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Saison des FC Bayern:Wenn der Zwei-Spiele-Trainer länger bleibt

Eintracht Frankfurt v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

2. November 2019: Das 1:5 bei Eintracht Frankfurt ist für Niko Kovac (l.) das letzte Spiel als Bayern-Trainer - Hansi Flick (3.v.l.) übernimmt danach.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Hinter dem FC Bayern liegt eine der turbulentesten Spielzeiten seiner Historie. Eine Chronologie mit Zwistigkeiten, mehr oder weniger sicheren Transfers und einem unerwarteten Meister-Coach.

An diesem Samstag wird für den FC Bayern in Wolfsburg die Bundesliga-Saison in gewohnter Vertrautheit enden, mit der Meisterschale, der achten in Serie. Doch hinter dem Klub liegt eine der turbulentesten Spielzeiten seiner Geschichte. Wann die Turbulenzen genau begannen, darüber streiten selbst die renommiertesten Chronisten, sicher ist allein, dass die Turbulenzen begonnen haben, bevor die Saison begann. Ein chronologischer Rückblick auf die turbulentesten Turbulenzen.

24. Februar 2019: Im Fußballfrühstücksfernsehen tönt Präsident Uli Hoeneß: "Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben!" Es beginnt die öffentlichste Transferperiode der Bayern. Allgemein und intern wird angenommen, dass Hoeneß auch und vor allem von Leipzigs Stürmer Timo Werner spricht.

7. April: Einen Tag nach dem 5:0 der Bayern gegen Dortmund, das entscheidend ist für die Meisterschaft in der ersten Saison unter dem Trainer Niko Kovac, sagt Klubboss Karl-Heinz Rummenigge: "Es gibt keine Job-Garantie." Es beginnt der längste und vielleicht unwürdigste Abschied eines Bayern-Trainers.

25. Mai: Der FC Bayern gewinnt im Pokalfinale 3:0 gegen Leipzig, Kovac ist der erste Münchner Double-Trainer, der auch schon als Spieler das Double gewonnen hat. Bei der Bankettrede dankt Rummenigge jedem bis zum Busfahrer, Kovac dankt er nicht. Gianni Infantino steht auch rum. Rund um das Finale führt Hoeneß Gespräche mit Hansi Flick, um ihn als Co-Trainer zu gewinnen. Alle sind sich einig, dass das für Kovac nicht gefährlich sein kann, weil Flick ja nur einer für die zweite Reihe sei. Alle denken so. Außer Hoeneß und Flick.

8. Juli: Rummenigge präsentiert zum Trainingsauftakt höchstpersönlich fast alles, was die Bayern schon sicher haben, sprich den 80-Millionen-Mann Lucas Hernández. Rummenigge sagt, es sei gut, in Zukunft weniger in der Öffentlichkeit über "Transferaktivitäten" zu sprechen: "Das weckt einen Erwartungshorizont, der nicht gut ist." Alle denken dabei an Hoeneß, außer Hoeneß.

9. Juli: Kovac rechnet in der Öffentlichkeit vor, dass er mindestens noch drei weitere Feldspieler brauche: "Als Trainer muss man immer vom worst case ausgehen." Über den von den Bayern umworbenen Leroy Sané sagt Kovac ebenfalls öffentlich: "Er würde uns auf jeden Fall helfen." Einerseits gibt es für Kovac immer noch keine Job-Garantie. Andererseits: Warum auch?

12. Juli: Sportdirektor Hasan Salihamidzic präsentiert alles andere, was die Bayern schon sicher haben, sprich den 35-Millionen-Euro Mann Benjamin Pavard. Salihamidzic weckt keinen Erwartungshorizont, der nicht gut ist, er sagt aber: "Wir versuchen weiterhin, einige Sachen umzusetzen." Bei "einige Sachen" denken immer noch einige an Timo Werner. Timo Werner allerdings nicht mehr. Er vermisst ein klares Bekenntnis der Bayern.

