FC Bayern in der Einzelkritik:Schweinsteiger bezwingt die Störenfriede

Jérôme Boateng zeigt waghalsige Abwehrmethoden, Bastian Schweinsteiger geht im Ring oft zu Boden und trifft dann wunderhübsch. Franck Ribéry schimpft über Arjen Robben. Der FC Bayern beim 2:0 gegen Mainz in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp, Mainz

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1. FSV Mainz 05 v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Manuel Neuer: Hat als gebürtiger Gelsenkirchener längst die Vorzüge des bayerischen Oberlandes für sich entdeckt und baut sich demnächst eine Meerblick-Villa am Tegernsee. Hatte für Träumereien vom Eigenheim aber zunächst keine Zeit, denn die Mainzer rannten an. Brachte sich mit einigen ungenauen Pässen selbst in Kalamitäten und war froh, dass niemand Nutzen daraus schlug. Hörte nach der Pause ein dumpfes Klatschen, als Choupo-Motings Granate ans Kreuzeck knallte. Musste weiterhin munter mitspielen, weil die Kollegen ihn als Libero brauchten. Tat das immer zuverlässiger.

FSV Mainz 05  - FC Bayern München

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David Alaba: Braucht als gebürtiger Wiener kein Meer und auch keine Alpen - ihm reicht eine Garçonnière im ersten Bezirk. Prügelte nach einer Ecke einen Ball so steil in die Luft, dass einige dachten, der Mond fällt vom Himmel. Als die Kugel doch wieder gelandet war, sah er sich vom Mainzer Pressing-Riegel arg in die Defensive gedrängt. Schob sich nach der Pause gemeinsam mit den Kollegen weiter nach vorne. Entscheidende Impulse blieben aber aus. Daheim in Wien würden sie sagen: Zach woa's.

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Jérôme Boateng: Ist als Berliner Großstadtkind eher Beton und Mauern gewohnt als Alpen-Idyll. Macht aber nix, er darf sicher mal bei Neuers zum Grillen vorbei kommen, wenn es soweit ist. Musste ein ums andere Mal mit Riesenschritten heraneilen, um in der Not zu retten. Zeigte eine ganze Reihe an waghalsigen Abwehrmethoden: Mit dem Scheitel, mit der Hacke, per Mister-Miyagi-Fußfeger. War mit seinen flinken Beinen an diesem Tag Gold wert, denn der Mainzer ICE-Fußball kam mitunter wie aus dem Nichts angeschossen.

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Javier Martínez: Gegen das Mainzer Überschallkommando am Rande des Abseits vertraute Guardiola dem Spanier, der mit seiner Beweglichkeit Löcher stopfen sollte. Leider taten sich ganz schön viele Löcher auf, weshalb Martínez an vielen Stellen gleichzeitig gefragt war. Und dann piesackte ihn immer wieder dieser Okazaki mit seinen Sprints in die Tiefe. Traute sich höchstens bei Standards über die Mittellinie, doch die segelten alle an ihm vorbei. Verbrachte die zweite Halbzeit deutlich ruhiger als die erste - und war sichtlich glücklich darüber.

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Philipp Lahm: Schwärmte so ausgiebig über Champions-League-Gegner ManUnited ("super Los, super Atmosphäre"), dass ihm die Pflichtübungen in der Bundesliga beinahe langweilig erscheinen müssen. Spielte zur Abwechslung mal wieder rechts hinten, wo er einige hübsche Zwergenaufstände gegen den Riesenkerl Choupo-Moting anzettelte. Hielt sich mit offensivem Gekreisel zurück, denn es gab gut zu tun. Wann immer die Mainzer nach vorne flitzten, musste der Bayern-Kapitän Sprintübungen absolvieren. Nach 60 Minuten folgte die Erleichterung: Da ging Choupo-Moting vom Feld - er hatte Lahm ganz schön beschäftigt.

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Toni Kroos: Durfte nach der Auslosung zur Champions League über sich lesen, dass ManUnited ihn jetzt zweimal ganz genau unter die Lupe nehmen wird. Dabei stellt sich die Frage: Wieso sollte einer wie er überhaupt nach Manchester wechseln? Zum darbenden Tabellensiebten der Premier League? Come on! Stemmte sich in der ersten Halbzeit mit britischer Härte gegen die Anrennversuche des FSV. Bemühte sich nach dem Wechsel um Spielkultur, prallte aber andauernd gegen irgendwelche Störenfriede. In England geht es ähnlich eng zur Sache - die Gelegenheit zum Ausprobieren kommt bald.

