FC Bayern Mal so und mal andersherum

Mit drei Toren beim 6:0 gegen Mainz wirft James Rodriguez die Frage nach seiner Zukunft bei den Münchnern auf.

Von Sebastian Fischer

"Bien", sagte James Rodriguez, und noch mal: "Bien." Es war nur ein Wort. Aber wenn der Kolumbianer es ernst meinte, könnte es noch wichtig werden für die Zukunft des FC Bayern. "Gut", übersetzte der Dolmetscher: Gut sei das Verhältnis von James zu Trainer Niko Kovac.

James Rodriguez, 27, hat am Sonntagabend beim 6:0 des FC Bayern gegen den FSV Mainz 05 gezeigt, was für ein herausragender Fußballer er sein kann. Er hat drei Tore geschossen, von denen eines schöner war als das andere, tatsächlich traf diese Floskel zu. Erst verwertete er eine Vorlage von Leon Goretzka seriös mit einem Direktschuss zum 2:0, dann dribbelte er am Strafraum entlang und platzierte den Ball unhaltbar neben den Pfosten zum 4:0, schließlich überlupfte er den Mainzer Torwart Florian Müller zum 5:0. Er verkörperte die Spielfreude des Tabellenführers, die alle Beteiligten lobend erwähnten, um zu erklären, warum der sechste Bundesligasieg in Serie die richtige Reaktion auf das Ausscheiden während der vergangenen Woche in der Champions League gegen den FC Liverpool gewesen war. Und James warf damit die Frage auf, wie es mit dieser Spielfreude weitergehen wird, bis zum Sommer und darüber hinaus.

Mit der Verarbeitung des 1:3 gegen Liverpool werden sie beim FC Bayern eine längere Weile beschäftigt sein. Er brauche dafür "noch ein paar Tage" hat zum Beispiel Präsident Uli Hoeneß gesagt. Er war aber bereits sicher, dass dieses eine Spiel alleine nicht ausreiche, um "eine Generalkritik über Bayern München zu machen". Hoeneß erklärte die Niederlage gegen Liverpool mit "zu wenig Mumm". Er erklärte sie also nicht mit zu wenig und zu planlosem Offensivspiel, wie es die eigenen Spieler angedeutet hatten. Im Grunde hatte das offensiv so überzeugende Spiel gegen Mainz, nach dem das Münchner Torverhältnis um sieben Tore besser ist als das des punktgleichen Tabellenzweiten Dortmund, auch keinen weiteren Anlass gegeben, über Grundsätzliches nachzudenken.

Wäre da nicht der Auftritt von James gewesen. Im Oktober 2018 hatte die Sport-Bild berichtet, der Kolumbianer habe in der Kabine in dessen Abwesenheit über Kovac geschimpft. "Wir sind hier nicht in Frankfurt", soll James gesagt haben. Damals, es war die schwächste Saisonphase des FC Bayern, kam er oft nur als Einwechselspieler zum Einsatz, bis im November ein Außenbandriss im Knie sein Hinrunden-Aus bedeutete. Inzwischen ist er Stammspieler als zentraler Offensiver im 4-2-3-1-System, stand in zehn Spielen in Serie in der Startelf und war in den vergangenen vier Ligaspielen jeweils an mindestens einem Tor beteiligt. Kovac lobte ihn am Sonntag entsprechend. "Brutal wichtig" sei James für das Spiel bei eigenem Ballbesitz, sagte Torwart Manuel Neuer, "wenn er die richtige Position einnimmt". Leon Goretzka ergänzte: "Wir müssen ihn als Mannschaft dazu bringen, den Ball in den richtigen Positionen zu bekommen."

Es klang also durchaus so, als wäre James ein Spieler, um den herum man die Offensive einer europäischen Spitzenmannschaft planen kann, die der FC Bayern demnächst wieder sein will. Zumal der Verbleib des in Südamerika verehrten WM-Torschützenkönigs von 2014 auch für die weltweite Popularität des Klubs eine wichtige Rolle spielt. Aber das mit dem Verbleib ist nicht ganz so einfach.

James kam im Sommer 2017 als Leihgabe von Real Madrid. Den Klub hatte er verlassen, weil er unter Trainer Zinédine Zidane nur Ersatzspieler war. Er würde im kommenden Sommer 42 Millionen Euro kosten, falls ihn die Bayern fest verpflichten wollen. James selbst hat sich seitdem mal so geäußert, dass man es als Liebäugeln mit einer Rückkehr in Spaniens Hauptstadt interpretieren konnte, mal andersherum. Dass Zidane nach seinem Rücktritt vor der Saison inzwischen wieder Trainer in Madrid ist und kaum mit James planen wird, spricht nun für München. Die durchaus hohe Ablöse, der Wunsch des FC Bayern nach weiteren, nicht ganz günstigen Zugängen und sein nicht immer einfaches Verhältnis zu Kovac könnten wiederum gegen Bayern sprechen. James selbst wehrte am Sonntag alle Interpretationen ab. Sein Verhältnis mit Zidane sei gut, das mit Kovac ebenfalls. Es werde Gespräche geben, aber erst mal gehe es darum, Titel zu gewinnen, mit Kovac. Und nun?

Salihamidzic klingt gereizt, als er auf Hoeneß angesprochen wird

"Im Großen und Ganzen ist das ein großartiger Spieler", sagte Uli Hoeneß, "letztendlich muss uns der Trainer sagen, was er will." Thomas Müller sagte, der Verbleib von James sei "eine Sportdirektorfrage". Und der Sportdirektor wiederum, der beim FC Bayern Hasan Salihamidzic heißt und so regelmäßig wie tapfer gegen seine Bagatellisierung in der öffentlichen Wahrnehmung ankämpft, reagierte etwas gereizt, als er mit der Aussage seines Präsidenten zu James konfrontiert wurde. "Was sagen Sie mir immer, was der Uli Hoeneß gesagt hat? Das interessiert mich doch nicht, was der Uli Hoeneß gesagt hat." Es ist also offenbar kompliziert.

Nicht so kompliziert ist dagegen die Frage zu beantworten, wie es kurzfristig mit der Münchner Spielfreude weitergehen wird. Bevor der FC Bayern Anfang April auf Borussia Dortmund trifft, heißen die Gegner Freiburg und, im DFB-Pokal, Heidenheim. Bien, würde James Rodriguez wohl sagen. Bien.