24. Juli: Während die Bayern durch die USA reisen, meldet Bild, dass Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef aufhöre. Für Freundfeind Rummenigge weckt das einen Erwartungshorizont, der für ihn gut sein könnte, er genießt ihn schweigend.

28. Juli: Als Trainer geht Kovac nicht mehr vom worst case aus. Er sagt dem ZDF, er sei "sehr zuversichtlich", dass der Verein Sané verpflichten werde.

30. Juli: Rummenigge sagt im Rahmen eines Testspiels über Kovacs Zuversicht: "Diese Aussage hat mir nicht gefallen. Da mache ich keinen Hehl draus." Und: "Der Trainer muss seinen Job machen." Ui! Eine Job-Garantie? Nach dem Abpfiff sagt Kovac, er habe sich bei Sanés Trainer in Manchester, Pep Guardiola, "entschuldigt, weil ich zu offensiv war". Salihamidzic ergänzt eifrig: "Ich kann auch in meinem Namen sagen, dass das nicht gut war."

3. August: Der FC Bayern verliert im Supercup 0:2 in Dortmund. Niemand im Verein macht einen Hehl daraus, dass das ebenfalls nicht gut war. Dass Bayern zu offensiv war, dafür muss Kovac sich diesmal wirklich nicht entschuldigen.

4. August: Im Finale um den englischen Supercup muss Sané nach zwölf Minuten ausgewechselt werden, eine Untersuchung wird später zeigen, dass er sich das Kreuzband (worst case) gerissen hat. Nachdem der FC Bayern dachte, dass er den Flügelstürmer schon sicher hätte, versucht er nun, eine andere Sache umzusetzen.

13. August: Der FC Bayern holt den Flügelstürmer Ivan Perisic von Inter Mailand, allerdings ohne Job-Garantie. Er wird nur ausgeliehen.

16. August: Die Bundesliga-Saison beginnt mit einem turbulenten 2:2 gegen die Hertha. Beide Tore erzielt Robert Lewandowski. Salihamidzic bestätigt, dass der Klub Philippe Coutinho aus Barcelona ausleihen wird. Die Katalanen veröffentlichen später die Details, unter anderem eine Kaufoption in Höhe von 120 Millionen Euro. "Wenn Sie wüssten, wie viel das ist", sagt Uli Hoeneß. Nicht.

18. August: Nach monatelangem Rätseln wird klar, wen Hoeneß im Februar gemeint haben könnte: Es kommt nicht Timo Werner, dafür aber für zwölf Millionen Euro aus Gladbach Mickaël Cuisance, 20.

20. August: Die Bayern präsentieren Coutinho, der die Nummer 10 des Klubheiligen Arjen Robben erhält, obwohl diese ein Jahr lang nicht vergeben werden sollte. Salihamidzic sagt: "Das ist schon ein Transfer, der uns gut zu Gesicht steht." Allerdings weckt der Name Coutinho einen gewissen, wie sagt man, Erwartungshorizont.

FC Bayern Muenchen Training Session

Der damalige Bayern-Coach Niko Kovac (M.) mit zwei Sommer-Zugängen: Mickaël Cuisance (l.) und Philippe Coutinho.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

28. August: Bei einem Empfang der Mannschaft im Hofgarten vor der Staatskanzlei feiern die Fans Uli Hoeneß. Edmund Stoiber, der angeblich früher einmal in dieser Staatskanzlei gearbeitet hat, im Aufsichtsrat der Bayern sitzt und von den Fans nicht gefeiert wird, spricht als Erster öffentlich über die Abschiedspläne des Präsidenten. Außerdem berichtet er von Hoeneß' "Zwistigkeiten mit Kalle".

30. August: Hoeneß bestätigt, dass er im Herbst seine Ämter abgibt und weckt einen Erwartungshorizont, der für Rummenigge nicht gut ist. Hoeneß sagt: "Von mir wird schon noch was zu hören sein."

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