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FC Bayern in der Einzelkritik:Rode klaut die Bälle

Der Einwechselspieler schafft in acht Minuten mehr als Mario Götze in einer Halbzeit, Arjen Robben holt sich eine blutige Nase, Xabi Alonso leitet als menschliche Bande die beste Chance für den Gegner ein. Der FC Bayern beim 1:0 gegen Leverkusen in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Jonas Beckenkamp

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Manuel Neuer

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

In Spanien deuten sie seine Nominierung für die Weltfußballer-Wahl als Komplott. In Frankreich lachte sich Montpelliers Trainer über ihn kaputt. Und in Bayern? Zuckte Manuel Neuer kurz mit den Schultern und stellte sich mit giftgrünen Handschuhen in sein Tor. Hatte seine auffälligste Szene mit einem algerischen Ausflug gegen Gonzalo Castro - danach kam nicht mehr viel in seine Richtung. Hätte sich getrost ein Tässchen Glühwein genehmigen können - oder sich das Youtube-Video des feixenden Montpellier-Trainers auf dem Handy anschauen können. Aber vermutlich ist Neuer der ohnehin egal.

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Rafinha

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Quelle: AP

Zählt zu der seltenen Spezies der winterresistenten Brasilianer und braucht sich über Weltfußballer-Debatten keine Sorgen machen. Musste sich schnell warm laufen, denn die Leverkusener ICE-Angriffe kamen oft über seine Seite angerollt. Probierte zusammen mit Robben und Müller eine Art Flügeldreieck über rechts, was sich schwierig gestaltete - es wimmelte von Leverkusenern. Entzog sich nach der Pause immerhin für einen entscheidenden Moment der Pressingmaschine der Gäste. Zirkelte einen hohen Ball so präzise ins Getümmel, dass Alonso Ribéry das 1:0 auflegen konnte. Wird wohl trotzdem nicht mehr Weltfußballer.

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Mehdi Benatia

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Quelle: AP

Zählt zur seltenen Spezies der kälteerprobten Marokkaner und schickte vor dem Anpfiff noch ein kurzes Gebet in den eisigen Himmel. Als Abwehrchef konnte ein bisschen Hilfe von oben ja nicht schaden. Erlebte dann, wie das so ist gegen eine Mannschaft, die Roger Schmidt trainiert: Musste ständig davonflitzende Gegenspieler im Auge behalten und Löcher stopfen. Nahm die nachlassenden Leverkusener Kräfte dankend zur Kenntnis, so konnte er hinten ohne weitere Stoßgebete einen ruhigen Abend verbringen. Könnte nach diesem Kälte-Stahlbad auch ohne Schlafsack im Atlas-Gebirge übernachten.

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Jérôme Boateng

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ja mei, der Winter. Ihm vermutlich so egal wie gleißende Hitze oder ein Sack Mehl. Oder der Leverkusener Stürmer Bellarabi. Dem schenkte er mit einem Prügelball an Alonsos Knie nach drei Minuten eine Riesenchance - aber es war ja auch Nikolaustag. Zeigte diesmal keine Großtaten, aber die waren auch nicht nötig, denn das Leverkusener Konterspiel verlor seine Präzision. Stürzte sich mit zunehmender Dauer erfolgreich in einige Zweikämpfe, damit Frostgefahr gar nicht erst aufkommen konnte. Der Nikolaus hätte sicher wenig zu tadeln gehabt.

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Juan Bernat

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ist keiner für die ganz spektakulären Nummern, aber ein Wuselmann im Sinne Guardiolas: Flinke Füße, wendig, universal einsetzbar. Musste nach Bellarabis Alleingang gleich zu Beginn per Rettungsgrätsche klären, was sicher auch im Sinne Guardiolas war. Füllte links mit vielen Sprints seinen Kilometertacho, ohne dabei richtige Glanzmomente herauf zu beschwören. Wenn er doch mal stand, dann meistens am richtigen Fleck. Legte insgesamt einen gelungenen Auftritt hin und scheint sich in Guardiolas erster Elf festgespielt zu haben.

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Xabi Alonso

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Quelle: AFP

Wer auf dem Oktoberfest in buntem Hemd und Jagerhut daher kommt, den haut auch das Dezembergrau in Fröttmaning nicht um. Mutierte früh zur menschlichen Bande, als ihn Boateng auf groteske Weise anschoss und so Bellarabi auf die Reise schickte. Trieb sich wie schon gegen Hoffenheim als Alleinherrscher im Mittelfeld herum, reklamierte außerdem beinahe jeden Freistoß für sich. Traf dabei wahlweise Köpfe des Gegners, Abwehrbeine oder unbekannte Orte im Nirgendwo. Traf dann aber doch einmal den Richtigen: Köpfelte eine Flanke von Rafinha genau zum einschussbereiten Ribéry - das reichte als Arbeitsnachweis.

