Transfermarkt:Kommen und gehen

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Transfermarkt: Joshua Zirkzee.

Joshua Zirkzee.

(Foto: Laurie Dieffembacq/AFP)

Der FC Bayern gibt mindestens temporär drei Talente ab, der FC Augsburg verleiht wohl seinen Rekordeinkauf. Hertha und Schalke verstärken sich. Vier Geschichten vom Bundesliga-Transfermarkt.

Von SZ-Autoren

Dreimal Potenzial

Der FC Bayern verschickte am Dienstag hintereinander zwei Mitteilungen, in denen dieselben Wörter aus dem Satzbaukasten zur Beschreibung talentierter, aber latent enttäuschender Fußballer vorkamen: "Großes Potenzial", das sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic sowohl über Joshua Zirkzee, als auch über Bright Arrey-Mbi. Stürmer Zirkzee, 21, wechselt für angeblich 8,5 Millionen Euro zum FC Bologna und komplettiert damit die Liste lukrativer Münchner Ersatzspielerverkäufe dieses Sommers. Die Besonderheit: Der FC Bayern verweist auf eine "Rückhol-Option". Außenverteidiger Arrey-Mbi, 19, wird nach einem Jahr beim 1. FC Köln erneut verliehen, zum Zweitligisten Hannover 96. Und auch Gabriel Vidovic, 18, wechselt zunächst nur für eine Saison zu Vitesse Arnheim. In seinem Fall entschied sich Salihamidzic für eine andere beliebte Formulierung: Vidovic werde "den nächsten Schritt machen". Sebastian Fischer

Erst mal Umweg

Transfermarkt: Ricardo Pepi.

Ricardo Pepi.

(Foto: Mis/Imago)

Viel Potenzial, darum ging es auch bei einem Transfer des FC Augsburg im vergangenen Winter. Genauer: um den Wunsch nach sehr, sehr viel Verbesserungspotenzial. "Ich habe einen Traum: Ich möchte mit Augsburg in der Champions League spielen", sagte jedenfalls der Stürmer Ricardo Pepi, als er für die Rekordablöse von angeblich rund 16 Millionen Euro aus Dallas kam. Als "US-Top-Talent" stellten ihn die Augsburger vor und veranstalteten darüber hinaus ein solches Bohei in den sozialen Medien, als hätten sie einen Hollywoodstar verpflichtet. Pepi spielte bislang 15 Mal in der Bundesliga, ein Tor hat er noch nicht geschossen. Und auf dem Weg Richtung Champions League steht nun dem Vernehmen nach erst mal ein Umweg an: Nachdem der FCA den früheren deutschen U21-Nationalstürmer Mergim Berisha, 24, mit Kaufoption von Fenerbahce Istanbul auslieh, wurde Pepi an den FC Groningen verliehen. Sebastian Fischer

¡U-ru-gua-yo!

Transfermarkt: Agustín Rogel.

Agustín Rogel.

(Foto: Pablo Amelio/Imago)

Beim argentinischen Erstligisten Estudiantes de La Plata hatten sie schon immer ein Faible für Fußballer, die das Bein im Zweifelsfall nicht zurückziehen. Seit den 1960er Jahren spätestens, als Carlos Salvador Bilardo, der argentinische Weltmeistertrainer von 1986, den Gegnern interkontinental das Fürchten lehrte. Seit dem Wochenende lassen die Tränen der Estudiantes-Fans den Pegel des La Plata steigen, weil sich Agustín Rogel nach Berlin verabschiedete. Sie hatten Rogel bei jeder Grätsche mit dem Schlachtruf "¡U-ru-gua-yo!" gefeiert, er wurde vor 24 Jahren in Montevideo geboren. Er ist ein "robuster, großgewachsener, zweikampfstarker Innenverteidiger", freute sich Hertha-Trainer Sandro Schwarz. Für Rogel ist Berlin die dritte Station in Europa. Er war 2018 von Nacional Montevideo zum russischen Erstligisten Krylja Sowetow Samara gewechselt, ein Jahr drauf landete er in Frankreich in Toulouse. Javier Cáceres

Aus der Schublade

Transfermarkt: Sepp van den Berg.

Sepp van den Berg.

(Foto: Ian Stephen/Imago)

Der Transfermarkt funktioniere nicht nach dem Schubladen-Prinzip, hat Schalkes Sportchef Rouven Schröder kürzlich erklärt: Gleich den Nachfolger zur Hand zu haben, wenn ein wichtiger Spieler den Klub verlasse, das sei nicht möglich. Doch im Fall von Sepp van den Berg, 20, kommt die Lösung tatsächlich aus der Schublade: Während sich Schalkes Stammverteidiger Malick Thiaw, 21, beim AC Mailand vorstellte, konferierte Schröder bereits per Video-Chat mit dem FC Liverpool, um das Leihgeschäft mit van den Berg anzufragen. Schalke stand schon seit einem Jahr mit dem niederländischen U-21-Nationalspieler in Verbindung. Prompt stand er anderntags vor der Tür. Thiaws Wechselgebühr bringt circa zehn Millionen Euro Ablöse ein, der Gewinn wandert in den Schuldenabbau ab. Ein ständiger Verbleib van den Bergs ist zu Schröders Bedauern nicht vorgesehen, er sei "langfristig eingeplant" in Liverpool. Philipp Selldorf

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