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Bastian Schweinsteiger: Agierte zuletzt immer chefiger und befindet sich auf dem Weg, wieder der alte Brust-raus-hier-kommt-der-Schweinsteiger zu werden. Bemühte sich in Stressphasen um Ruhe, verzettelte sich aber immer wieder in Ringkämpfen mit dem lästigen Koreaner Koo. Ging ungewohnt häufig zu Boden, weil von überall her Mainzer angerannt kamen. Spielte ungewohnt oft zum Gegner, weil er irgendwie zu lässig agierte. Aber dann flog plötzlich dieser wunderhübsche Ball von Shaqiri in den Sechzehner und Schweinsteiger köpfelte ihn über die Linie. Einfach so. In einem Spiel zum Vergessen.

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Franck Ribéry: Fiel unter der Woche vor allem damit auf, dass er seinem gefallenen Präsidenten warme Worte widmete. Uli Hoeneß und der Franzose - das war weit mehr als eine amour fou, das war gelebte Verbrüderung. Aber das ist jetzt passé, Ribéry muss sich einen neuen Geistesverwandten im Verein suchen. Ein Kandidat ist sicherlich Alaba, mit dem er eine alpenländisch-französische Freundschaft pflegt. Sah sich bei seinen Dribblings meist seinem persönlichen Spaßverderber Pospech gegenüber, der ihm leidenschaftlich auf die Zehen stieg. Verpasste nach einem perfekten Haken die Führung, als Karius parierte. Mainz und der Monsieur, das war diesmal trotz Vorlage zum 0:2 kein Liebesabenteuer.

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Quelle: Fredrik Von Erichsen/dpa

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Arjen Robben: Ist derzeit vielleicht der bestmögliche Robben, weshalb er sinnvollerweise gleich bis 2017 bei den Bayern verlängerte. Wirkte von Beginn an gewillt, dem neuen Arbeitspapier eine Empfehlung in eigener Sache hinterher zu schicken. Kurvte energisch Richtung gegnerisches Tor und schraubte sein kahles Haupt sogar zum Kopfball in die Höhe. Scheiterte bei einem Konter etwas eigensinnig an Karius, was beim mitgelaufenen Ribéry zu einer Schimpfattacke führte. Ging danach für Shaqiri vom Feld, wäre aber sicher noch gerne weitergerannt.

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Thomas Müller: Hätte als gebürtiger Oberbayer sicher ein paar pfundige Tipps für den Häuslebauer Manuel Neuer. Eine zünftige Stube, ein Balkon zum fensterln und immer Holz vor der Hütte - das sollte schon drin sein. Pendelte häufig zwischen Sturm und Zehnerposition, fand jedoch lange keine Räume für sein Wirken. Versuchte es schließlich weiter hinten, wo er zumindest ein wenig mitspielen durfte. Blieb nach vorne aber ohne Glücksmomente und erhielt schließlich vorzeitigen Feierabend, als er für Götze runter musste.

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Mario Mandzukic: Pflügte schon nach wenigen Sekunden in den ersten Zweikampf als wollte er signalisieren: Das bissigste Pressing spielen immer noch wir. Warf sich auch danach in jeden fliegenden Ball und Gegner, doch der Mainzer Defensiv-Dschungel verwehrte ihm zwingende Aktionen. Als die Bayern ein wenig die Kontrolle gewannen, zwang der Kroate FSV-Keeper Karius per Kopf zu einer formschönen Flugeinlage. Fiel ansonsten nicht groß auf, weil die Kollegen ihn nur selten in guter Position ins Spiel brachten. Bekam von Guardiola bei seiner Auswechslung immerhin eine Umarmung um die Hüfte.

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Mario Götze: Stammt aus dem schönen Allgäu, wo es mindestens ebenso viele tüchtige Häuslebauer gibt wie in Starnberg oder am Ammersee. Ersetzte vorne im Zentrum Müller, als die Münchner endlich mehr Druck entwickelten. War zunächst unsichtbar, stand dann aber sträflich frei, als Ribery ihm die Kugel zum 0:2 auflegte. Darf ebenso bei Neuers sein Würstchen in die Kohlen halten.

Xherdan Shaqiri: Als Robben fertig gekreiselt hatte, durfte sich auch der kleine Schweizer noch ein wenig austoben. Und wie: Er zischte über rechts in Flankenposition und bediente Schweinsteiger zu dessen Führungstreffer. Gelungener Kurzauftritt.

Claudio Pizarro: Kam für Mandzukic und vertändelte gleich einen Ball im Mittelfeld. Aber im Leben des Peruaners laufen die Dinge eh von selbst: Keine Minute später fiel das 0:1.

© SZ.de/yer
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