FC Bayern in der Einzelkritik:Unsichtbare Retter und böse Verschmähte

Philipp Lahm sprintet 90 Minuten lang und präsentiert sich als Retter, Mario Gomez wirkt wie einer, der gerettet werden muss. Und alle Offensivspieler außer Ribéry brauchen dringend eine Aktion, die zu einem Münchner Treffer führt. Der FC Bayern beim 0:2 in Leverkusen in der Einzelkritik.

Jürgen Schmieder, Leverkusen

FC Bayern in der Einzelkritik

Manuel Neuer

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(Foto: AFP)

Philipp Lahm sprintet 90 Minuten lang und präsentiert sich als Retter, Mario Gomez wirkt wie einer, der gerettet werden muss. Und alle Offensivspieler außer Ribéry brauchen dringend eine Aktion, die zu einem Münchner Treffer führt. Der FC Bayern beim 0:2 in Leverkusen in der Einzelkritik. Von Jürgen Schmieder, Leverkusen Manuel Neuer: Würde gern häufiger ein "Retter" sein (siehe Ribéry), darf diese Rolle aber als Torwart des FC Bayern nur selten ausfüllen. Rettete gegen Kießling, doch hatte der ohnehin im Abseits gestanden. Rettete kurz vor der Pause gegen Schürrle. Rettete nach der Pause nach misslungener Faustabwehr gegen Kießling. Vergaß aber die wichtigste Tugend eines Bayern-Torwarts: keinen Fehler machen! Faustete beim ersten Gegentreffer nur Luft aus dem Strafraum und sah danach aus wie ein kleines Kind, dem der Lolli geklaut wurde.

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Rafinha

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(Foto: dapd)

Rafinha: Hatte bei seiner Verpflichtung als "Sauhund" gegolten, wirkt derzeit eher wie ein Hund, der brav an der Leine eines Herrchens trabt. Deutlich engagierter als in den vergangenen Partien, jedoch häufig auch überrascht von der Schnelligkeit seines Gegenspielers André Schürrle. Beim Gegentreffer überrascht von den technischen Fähigkeiten von Toprak. Ist definitiv kein Retter.

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Jérôme Boateng

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Jérôme Boateng: Hatte in der Hinrunde nicht in der Innenverteidigung agieren dürfen - hatte sich darüber beschwert, aber nicht über ganz Deutschland (siehe Alaba und Robben). Stritt sich dafür in der ersten Halbzeit heftig mit Müller. Punktsieger: Müller, der letztlich von drei Kollegen beruhigt werden musste, während bei Boateng einer reichte. Korrigierte seine zahlreichen Stellungsfehler mit Schnelligkeit und Wucht.

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Holger Badstuber

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(Foto: AFP)

Holger Badstuber: Warf sich retterhaft in jeden Zweikampf, gewann auch jeden einzelnen. Wie immer mit martialischen Gesten und wütenden Worten, wenn seine Mitspieler so agierten, dass er sich retterhaft in Zweikämpfe werfen musste. Stemmte immer wieder die Hände in die Hüften, weil seine Kollegen in der zweiten Halbzeit kaum noch gefährlich Angriffe inszenierten. Blickte beim Gegentreffer ebenso verdutzt wie seine Mitspieler, schlug danach noch einige wilde Bälle nach vorne und agierte am Ende als Prellbock im gegnerischen Strafraum.

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Philipp Lahm

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(Foto: dapd)

Philipp Lahm: Musste unter der Woche ungefähr 1370 Mal erklären, dass er hoffe, die Partie gegen Schalke wäre der Knackpunkt der Rückrunde gewesen. Bearbeitete die linke Seite quasi im Dauersprint, weil er entweder Robben unterstützte oder bei einem gegnerischen Konter nach hinten eilte. Stürzte sich nach 61 Minuten in einen Schuss von Reinartz. Kann also auch Retter. Muss nun wohl aber wieder Erklärer sein.

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Luiz Gustavo

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(Foto: dapd)

Luiz Gustavo: Gilt als Meister der Kunst, nicht aufzufallen - kann aber auch prima Rückpass und Querpass. Kann aber keinen Steilpass, bewies das nach 18 Minuten, als er lieber herumtändelte, anstatt Gomez freizuspielen. Präsentierte dann die so genannte taktische Verletzung, als er nach einem Ballverlust liegen blieb und nach der medizinischen Abteilung rief. Konnte aber sogleich weiterspielen. Als Leverkusen in der zweiten Halbzeit überlegen wurde, da präsentierte er die so genannte taktische Unsichtbarkeit.

