FC Bayern Niko Kovac teilt seine Weisheit

Ein gutgelaunter Niko Kovac, ist ein mitteilsamer Niko Kovac.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Benedikt Warmbrunn

Die Laune von Niko Kovac lässt sich immer ganz gut daran messen, wie viel Weisheit er der Menschheit mitgibt. Wenn Kovac schlecht gelaunt ist, und das kommt sogar bei ihm, der so gerne lacht und mit den Augen zwinkert, mitunter vor, dann gibt er auf Fragen knappe Antworten, aus denen wenig zu lernen ist. Wenn er aber gut gelaunt ist, dann klärt Kovac all die Unwissenden über ein paar Geheimnisse des Lebens auf, und dabei muss es nicht ausschließlich um Fußball gehen. Wenn er gut gelaunt ist, dann menschelt er vielmehr. Am Freitagmittag war Niko Kovac ausgezeichnet gelaunt.

So hat der Trainer des FC Bayern erzählt, wie es ihm in den vergangenen Wochen ergangen ist, in denen er mit der Mannschaft in die schwerste Krise des Vereins in jüngerer Zeit geraten war. Nach zwei Siegen ist von dieser Krise an der Säbener Straße schon wieder erstaunlich wenig zu spüren, wenngleich nicht ganz sicher ist, ob sie denn auch schon tatsächlich überstanden ist.

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Kovac jedenfalls ist gestärkt aus diesen Wochen herausgekommen, er hat öffentliche Treuebekenntnisse von Präsident Uli Hoeneß und Klubboss Karl-Heinz Rummenigge gehört, und das Spiel an diesem Samstagnachmittag gegen den 1. FC Nürnberg ist tatsächlich eines, für das der Trainer kein Ultimatum gesetzt bekommen hat.

Daher also: ein gut gelaunter Kovac. Und also: ein Kovac, der seine Weisheit teilt.

"Nicht in jedem Schlechten", hat er am Freitagmittag gesagt, "ist immer etwas Schlechtes drin"; es stecke, auch das teilte er mit, sogar in manchem Schlechten "etwas Gutes" drin. Das war die erste Weisheit. Die zweite: "Ein Mensch, wenn er denn willens ist, lernt, bis er stirbt." Und so hat der Trainer auch in der jüngsten Krise etwas Gutes gefunden. Er sagte: "Ich wäre dumm, wenn ich daraus nichts mitnehmen würde", es folgte eine kurze Kunstpause. "Ich will nicht dumm sein."

In der Krise steckt etwas Gutes für Boateng

Mitgenommen hat der Trainer zum Beispiel, dass seine Mannschaft weniger konteranfällig ist, wenn er vor die Abwehr zwei Spieler auf die sogenannte Doppelsechs stellt. Mitgenommen hat er auch, dass die Rotation, wie er sie praktiziert hatte, nicht funktioniert hat. Am Freitag verkündete er daher, dass er ab sofort nicht mehr so viel durchwechseln will (nachdem er vor wenigen Wochen noch in unverwüstbarer Treue an seinen Wechseleien festgehalten hat). "Ich habe gesagt, okay, die Rotation wird stattfinden, aber nur dann, wenn einer verletzt ist beziehungsweise wenn wirklich jemand total am Boden ist."

In der jüngsten Krise steckt also etwas Gutes für den Innenverteidiger Jérôme Boateng, der in den vergangenen Wochen bei einigen Gegentoren unglücklich aussah. Er darf sich weiterhin als Stammspieler fühlen. Das bedeutet allerdings auch, dass in der jüngsten Krise wenig Gutes für Mats Hummels steckt. Der Innenverteidiger war zuletzt an keinem Gegentor der Hauptschuldige, das liegt aber unter anderem auch daran, dass er krank war und auf der Bank saß. Und dort wird er auch weiterhin sitzen.

Mitgenommen hat Kovac aus der Krise außerdem, dass es der Mannschaft und auch ihm hilft, wenn er nicht immer nur lächelt und mit den Augen zwinkert. Seine Ansprachen, sagt er, seien "klarer und deutlicher" geworden. Und da er nicht dumm sein will, wird Kovac daran erst einmal nichts ändern.

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