FC Bayern:"Das fühlt sich nicht gut an"

Fussball Audi Football Summit 2021 in der Allianz Arena FC Bayern Muenchen - SSC Neapel 31.07.2021 Trainer Julian Nagels

Bisher ohne Erfolg beim Erfolgsklub: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildage)

Trotz einer Halbzeit mit den meisten Stammspielern kann der FC Bayern unter Trainer Julian Nagelsmann auch sein letztes Testspiel nicht gewinnen. Nach dem 0:3 gegen Neapel muss er weiterhin Fragen nach Verstärkungen beantworten.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

10 000 Zuschauer waren am Samstag in der Arena des FC Bayern zu Gast, so viele wie reindurften, so viele wie noch nie bei einem Spiel des Klubs seit Beginn der Pandemie. Manche verließen das Stadion dann allerdings schon vor dem Schlusspfiff, bevor das 0:3 (0:0) des FC Bayern gegen den SSC Neapel im letzten Testspiel des Sommers feststand. Und dass ein paar "Oh wie ist das schön" sangen, war wohl eher höhnisch gemeint.

Die erste Saisonvorbereitung unter Trainer Julian Nagelsmann beim deutschen Rekordmeister ist ohne Sieg zu Ende gegangen. Zwar waren auch für die dritte Niederlage im vierten Freundschaftsspiel vor allem Fußballer aus Jugend und Reserve des Klubs verantwortlich. Die aus dem verlängerten Urlaub nach der EM zurückgekehrten Nationalspieler kamen zumeist nur in der ersten Halbzeit zum Einsatz, die Nagelsmann "ordentlich" nannte. Wenn auch kein Tor fiel, so gelangen immerhin ein paar Kombinationen.

Ob er einen Fehlstart in die Bundesligasaison befürchte, die schon in zwei Wochen beginnt? "Die Sorge habe ich jetzt nicht", sagte der Trainer. Andererseits hatte er schon nach dem vorangegangenen 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach gesagt, dass er grundsätzlich auch in der Vorbereitung lieber gewinne als verliere. "Das fühlt sich nicht gut an", sagte er nun.

Nur drei Trainingseinheiten hatten Profis wie Robert Lewandowski, Leon Goretzka oder Leroy Sané bislang bestritten, bevor sie nun erstmals wieder gemeinsam spielten, mit Lewandowski als Kapitän. Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Thomas Müller steigen erst am Montag ein, vier Tage vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal beim Oberligisten Bremer SV. Es gelte nun eben im Training an Rhythmus zu gewinnen, sagte Nagelsmann. Und er fragte, rhetorisch: "Was soll ich jetzt einen Zampano machen?" Er bleibt also lieber weiter gelassen.

Michael Cuisance ist an zwei Gegentoren direkt beteiligt

Normalerweise ist es eine beliebte Praxis, nach dem letzten Testspiel vor dem Saisonstart Gewinner und Verlierer der Vorbereitung zu küren, doch beim FC Bayern ist das diesmal entsprechend schwer: Der wichtige Teil der Vorbereitung läuft ja noch, auch wenn die Saison bald beginnt. Ein Münchner Profi, der eher zu den Verlierern der vergangenen Tage zählen dürfte, ist Mittelfeldspieler Michael Cuisance, 21.

10 Leroy Sane (FCB) gegen Mario Rui (Napoli) Fussball / Audi Football Summit / FC Bayern Muenchen - FC Napoli / Allianz

Erster Einsatz der Saison: Nationalspieler Leroy Sané im Zweikampf mit Neapels Mario Rui.

(Foto: Mladen Lackovic/imago)

Ähnlich wie Stürmer Joshua Zirkzee, 20, der offenbar vor seiner nächsten Ausleihe steht und am Samstag nicht dabei war, spielte Cuisance in den vergangenen Wochen um eine Rolle als Ergänzung des Kaders in naher Zukunft. Schon in den Spielen zuvor betrieb er nicht gerade auffällig Eigenwerbung. Nun, gegen Neapel, verschuldete er das 0:1, als er sich vor dem eigenen Strafraum mit dem Ball drehen wollte und ihn verlor. Dann leitete er auch noch das 0:2 mit einem Fehlpass ein. Zweimal, innerhalb von zwei Minuten, traf Neapels Stürmer Victor Osimhen (69., 71.). In der 85. Minute traf auch noch Zinedine Machach. Die Gegentore seien "kein Problem des Kollektivs" gewesen, sagte Nagelsmann. Sondern individuelle Fehler.

Ein Gewinner der Vorbereitung ist dagegen Innenverteidiger Tanguy Nianzou, der gegen Osimhen - einen der besten Stürmer Europas, wie Nagelsmann sagte - in der ersten Hälfte ein gutes Spiel machte. Nianzou habe sich im Laufe der Vorbereitung gesteigert, sagte Nagelsmann. Auch weil Niklas Süle unter der Woche das Training wegen Rückenbeschwerden abbrach und gegen Neapel gar nicht im Kader stand, ist der 19-Jährige ein Startelfkandidat in der Innenverteidigung neben Zugang Dayot Upamecano. Er habe keine Bedenken, ihn einzusetzen, sagte Nagelsmann.

Ansonsten hat die Vorbereitung aber eher die Bedeutung der bewährten Profis gezeigt. Nachwuchskräfte wie Torben Rhein, 18, oder Josip Stanisic, 21, haben zwar keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Doch der Kreis der möglichen Stammspieler ist klein, weshalb die Fragen nach weiteren Verstärkungen wohl noch bis Ende August aufkommen werden. Vorstandschef Oliver Kahn befand vor dem Spiel bei RTL, man sei "sehr gut aufgestellt in allen Mannschaftsteilen", der ehemalige Torhüter bezeichnete den Kader sogar als "exzellent". Wenn der Markt nichts hergebe, dann sei der Kader groß genug, sagte Nagelsmann diesmal in der Pressekonferenz - so diplomatisch, wie er das in seinen ersten Wochen bislang immer gemacht hat.

Es war wohl die beste Nachricht des Tages, dass der Trainer vorsichtig Entwarnung geben konnte, was eine mögliche kurzfristige Verkleinerung des Kaders angeht. Kingsley Coman, nach wenigen Minuten wegen Schmerzen nach einem Zweikampf ausgewechselt, habe wahrscheinlich nur eine Rippenprellung. Er glaube nicht, dass Coman länger ausfallen werde, sagte Nagelsmann.

© SZ/tbr
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