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David Alaba

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

David Alaba: War in der Hinserie häufig von Trainer Heyckes verschmäht worden, beschwerte sich aber kein einziges Mal darüber oder über ganz Deutschland (siehe Robben). Erlaubte dem Gegner immer wieder gefährliche Konter, weil er in der Offensive wuselte, anstatt das zentrale Mittelfeld zu sichern. In der zweiten Halbzeit defensiv deutlich aufmerksamer, dafür jedoch in der Offensive mit dem Unsichtbarkeits-Trick, den eigentlich nur Luiz Gustavo machen darf.

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Toni Kroos

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Toni Kroos: Schoss beim Warmmachen fünf Mal aufs Tor - und traf fünf Mal. Hatte nach zwei Minuten eine unglaubliche Aktion, als er durch den Strafraum kugelte und aus dem Rollen heraus knapp neben das Tor schoss. Initiierte gegen den hanebüchenen Spielaufbau der Leverkusener mitunter ein Ein-Mann-Pressing und stibitzte so einige Bälle. Immer wieder mit sehenswerten Zuspielen und gefährlichen Flanken. Wurde nach 74 Minuten gegen Olic getauscht.

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Thomas Müller

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(Foto: REUTERS)

Thomas Müller: Hatte sich beim Länderspiel gegen Frankreich auffällig zurückgehalten, um den Verdacht von Rummenigge zu entkräften, bei der Nationalelf engagierter zu sein als beim FC Bayern. Mag offensichtlich keine Innenverteidiger: Nach dem Kabinenstreit mit Badstuber nach dem Basel-Spiel raufte er diesmal beinahe mit Boateng. Auf der rechten Seite überaus aktiv und gefährlich, in manchen Momenten allerdings hastig oder einfach nur ohne Glück. Braucht dringend eine Aktion, die zu einem Münchner Treffer führt.

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Arjen Robben

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(Foto: dapd)

Arjen Robben: Beschwerte sich nach seinem Einsatz in der holländischen Nationalelf recht heftig über die Behandlung hierzulande: "Es ist auch schön, weg zu sein aus Deutschland. Wenn ich schlecht spiele, darf man kritisch sein, aber in Deutschland wird ein persönlicher Krieg geführt." Agierte auf der linken Seite, zeigte aber sogleich, dass er seine prägende Aktion auch von dort aus ausführen kann. Spielte seine Kollegen frei, feuerte sie an und half ihnen gar in der Defensive. Scheiterte nach 56 Minuten freistehend an Leno. Braucht dringend eine Aktion, die zu einem Münchner Treffer führt - sonst motzt er bald über die ganze Welt.

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Mario Gomez

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(Foto: dapd)

Mario Gomez: War in der Hinserie immer wieder der "Retter" gewesen, weil er auch in schwierigen Momenten ein Tor erzielt hatte. Wirkt derzeit wie einer, der gerettet werden muss. Hat dennoch das Vertrauen seines Trainers, offensichtlich aber nicht das seiner Kollegen, die ihn häufig einfach ignorieren. Als ihn Robben wunderbar freispielte, umkurvte er den Torwart - und schob den Ball in die Grätsche von Manuel Friedrich. Musste nach 60 Minuten vom Feld. Braucht dringend eine Aktion, die zu einem Münchner Treffer führt.

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Franck Ribéry

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(Foto: dpa)

Franck Ribéry: Beim FC Bayern werden gerne "Retter"-Shirts getragen, Uli Hoeneß etwa bekam dereinst eines vom FC St. Pauli. Hatte nach seinem Auftritt gegen Schalke kein Shirt bekommen, wohl aber das Attribut "Retter". Konnte wegen einer Oberschenkelverletzung nicht von Beginn an spielen, spielte beim Warmmachen aber Fangen mit Anatolij Timoschtschuk. Kam nach 60 Minuten für Gomez, sogleich präsent und gefährlich - konnte die Partie letztlich aber nicht prägen.

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Ivica Olic

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(Foto: REUTERS)

Ivica Olic: Kam nach 74 Minuten für Kroos, kann neben wuseln und wetzen grundsätzlich auch retten - zumal diese diffuse Partie für einen Typen wie ihn gemacht zu sein schien. Nach seiner Einwechslung fielen tatsächlich zwei Treffer. Allerdings für Leverkusen.

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Nils Petersen

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(Foto: dpa)

Nils Petersen: Durfte nach 82 Minuten aufs Feld, obwohl ihm Heynckes augenscheinlich so vertraut wie einem Gebrauchtwagenhändler. Petersen (Mitte) hatte nur einen Ballkontakt - da köpfte er einen Gegenspieler an.

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