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Thomas Müller

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Hat eigentlich genau die richtigen Haxen für einen flauschigen Kick bei drei Grad: drahtig, steckerldürr, unverwüstbar. Leider kamen diese nur selten zum Einsatz, denn es erreichten ihn ausschließlich Bälle der Kategorie "britisch-hoch-und-weit". Freute sich in der zweiten Halbzeit über mehr Freiheiten und brauchbarere Zuspiele, lief ein paar Mal hoffnungsvoll Richtung Sechzehner, doch so richtig wollte nichts gelingen. Hatte seine Haxen immerhin dazu benutzt, einige wärmende Kilometer abzuspulen.

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Arjen Robben

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ist mittlerweile ein ebenso unkaputtbarer Terminator wie Müller, Boateng oder Neuer - Verletzungen rennt er sich einfach aus den Knochen. War als einziger Münchner gleich auf Betriebstemperatur und wackelte herum, als habe er heiße Maroni in der langen roten Unterhose. Probierte viel, reüssierte nicht immer und holte sich irgendwann eine blutige Nase. Ehe die behandelt wurde, spielte er aber noch schnell eine kurze Ecke zu Rafinha, dessen Flanke die Führung einleitete. Demonstrierte bis zum Schluss großen Willen - wie einst Schwarzenegger beim Hanteltraining.

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Mario Götze

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Quelle: AFP

Hat bekanntlich Weltmeisterfüße, nutzt sie in dieser Saison auch endlich für Tore und andere tolle Taten. Gab diesmal aber eine Art unsichtbare Neun: Verbrachte die erste Halbzeit quasi im Schlummermodus auf dem Sofa, so dass man ihm zurufen wollte: "Hey McFly? Jemand zu Hause?" War körperlich anwesend, mehr jedoch nicht. Wurde zur Pause sogar vom Stadionsprecher ausgerufen - aus gutem Grund: Jemand musste seine Auswechslung bekannt geben. Weltmeister hin oder her.

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Franck Ribéry

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Wäre vergangenes Jahr auch gerne Weltfußballer geworden, landete ohne Komplott aber nur auf Platz drei hinter den Heiligkeiten aus Madrid und Barcelona. Wirkte voller Esprit, flitzte links durch die Prärie, fand aber zunächst nur spielverderbende Leverkusener. Als er schon ein wenig in Grüblergesten (Bart!) verfiel, plumpste ihm nach einer Ecke plötzlich eine Kopfballvorlage von Alonso vor die edlen Füße. Seine Reaktion war exquisit: Kurz geschaut und mit links hinein - 1:0. Es war sein 100. Treffer als Münchner. Genoss den Rest des Spiels, denn es war in jeder Hinsicht ein besonderes: Ist mit 186 Einsätzen jetzt der Franzose mit den meisten Auftritten in der Bundesliga. Chapeau!

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Robert Lewandowski

Bayern München - Bayer Leverkusen

Quelle: dpa

Knipste schon früh sein Radar an und hielt Ausschau nach weiten Bällen oder Kombinations-Möglichkeiten. Musste bald feststellen, dass er auf links in verlorener Mission unterwegs war und trabte leicht gelangweilt die Linie entlang. Konnte sich so mit einem Leverkusener namens Tin Jedvaj vetraut machen, der den Polen erstaunlich wirksam bearbeitete. War froh, dass er später doch in die Mitte durfte - Hauptsache weg von diesem 19-jährigen Kroaten. Kann seinen Kindern eines Tages erzählen, wie er nach einem Konter das leere Tor verfehlte. Dann haben die Kinder was zu lachen.

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Sebastian Rode

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Matthias Hangst/Getty Images

Kam zur Pause herein, weil Guardiola einen Energizer für das lahme Bayern-Zentrum brauchte. Lief gleich mit energischen Schritten los, klaute den Leverkusenern den Ball und holte eine Ecke raus - die führte prompt zum 1:0. Zeigte seine Spezialität (Bälleklauen!) gleich noch einmal und vollbrachte damit binnen acht Minuten mehr als Mario Götze in einer Halbzeit.

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Bastian Schweinsteiger

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Durfte noch ein paar Minuten mitfrieren und sorgte mit seiner Einwechslung dafür, dass das halbe Stadion noch einmal das Wort "Fußballgott" in die Nacht plärrte.

© Süddeutsche.de/mane

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