er auf der Abschlusssause am Sonntag mit, aber der kolportierte Wechsel zu Real Madrid stehe keineswegs fest. Außerdem soll Mailand Interesse an Leandro Bolmaro haben, der aber wegen seines laufenden Vertrages eine Ablöse im höheren sechsstelligen Bereich einbringen würde, wie Geschäftsführer Marko Pesic bestätigte. Das gilt auch für Sylvain Francisco, dem Ambitionen nach Kaunas nachgesagt werden. Bei jenem Klub, den Tinchieri nach seiner Bayern-Zeit übernahm.

Ansonsten: „Alles Gerüchte“, so Pesic, „das gehört dazu.“ Auch am kolportierten Wechsel von Oscar da Silva, ebenfalls für den deutschen Olympia-Kader nominiert, von Barcelona nach München sei nichts dran, sagt Pesic. Was indes ebenfalls ein Ablenkungsmanöver sein könnte, dem Vernehmen nach gilt es nur noch Details zu klären. Sicher ist, dass der Kern der Münchner Mannschaft beisammen bleibt, und punktuell verstärkt werden wird – was primär für die Spielmacherposition gelten dürfte. Denn national soll die Vorherrschaft gesichert und international zumindest beständig die Playoffs erreicht werden. Auch diese Ziele hat die Vereinsführung bereits deutlich formuliert.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusUli Hoeneß im Interview
:"Das ging bumm-bumm-bumm"

Aktuelle Fußball-Weltmeister hat der FC Bayern keine mehr, dafür drei Basketball-Weltmeister: Ehrenpräsident Uli Hoeneß erklärt, was Deutschland von seinen Basketballern lernen kann. Er sagt, woran sich der Fußball ein Beispiel nehmen sollte - und welchen Bundestrainer-Typen er bevorzugt.

Interview von Christof Kneer, Philipp Schneider und Ralf Tögel

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: