FC Bayern gegen Liverpool Die Lewandowski-Wochen sind angebrochen

Robert Lewandowski warf sich gegen Liverpool in so manchen Zweikampf. Hier gegen Georginio Wijnaldum.

(Foto: REUTERS)
  • Der FC Bayern holt sich mit einer engagierten Defensivleistung ein 0:0 in Liverpool.
  • Auch Robert Lewandowski verteidigt und reibt sich in Zweikämpfen auf.
  • In der Offensive muss er sich bis zum Rückspiel gedulden, um seine Rolle als Torjäger auszufüllen.
Von Christof Kneer, Liverpool

Im Außenbereich des Stadions, direkt vor der berühmten Fantribüne "The Kop", haben die Engländer eine ausgezeichnete Videoleinwand angebracht, die aus Liverpool stammen muss. Die Leinwand kann wirklich was ab, sie sendet trotz dunkelsten britischen Regens so vorbildlich leuchtende Bilder, dass es an dieser Stelle auch um halb acht Ortszeit noch hell ist. Mancher vorüberschlendernde Bayern-Anhänger dürfte aber ziemlich erschrocken sein, als ihm von dieser Leinwand plötzlich Didi Hamann entgegen lächelte. Zwar ging diese unverschämte Erscheinung dann auch wieder weg und wurde von Steven Gerrard ersetzt, aber nach einer Weile war Hamann wieder da. Er gehört zu den Liverpooler Helden, die auf dieser Leinwand in Dauerschleife gesendet werden, vielleicht ist damit schon ein Teil des Konflikts erklärt. Dietmar Hamann geht inzwischen als Liverpooler durch.

Ja, Didi Hamann war auch mal Bayern-Spieler, aber im Moment würden die zuständigen Münchner seine Zugehörigkeit zur Familie massiv abstreiten, zur Not unter Zuhilfenahme einer seriösen Amnesie. Hamann? Wer soll das sein? Wer sich zurzeit mit Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters unterhält, kann gerne versuchen, ein Gespräch übers Liverpooler Wetter oder die Einsatzchancen von Leon Goretzka anzufangen, aber am Ende landen die Bayern gerade immer wieder bei Didi Hamann.

FC Bayern in der Einzelkritik

Hummels-Mania nicht ausgeschlossen

Was den wohl geritten habe, so auf Lewandowski loszugehen, ausgerechnet auf Lewandowski, "unseren besten Spieler", wie Bayerns Funktionäre gerade bei jeder sich bietenden Gelegenheit versichern? In seiner Eigenschaft als Sky-Experte hatte Hamann dem Mittelstürmer sinngemäß vorgeworfen, er sei kein Teamplayer und in großen Spielen nicht zu sehen, jedenfalls gemessen an seiner überragenden Qualität. Lewandowski sei ein Problem für Bayern, hatte Hamann knackig bilanziert, worauf Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic entgegnete, Hamann sei wohl eher ein Problem für Sky.

Lewandowski zeige mehr Verantwortung, heißt es bei Bayern

Noch keine Minute war gespielt an der Anfield Road, als Lewandowski bereits Liverpools Torhüter Allison entgegen rannte, um ihn beim Abspiel unter Druck zu setzen. In der zweiten Minute gewann Lewandowski ein Kopfballduell gegen Matip, kein Wunder wahrscheinlich als ehemaliger Dortmunder gegen einen ehemaligen Schalker. Irgendwie stand auch Didi Hamann auf dem Platz in der Anfangsphase, er war ganz offenbar von seiner Anzeigentafel herunter geklettert, um Lewandowski zu motivieren. War das nicht doch ziemlich nett von Hamann, dem Ex-Bayern?

Beim FC Bayern kennen sie diese Logik schon aus den vergangenen Jahren: Je weiter eine Saison voranschreitet, desto mehr wird sie zur Lewandowski-Saison. Ganz vorne entscheidet sich meist, ob die Münchner eine gute, sehr gute oder herausragende Saison spielen, und zuletzt hatte sich unter den Experten diese von Hamann doch etwas zugespitzte These verbreitet: Der Pole, immerhin von sich selbst gekürter Weltfußballer, war in den bedeutenden Spielen der vergangenen Jahre zu selten prägend, allerdings konnte er mitunter auch mildernde Umstände in Anrechnung bringen, etwa jene imposante, aber eben auch sehr störende Karbon-Gesichtsmaske in einem Halbfinale in Barcelona. Reflexhaft wurde ihm dann unterstellt, er sei eine Art Einzelsportler, der sich in eine Mannschaftssportart verirrt habe, und überhaupt sei er mit dem Kopf schon bei Real Madrid, bei jenem Klub, der als sein ultimatives Karriereziel galt, neben der Kür zum Weltfußballer selbstverständlich.

Die These, die sie bei Bayern verbreiten, ist eine andere als die des demnächst ausgebürgerten Hamann, aber diese interne Theorie erzählen sie eher hinter vorgehaltener Hand: Nun, da Lewandowski mit Real abgeschlossen und sich für immer den Bayern versprochen habe, zeige er viel mehr Verantwortung fürs große Ganze, bringe sich in teaminterne Prozesse ein.

Auch auf dem Rasen von Liverpool war Lewandowski dieser Wille anzumerken, allerdings fehlte ihm die Unterstützung der Kollegen. Vor allem James, dem Spielmacher, gelang es in diesem intensiven Spiel viel zu selten, seinen Spielmacherfuß zum Einsatz zu bringen, weshalb kaum ein weltfußballerwürdiger Ball nach vorne kam. Lewandowski engagierte sich derweil tapfer im Kampf gegen den Ball, er weiß: Ein Stürmer muss warten können. Es gibt noch ein Rückspiel, am 13. März, mitten in den Lewandowski-Wochen.

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