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FC Bayern gegen Köln:Hergschenkt is!

  • Stürmer Robert Lewandowski demonstriert beim 4:0 des FC Bayern, dass es ihm ums Team geht.
  • Er schenkt dem neuen Kollegen Coutinho einen Elfmeter - er kann es sich erlauben, schließlich trifft er derzeit, wie er will.

"Neinafuchzigste Minutn", notierte der weltgewandte FC Bayern schon kurz nach Abpfiff auf seiner Internetseite, "jetz is da Kas bissn, jetz is as Kaiwe nunta vom Eis!" Und was soll man sagen: Da hatte der FC Bayern natürlich recht. Das Kälbchen war runter vom Eis (vermutlich steckte es am anderen Ende der Stadt bereits knusprig auf dem Bratenspieß, zwecks Verzehr auf dem soeben eröffneten Oktoberfest). Denn Folgendes war passiert: "Da Coutinho is auf da linkn Seitn auf und davo, da Ehizibue rumpet eahm um. Da Kölner fliagt vom Plotz, und mia kriagn an Aifa."

Und wenn der FC Bayern einen Aifa kriegt - für Nichtbayern: einen Elfer -, dann macht der Stürmer Robert Lewandowski diesen Elfer üblicherweise rein. 2:0 stand es bereits für die Bayern in dieser 59. Minute im Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln - 1:0 Lewandowski (3.), 2:0 Lewandowski (48.) -, und hätte Lewandowski nun auch noch den Strafstoß verwandelt, hätte er sich einen Rekord ans Leiberl, ans Revers oder sonst wohin heften können: Zehn Tore in den ersten fünf Saisonspielen, das hat noch keiner geschafft seit der Premierenspielzeit 1963/'64.

FC Bayern in der Einzelkritik

Coutinho schießt sein erstes Tor zweimal

Andererseits: Wer braucht solche Rekorde? Bestmarken, die sowieso bloß alle paar Jahre aus irgendeinem Kuriositätenarchiv gezogen werden, und dann auch nur an fünften Spieltagen?

"Macht da Lewy sei zehnts Heisl in dera Saison?", fragte also auch der FC Bayern, und löste gleich auf: "Na, macht a ned, wei a extrig am Coutinho den Aifa schenkt. Da kemma bloß an Huat ziagn vorm Lewy!" Den Hut ziehen sie bekanntlich häufig beim FC Bayern, am liebsten den imaginären, und manchmal sagen sie dazu auch noch Champs-Élysées.

Das 4:0 (1:0) gegen Köln am Samstag fällt in eine spezielle Unterkategorie der Münchner Fußballspiele, denn es fand am ersten von drei sog. Wiesn-Spieltagen statt. Das ist traditionell die Zeit für allerlei bayerische Stadionfolklore, die Ein-Liter-Plastikmass etwa für den bierdurstigen Fan oder Wortwitze des Ansagers nach jedem Treffer ("Eigschenkt is!"). Den bairischen Spielbericht "So hamma gspuit" gibt es auf der Bayern-Homepage allerdings ganzjährig, und das seit Jahren. Robert Lewandowski wird ihn wahrscheinlich ebenso wenig jemals verstehen wie Philippe Coutinho, aber das ist ja das Faszinierende an diesem FC Bayern: Der FC Bayern kann gleichzeitig sein Ebitda und die Fanseele im Blick haben, er kann Fußballheuschrecke sein - und Heimat.

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Neu hingegen ist, dass sich jetzt auch Robert Lewandowski, 31, beim FC Bayern heimisch fühlt (wozu beim polnischen Nationalstürmer wohl die Erkenntnis nötig war, dass sein jahrelanges Werben um den letzten großen Vertrag, am liebsten bei Real Madrid, nicht mehr erhört werden wird). Und noch neuer ist, dass es Lewandowski sogar ein Anliegen ist, dass andere sich beim FC Bayern heimisch fühlen.

Robert Lewandowski? War das nicht immer dieser Egoshooter, der gerne mal hämisch abgewunken hat, wenn die Kollegen ihm den Ball nicht zu seiner Zufriedenheit vor die Füße zu spielen vermochten? Der zugab, wochenlang "enttäuscht von meiner Mannschaft" gewesen zu sein, als die ihm (seiner Meinung nach) vor zwei Jahren nicht ausreichend bei der Jagd nach der Torjägerkanone assistierte. Taugt dieser Lewandowski jetzt zum Münchner Integrationshelfer?