Bundesliga:Was, wenn die Bayern nie mehr schwächeln?

RB Leipzig - Bayern München

Holt auch bald schon seinen zweiten Meistertitel als Bayern-Trainer: Hansi Flick.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Die Münchner holen wohl ihre neunte Meisterschaft hintereinander. Noch schockierender aber ist die Prognose: Es droht die Monotonie bis in alle Ewigkeit.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Rudi Völler, dies vorweg, war niemals deutscher Meister. Er war Bundesliga-Torschützenkönig, Volksheld und als Stürmer von Werder Bremen wie später als Manager von Bayer Leverkusen (im Volksmund: "Vizekusen") ziemlich oft Tabellenzweiter. Trotzdem - oder gerade deshalb - kennt kaum jemand besser als der demnächst 61-Jährige jene Rezeptur, nach der sich der FC Bayern ärgern lassen könnte. Alljährlich wird Völler deshalb, quasi als Muntermacher, zum Saisonstart aufs Neue zitiert: "Wenn die Bayern mal schwächeln, musst du da sein."

Was aber, diese Frage drängt sich akut auf, wenn der FC Bayern nicht schwächelt? Wenn er niemals wieder so richtig schwach wird? Wenn er zwar mal irgendwo ein Spiel verliert, wie in dieser Saison in Hoffenheim (1:4), Gladbach (2:3) und Frankfurt (1:2), wenn er aber in seinen Wegweiserspielen gegen Dortmund (3:2, 4:2) oder Leipzig (3:3, 1:0) nahezu nix zulässt.

Den Sachsen gebührt ein Kompliment dafür, es wenigstens versucht zu haben. Doch schon heute, nach erst 27 von 34 Runden, ist es blanke Theorie, dass die Münchner ihren Sieben-Punkte-Vorsprung noch verspielen könnten. Gebucht ist seit Ostern die neunte deutsche Meisterschaft in Serie, noch schockierender aber ist die Prognose: Warum sollte im Jahr 2031 nicht der 19. und im Jahr 2041 der 29. Titel hintereinander folgen? Droht da Monotonie bis in alle Ewigkeit?

Leipzig verliert zum Saisonende Abwehrchef Upamecano. An wen? Natürlich an den FC Bayern

Die jüngsten Fakten jedenfalls sprechen kaum dagegen. RB Leipzig, der einzige Klub, der sich Verfolger nennen durfte, verliert zum Saisonende seinen Abwehrchef, den Franzosen Dayot Upamecano. An wen? Natürlich an den FC Bayern. Damit hat RB zwar circa 45 Millionen Euro mehr, doch jetzt fehlt nicht nur ein 20-Tore-Stürmer, wie es der im Sommer 2020 an den FC Chelsea verkaufte Timo Werner war, sondern auch ein neuer Boss für die Defensive.

Auch in der Schlüsselfrage darf weiterhin spekuliert werden: Was, wenn Hansi Flick am Ende doch noch Bundestrainer werden will? Für die Nachfolge an der Säbener Straße, ob bald oder später, hat sich Leipzigs Julian Nagelsmann bekanntlich nicht nur deshalb qualifiziert, weil er unweit davon, in Landsberg am Lech, geboren wurde.

Eines hat die Saison noch einmal bestätigt: Die Bayern besitzen die Fähigkeit, sich zu renovieren. Der Umbruch ist abgeschlossen, die weltweit gefürchtete Flügelzange, Arjen Robben und Franck Ribéry, längst im laufenden Ligabetrieb ersetzt, ohne dabei aus der Spur zu fliegen. Und so eine Scouting-Schwäche wie einst, wie 1982, leisten sie sich wohl auch nimmer mehr: Da stürmte ein gewisser Rudi Völler in der Stadt, er war Zweitliga-Schützenkönig mit sagenhaften 37 Toren für die Münchner Löwen. Für die erste Liga, hieß es damals irrtümlich bei den Bayern, sei der aber viel zu schmächtig.

Zur SZ-Startseite
Bundesliga: Thomas Müller jubelt beim Spiel RB Leipzig gegen den FC Bayern

FC Bayern
:Das Vermächtnis der Kaiserzeit

Warum gewinnt der FC Bayern immer die wichtigen Spiele? Es hat mit einer klubinternen Erfolgskultur zu tun, die man als Gegner nicht erklären, aber fühlen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB