Fußball:Hernández droht Gefängnis

Vor Spielbeginn: Aufwaermen Training Lucas Hernandez FC Bayern Muenchen FCB 21 FC Bayern München FCB vs VfL Bochum BOC 1; Hernandez

Am Dienstag muss Lucas Hernández in Madrid vor Gericht erscheinen.

(Foto: Michael Weber/imago images/Michael Weber)

Der Verteidiger des FC Bayern läuft ernsthaft Gefahr, für sechs Monate in eine spanische Justizvollzugsanstalt zu müssen. Grund ist ein rechtskräftiges Urteil wegen Missachtung der Justiz aus dem Jahr 2019.

Von Javier Cáceres, Las Palmas

Der französische Weltmeister Lucas Hernández läuft ernsthaft Gefahr, seinem Arbeitgeber FC Bayern München wegen einer in Spanien ausgesprochenen Gefängnisstrafe für die Dauer von sechs Monaten auszufallen. Ein Sprecher der Madrider Justiz bestätigte am Mittwoch der Süddeutschen Zeitung einen Bericht der tz, wonach Hernández am kommenden Dienstagvormittag vor dem Madrider Strafgericht 32 vorstellig werden muss. Dort solle ihm notifiziert werden, dass er innerhalb von zehn Tagen eine im Dezember 2019 ausgesprochene Haftstrafe antreten müsse - in einer spanischen Justizvollzugsanstalt seiner Wahl. Das Urteil wegen Missachtung der Justiz sei rechtskräftig, betonte der Sprecher. Beim FC Bayern war lediglich zu hören, man sei von der Entwicklung des Falles überrascht. Der Agent von Lucas Hernández wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben. Es handele sich um ein laufendes Verfahren.

Das Urteil, das vollstreckt werden soll, hat seinen Ursprung in einem Fall von häuslicher Gewalt aus dem Frühjahr 2017. Ausgangspunkt war ein handfester Streit zwischen Amelia de la O. und Lucas Hernández, der damals noch für Atlético Madrid tätig war. Den Ermittlungen zufolge hatte de la O. in der Nacht vor der Haustür auf den Fußballer gewartet, der alkoholisiert heimgekommen sein soll. Die anschließende Diskussion eskalierte: De la O. habe das Handy von Hernández sehen wollen; als dieser sich weigerte, habe sie ihn mit einem Schlüssel an Hals und Wange verletzt und auch die Karosserie des Autos von Hernández mit dem Schlüssel zerkratzt. Hernández habe sie daraufhin gepackt und in einem Handgemenge am Rücken, am Kiefer und der Lippe verletzt.

Beide wurden festgenommen - und wenige Wochen nach dem Zwischenfall in einem Schnellverfahren verurteilt, unter anderem mit einem wechselseitigen, sechsmonatigen Kontaktverbot belegt. Hernández und de la O. durften einander nicht auf weniger als 500 Meter nähern. Beide mussten überdies 31 Tage Sozialarbeit leisten.

Hernández unterlief ein Gerichtsurteil, nachdem er sich mit seiner Partnerin wieder versöhnt hatte

Die beiden versöhnten sich - und ließen das Kontaktverbot Kontaktverbot sein. Sie flogen gemeinsam in die USA in den Urlaub und heirateten Medienberichten zufolge in Las Vegas. Dann begingen sie, wie man aus der heutigen Sicht von Hernández wohl sagen muss, einen fatalen Fehler: Sie kehrten gemeinsam nach Spanien zurück, gingen nach der Landung auf dem Flughafen Madrid-Barajas quasi Hand in Hand durch die Passkontrolle. Das Kontrollsystem schlug an: Es flog auf, dass Hernández das Kontaktverbot unterlaufen hatte, das auch im Fall von Versöhnungen gilt. Damit sollen Fälle vermieden werden, in denen der geschädigte Partner unter Druck einer Versöhnung einwilligt. Die Krux: Hernández unterlief damit ein Gerichtsurteil.

Der Fußballer wurde umgehend festgenommen und rasch wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch damit war das Thema nicht ausgestanden. Im Gegenteil: In einem weiteren Prozess wurde Hernández Ende 2019 mit einer sechsmonatigen Haftstrafe belegt, weil er den Spruch eines Richters "bei vollem Bewusstsein" mit "absolutem Hohn" quittiert habe, wie es im Urteil aus dem Dezember 2019 heißt. Erschwerend hinzu kam, dass er auch in einem weiteren Fall rechtskräftig wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden war.

Das Urteil wegen Missachtung eines Urteils ist rechtskräftig und harrt nun im Prinzip nur der unmittelbar bevorstehenden Vollstreckung. Amelia de la O. wiederum hatte in dieser Hinsicht Glück. Bei der Heimreise aus den USA mit Hernández war ihr das Urteil mit dem sechsmonatigen Kontaktverbot zu Hernández noch nicht offiziell zugestellt worden. Dem Vernehmen nach galt es nicht mehr, als die beiden ihr erstes gemeinsames Kind zeugten, das 2018 zur Welt kam.

Und nun? Für den FC Bayern stellt dieser Fall insofern ein akutes Problem dar, als Hernández' Dienstreisepläne für den Dienstag - den Tag seines Gerichtstermins - einen Champions-League-Trip nach Lissabon vorsehen, der FC Bayern fordert im Estádio Da Luz den portugiesischen Rekordmeister Benfica heraus. Rein theoretisch könnte Hernández seinem Trainer Julian Nagelsmann zur Verfügung stehen. Der Franzose hätte zumindest ausreichend Zeit, um nach dem Gerichtstermin nach Lissabon zu reisen und sich umzuziehen. Und: Nach Spielschluss hätte er immer noch rund neun Tage Zeit, um ins Gefängnis zu gehen. Ein echtes Problem ergäbe sich, wenn er am Dienstagvormittag nicht in Madrid erscheinen sollte. Sollte dies geschehen, würde Hernández international zur Fahndung ausgeschrieben werden, sagte der Justizsprecher.

Hernández' Hoffnungen ruhen auf der nächsthöheren Instanz. Doch ihm läuft die Zeit davon

Ob er am Ende wirklich ins Gefängnis wandert, war am Mittwoch insofern offen, als die Anwälte von Hernández verzweifelt versuchen, eine Aussetzung der Haftstrafe und ihre Umwandlung in eine Geldstrafe zu erreichen. Ein erster Antrag beim Gericht, das die Strafe aussprach, sei abgewiesen worden, nachdem sich auch die Staatsanwaltschaft dafür ausgesprochen hatte, dass Hernández ins Gefängnis gehen soll, erklärte der Madrider Justizsprecher.

Hernández' Hoffnungen ruhen nun auf der nächsthöheren Instanz - einem Gericht, das den deutschen Landgerichten vergleichbar ist. Aber: Die einschlägigen Gesetze sehen keinerlei Fristen für eine Entscheidung über derartige Anträge vor. Das ideale Szenario aus Sicht von Hernández wäre eine Entscheidung innerhalb der Zehn-Tage-Frist bis zum Haftantritt, die das Urteil wie erhofft umwandelt. Es ist aber auch denkbar, dass sich Spaniens Justiz Zeit lässt. Viel Zeit - womöglich sogar mehr als sechs Monate. Das kommt in Spanien schon mal vor, wo die Richter der so genannten karibischen Woche frönen - und montags und freitags mindestens eine ruhige Kugel schieben.

© SZ/ebc/schm/pps
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