Kingsley Coman In diesem Sommer werden die Transfers teurer

Coman wurde zum besten Spieler dort, gemeinsam mit Real Madrids Asensio, aber er war leider nicht mehr auf dem Markt. In Paris hatten sie Comans gelegentliche Hektikanfälle nach dem ersten Ballkontakt offenbar mit mangelndem Talent verwechselt und diesen kolossalen Kerl fast kampflos aus der Stadt gelassen, und nun spielte er also in Italien, bei Juventus Turin.

Wobei: Er saß eigentlich bei Juventus Turin, er spielte kaum. "Juve spielt in einem System ohne Flügelstürmer, da war für Kingsley kein Platz", sagt Reschke. Er hat seinen Bayern diesen rasenden Burschen ans Herz gelegt, den Trainer Pep Guardiola hatte er bald überzeugt, bei den hohen Herren dauerte es etwas länger.

Herr Reschke, so viel Geld bezahlen für einen Spieler, der bei Juve nie spielt? Deshalb ja, sagte der Herr Reschke: Wir kriegen ihn ja nur, weil er bei Juve nie spielt.

Die Bayern haben verblüffend lange gezögert

Am Ende kam Coman dann, die Bayern wählten ein unübliches Transfermodell: Sieben Millionen Euro für eine zweijährige Leihe plus eine Kaufoption für weitere 21 Millionen. Für eine vergleichsweise geringe Gebühr hatten die Bayern also zwei Jahre Zeit, diesem Spieler beim Wachsen zuzusehen. Am Anfang sahen sie, wie er alle überlief und dann die falschen Entscheidungen traf, wie er schoss, statt zu flanken, wie er flankte, statt zu schießen. Dann sahen sie, wie sich falsche und richtige Entscheidungen abwechselten, und dann, wie die richtigen Entscheidungen plötzlich in der Überzahl waren. Coman blieb gleich schnell, lernte aber immer besser, sein Tempo einzusetzen. Das Tempo war nicht mehr sein Gegner, es wurde sein Partner.

Dennoch haben die Bayern verblüffend lange gezögert, bis sie schließlich die Kaufoption aktivierten. Es heißt, erst ein Besuch des jungen Stürmers bei Uli Hoeneß am Tegernsee habe die Restzweifel der hohen Herren beseitigt. Kurz vor Ablauf der Frist im April 2017 hoben sie den Daumen.

Natürlich konnten die Bayern damals nicht ahnen, dass sie einem künftigen Trainer damit einen großen Gefallen tun würden. Niko Kovac ist ein Anhänger radikalen Flügelspiels, er mag klassische Außenstürmer, die auch wirklich außen bleiben, er mag Spieler wie Coman, der deshalb ganz schön wichtig werden könnte für den Gang der Dinge. Coman könnte seinem nach wie vor umstrittenen Doubletrainer das Leben erleichtern, und er könnte den bayerischen Umbruch zu einem Vollsprint in die Zukunft werden lassen. Die Bayern suchen ja jetzt noch mehr solche Spieler, sie prüfen sehr ernsthaft die Verfügbarkeit von Leroy Sané (Manchester City), auch der Leipziger Timo Werner gilt vor allem wegen seiner Sprintfähigkeiten als interessant.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic solle jetzt "erst mal Spieler ausfindig machen, die zu uns passen, und dann reden wir über das Geld", hat Uli Hoeneß gerade gesagt. Er kennt die Preise, und er weiß das ja inzwischen: dass Kingsley Coman ein Schnäppchen war. 28 Millionen kosten in diesem Sommer Kerem Demirbay und Nico Schulz.

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