FC Bayern Kovac besticht mit einfachen Lösungen

Sechs Siege aus sechs Spielen: Niko Kovac ist in München erfolgreicher gestartet als Pep Guardiola. In den ersten Wochen als Bayern-Trainer wirkt er wie ein weiser Gelehrter.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Niko Kovac hat bei Pep Guardiola und Thomas Tuchel hospitiert, er hat in seinen ersten Jahren in der Bundesliga zahlreiche Schulungsangebote wahrgenommen; er kennt sich seitdem aus mit interkultureller Kommunikation oder mit der nicht immer nachvollziehbaren Arbeit der Medien. In der für die meisten Fußballtrainer selbst gar nicht so interessanten Frage, ob sie als modern bezeichnet werden können, lautet die Antwort also: Kovac ist ein moderner Fußballtrainer. Und damit zu seinen ersten Wochen beim FC Bayern.

Sechs Pflichtspiele hat das Team unter dem neuen Trainer absolviert, das 2:0 am Mittwoch in Lissabon war der sechste Sieg - damit ist er in München erfolgreicher gestartet als Guardiola (2:4 im Supercup gegen Dortmund) und Tuchel (den die Klubbosse erst gar nicht starten lassen wollten). Doch das Besondere an diesem Start ist, dass es ein Start der klaren Signale und der einfachen Dinge ist.

Was Kovacs Arbeit in den ersten Wochen auszeichnet

Dreimal hat Kovac in den vergangenen Monaten mit Maßnahmen seine Position als Trainer des FC Bayern gestärkt. Das erste Mal, als er noch Frankfurt trainierte und mit seiner Kontertaktik im Pokalfinale zeigte, dass er die Münchner Schwachstellen erkannt hatte. Das zweite Mal, als er zum Bundesliga-Auftakt gegen Hoffenheim zunächst auf die Etablierten Mats Hummels und Arjen Robben verzichtete. Das dritte Mal, als er in seinem ersten Spiel als Trainer in der Champions League Renato Sanches einsetzte, einen Spieler, dem auch im Verein vor wenigen Wochen nicht viele vertraut hatten. Kovac gewann den Pokal, er hatte zum Auftakt gegen Hoffenheim eine recht stabile Abwehr. Und in Lissabon erzielte Sanches das Tor zum Endstand.

Gerade an Kovacs Umgang mit dem Portugiesen zeigt sich, was seine Arbeit in den ersten Wochen auszeichnet. Er legt Wert darauf, dass jeder fit ist. Er legt Wert darauf, mit allen zu reden. Er legt Wert darauf, den Spielern zu signalisieren, dass er sie versteht - zum Beispiel, indem er Sanches in seiner alten Heimat eine Chance gibt. In diesen ersten 80 Tagen beim FC Bayern wirkt Kovac daher wie einer dieser weisen Gelehrten, die dank ihres Wissens erkannt haben, dass die Lösung nicht kompliziert sein muss, sondern oft in den einfachen Dingen liegt.

Und modern ist für die meisten Fußballtrainer ohnehin der Kollege, der gerade besonders erfolgreich ist.

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