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FC Bayern:Javi Martínez sagt Adiós

Franz Beckenbauer kannte ihn nicht, Jupp Heynckes kämpfte um ihn: Javi Martínez überzeugte in seinen neun Jahren beim FC Bayern menschlich wie sportlich - nun kündigt er seinen Abschied an.

Es war zuletzt ruhig geworden um Javi Martínez, in der laufenden Bundesligasaison kam er bislang auf nur zwei Einsätze über 90 Minuten. Was nicht zuletzt daran lag, dass andere Personalien jeden Gedanken an eine der prägendsten Figuren der vergangenen, überaus erfolgreichen Dekade des FC Bayern überlagerten. Doch es ließ sich erahnen, dass es nur eine Frage der Zeit sein könnte, ehe der Abschied offiziell werden würde "Der FC Bayern und seine Fans werden immer in meinem Herzen bleiben. Muchas gracias, Dankeschön, Servus - wir sehen uns!", erklärte Martínez, 32, am Dienstag per Vereinsmitteilung.

In den neun Jahren, die Martínez beim FC Bayern war, hat er unter anderem zwei Mal das Triple gewonnen: Im vergangenen Sommer unter dem gleichfalls scheidenden Trainer Hansi Flick, 2013 unter Martínez' großem Mentor Jupp Heynckes. Ebendieser Heynckes hatte 2012 dafür gesorgt, dass der FC Bayern Zugriff auf die damals 23-jährige Symbolfigur von Athletic Bilbao bekam - und die damalige Rekordablösesumme von 40 Millionen Euro zahlte. Es war ein Zweifronten-Konflikt. Auf der einen Seite versuchte er, den Athletic-Präsidenten Urrutia zu erweichen, Martínez für weniger Geld als die festgeschriebene Ablösesumme von eben 40 Millionen Euro ziehen zu lassen; Heynckes blieb erfolglos, obwohl der Ex-Profi Urrutia in Bilbao unter ebenjenem Heynckes gespielt hatte.

Auf der anderen Seite musste Heynckes Überzeugungsarbeit leisten. Nicht alle in München hatten den vielseitigen, mitreißenden Martínez auf dem Schirm, obwohl sich die damals 23-jährige Defensivkraft aus der Region Navarra in La Liga längst einen Namen gemacht hatte - und 2010 und 2012 Welt- und Europameister geworden war. "Ich kann mich noch erinnern, als Franz Beckenbauer gesagt hat: Javi Martínez, wer ist das?", sagte Heynckes später.

"Die Entscheidung war goldrichtig: Javi hat unserer Mannschaft spielerisch große Qualität verliehen und menschlich immer hervorragend zu uns gepasst", erklärte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag. Martínez war das, was man "integriert" nennt, und beteiligte sich, ohne großes Aufheben zu machen, an humanitären Kampagnen: 2015 bei den Refugees-Welcome-Aktionen, 2020 als Einkaufshelfer des Roten Kreuzes für Menschen, die zu Beginn der Corona-Krise nicht außer Haus sollten.

Mit dem FC Bayern steht er dicht vor dem neunten deutschen Meistertitel, er gewann überdies fünf DFB-Pokale und die Klub-WM. "Ich habe diesen Verein gelebt, immer alles für ihn gegeben und bin sehr glücklich über die vielen Titel, die wir gemeinsam gewonnen haben", sagte Martínez. Über seine berufliche Zukunft schwieg er sich aus. Sein Traum im letzten Jahr war allerdings, zu Athletic Bilbao zurückzukehren. Nun öffnet sich dort womöglich wieder eine Tür. Sein Vertrag bei den Bayern läuft aus.

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