FC Bayern Hummels kämpft um sein Ansehen

Beliebt bei den Fans in Doha: Bayern-Profi Mats Hummels.

(Foto: AFP)
  • Eine Umfrage des Kickers unter Bundesligaspielern offenbart: Mats Hummels ist der Absteiger der Hinrunde.
  • Der Abwehrspieler sieht das anders und versucht, das Bild von sich zu korrigieren.
  • Ganz genau geht Hummels dabei aber nicht vor.
Von Benedikt Warmbrunn

Als Letzter wagte Niklas Süle den Blick zurück, auch er machte das auf seine eigene Weise. Süle, der Pragmatiker, blickte erst gar nicht zurück. "Erst mal ist es gut, dass das Jahr mal ein Ende gefunden hat, dass wir 2019 den Resetknopf drücken können und neu starten", sagte er am Dienstag während des Trainingslagers des FC Bayern in Doha. Und so hatte auch der letzte Innenverteidiger des Klubs mit 2018 abgeschlossen.

Der FC Bayern versammelt in seinen Reihen drei Innenverteidiger, die eint, dass sie jeweils für sich den Anspruch haben, zur Weltklasse gezählt zu werden. Ansonsten sind sie entgegengesetzte Charaktere, was sich in den vergangenen Tagen auch daran zeigte, wie sie auf 2018 zurückblickten, mit dem Ausscheiden nach der Vorrunde der WM als gemeinsamem Tiefpunkt.

Den Anfang hatte Jérôme Boateng auf seinen Accounts in den sozialen Netzwerken gemacht, selbstkritisch und kämpferisch: "Zweifel, die mir gegenüber aufgekommen sind, nehme ich als Motivation, denn ich bin noch längst nicht am Ende." Danach äußerte sich Mats Hummels.

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Niemand weiß, wer im Sommer noch zum Bayern-Kader gehören wird

Wie Boateng ist Hummels seit dem Sommer oft kritisiert worden. Er sei nicht mehr in der Form früherer Jahre. Er sei zu langsam. Befeuert hatte diese Debatte ausgerechnet sein Trainer, Niko Kovac, der im Mai im Pokalfinale noch als Coach von Eintracht Frankfurt Hummels als Schwachpunkt in der Bayern-Defensive ausgemacht hatte - Hummels war nicht immer schnell genug, Frankfurt gewann. Es ist ein Spiel, von dem sich Hummels nicht erholt hat, nicht in der öffentlichen Bewertung, aber auch nicht in seinem Ehrgefühl.

Am Montag veröffentlichte der Kicker die Ergebnisse einer Umfrage unter 214 Bundesligaspielern, Gewinner der wenig schmeichelhaften Rubrik "Absteiger der Hinrunde": Mats Hummels, mit 15,4 Prozent der Stimmen, knapp gefolgt von Boateng (13,6 Prozent). Mit dem Ergebnis dieser Umfrage zeigte sich Hummels nicht einverstanden, weswegen er eine repräsentative Umfrage unter allen für ihn relevanten Bundesligaspielern führte. Diese Umfrage hat den kleinen wissenschaftlichen Makel, dass die Masse der relevanten Bundesligaspieler lediglich aus Mats Hummels bestand, eine gewisse Aussagekraft hat ihr Ergebnis dennoch. "Gerade etwas Zeit gehabt und eine kleine persönliche Vorrundenbilanz gezogen", twitterte Hummels am Montagmittag. Er zählte auf: 15 Spiele, zehn Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen, 28:8 Tore, neun Mal ohne Gegentor. "Darf jeder für sich selbst interpretieren", fügte Hummels hinzu.

Der FC Bayern befindet sich in einem Umbruch, niemand weiß, wer im Sommer noch zum Kader gehören wird. Hummels' Tweet zeigt, wie manche in der Mannschaft um die Selbstbehauptung kämpfen, und besonders intensiv ist dieser Kampf in der Abwehrmitte. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wechselt der Stuttgarter Benjamin Pavard im Sommer zu den Münchnern und wird den Konkurrenzkampf zusätzlich entfachen. Bei einem weiteren Innenverteidiger, bei Lucas Hernández von Atlético Madrid, ist das Interesse der Bayern bekannt. Süle, 23, darf sich sicher fühlen, wegen seines Alters, aber auch wegen seiner Leistungen. Boateng und Hummels, beide 30, stehen trotz ihrer Verdienste vor einer ungewissen Zukunft. Nachdem es im Dezember Spekulationen um einen Hummels-Abschied im Winter gab, sagte Karl-Heinz Rummenigge: "Er wird in der Rückrunde gesichert bei uns spielen." Die nächste Saison klammerte der Klubboss aus.

Hummels gewinnt 60 Prozent seiner Zweikämpfe

Mit den von ihm gesammelten Zahlen wollte Hummels dafür werben, dass es so schlecht mit ihm nicht läuft. Allerdings hatte er ungenau geforscht - mit ihm hatte das Team nur zweimal verloren, dafür aber dreimal Unentschieden gespielt. Nicht berücksichtigt hatte er zudem andere Zahlen, zum Beispiel die der Zweikampfquote. Boateng gewann 72,7 Prozent seiner Duelle, Süle 67, Hummels 60. Eine derartige Forschung in eigener Sache findet in einer im Umbruch befindlichen Mannschaft nur bedingt begeisterte Leser.

Den Tweet mit seiner persönlichen Vorrundenbilanz hat Hummels lieber wieder gelöscht.

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