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FC Bayern in der Einzelkritik:Jahrhundert-Parade auf der Vernissage

Manuel Neuer kann in der ersten Hälfte seinen nächsten Museumsbesuch planen. Bastian Schweinsteiger bringt die Zuschauer zum Ausflippen. Und Sinan Kurt erhält Extrageld fürs Sprinten. Der FC Bayern beim 1:0 gegen Hertha BSC in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Jonas Beckenkamp

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Manuel Neuer

Hertha Berlin's Nico Schulz fails to score past Bayern Munich's Neuer during Bundesliga first division soccer match in Munich

Quelle: Michael Dalder/Reuters

Hat für einen Torsteher ein ungewöhnliches Hobby: Ist Kunstsammler, wie unter der Woche berichtet wurde. Besuchte einen Künstlerfreund daheim im Pott - wo es hoffentlich nicht um Gelsenkirchener Barock ging. Hätte in der ersten Hälfte getrost seine kommenden Museumsbesuche planen können, weil so wenig los war. Hätte sich auch Autogramme holen können auf der Tribüne, von Kenneth Faried zum Beispiel - der NBA-Basketballer schaute nämlich zu. War dann doch kurz gefragt, als er gegen den alleine durchgelaufenen Nico Schulz eine Jahrhundert-Parade auspackte. Der Rest: Rumstehen wie auf jeder besseren Vernissage.

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Mitchell Weiser

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Quelle: AFP

Hat es mit der Hochkultur nicht so sehr, bevorzugt lieber neue Medien wie Instagram, wo er im Winter mit einem Unterhosenfoto aus der Kabine auffiel. Kam diesmal aber angezogen aufs Feld, wo er überraschend als Linksverteidiger ran musste. Im Defensivverhalten nicht immer mit dem richtigen Timing, dafür nach vorne durchaus ambitioniert unterwegs. Hätte sich bei der Abwehrarbeit ebenfalls an Kenneth Faried wenden können - der gilt als einer der besten Verteidiger der NBA. Wechselte in der zweiten Hälfte auf Rechts, wo er mit Sinan Kurt eine Art "Babyriegel" gab und schließlich das 1:0 vorbereitete. Auf Instagram würde man sagen: Läuft bei ihm.

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Dante

Bayern München - Hertha BSC

Quelle: dpa

Hält auch viel von Kunst, vor allem jener, die mit Frisuren oder brasilianischem Ausdruckstanz zu tun hat. Machte nach all den Wacklern der vergangenen Wochen den Eindruck, dass er einfach Lust auf einen unfallfreien Arbeitstag hatte. Grätschte sich munter hinein in diesen entspannten Abend und holte sich so ein wenig Leichtigkeit zurück. Nur einmal geriet er in Schwierigkeiten: Als er bei Haraguchis Steilpass zu Schulz in der Mitte den Weg frei machte. Hatte in jedem Fall den tollsten Haarschnitt aller Beteiligten. Es geht also dezent bergauf.

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Jérôme Boateng

Bayern München - Hertha BSC Berlin

Quelle: dpa

Instagram? Machste Witze? Logisch, dass er dort auch einen Account besitzt. Zu sehen ist er da ebenso leicht bekleidet wie zuletzt sein Trainer (Hosenriss!) - mit einem umgebundenen Handtuch. Freute sich, dass er sich diesmal in der Abwehr nicht mit dem Quälgeist Jackson Martinez herumplagen musste, sondern nur mit Solomon Kalou. Erinnerte sich dann aber doch an die Partie gegen Porto und schlug ein paar weite Kanonenpässe, wie sie Guardiola schon gegen die Portugiesen gefordert hatte. Schoss immerhin noch einmal aufs Tor - hatte ja gegen Porto auch geklappt (mit dem Kopf).

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Sebastian Rode

FC Bayern Muenchen v Hertha BSC - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ist unter all den Künstlern so was wie der einzige Banause, was durchaus ein Kompliment ist, schließlich braucht das kreative Volk auch Erdung. Pflügte entsprechend motiviert die rechte Seite entlang, fand aber wenig Räume, um seine Kraftspurts ganz durchzuziehen. Tauchte nach dem Wechsel plötzlich auf links auf, wo es aber ähnlich wenig Platz zum Austoben gab. Hatte schon auffälligere Auftritte als diesen, aber was soll's. War ja nur Bundesliga.

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Bastian Schweinsteiger

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Quelle: AFP

Als in der Champions League das Stadion ausflippte, saß er draußen, was für einen wie ihn natürlich ungewohnt ist. Nach Kapselriss und Grippe diesmal aber wieder dabei - und zwar als Kommandeur im Zentrum. Drehte in der siebten Minute eine hübsche Pirouette, die das Publikum mit einem "Ouuhh" schwärmen ließ. Verbrachte danach lange Zeit mit Sicherheitsfußball und verlor auf ungewohnte Weise Bälle im Mittelfeld. Da machte es wieder "Ouuuh". Dann flippte das Stadion fast so aus wie gegen Porto, denn: Schweinsteiger wuchtete Weisers feines Zuspiel zum 1:0 in den Winkel. Viel "Ouuuh" und einmal "Jaaaaa". Kein schlechtes Comeback nach vier Spielen Pause.

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Philipp Lahm

Philipp Lahm

Quelle: AP

Führte seine Kunst kürzlich auf Rechtsaußen vor und hat damit fast alle Positionen auf dem Feld durch - die Welt wartet lediglich noch auf den Torhüter Philipp Lahm. Gab diesmal einen astreinen "Achter" und agierte damit erneut ungewohnt offensiv. Konzentrierte sich in dieser Rolle aufs Verteilen und Ordnen, trat ein paar Standards und hielt in der zweiten Hälfte die bessere A-Jugend der Münchner zusammen. Wirkte phasenweise wie eine Art Herbergsvater beim Jugendausflug. Meisterte aber auch diese Aufgabe recht souverän.

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Gianluca Gaudino

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Quelle: AFP

Kann auch mal ein Kommandeur werden, wenn er seinem knochigen Körper noch ein paar Knödel zum Verbrennen gönnt. Behilft sich bis auf weiteres aber mit erlesener Ballführung, die er gleich mehrfach vorführte. Besitzt ein beneidenswertes Gefühl in seinen Füßen, mit denen er ein ganzes Lehrbuch übers "Haken schlagen" füllen konnte. Braucht für weitere Einträge in diesem Werk aber mehr Einsätze - diesmal endete sein Auftritt schon nach 45 Minuten.

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Thomas Müller

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Quelle: AFP

Hat ein ganz anderes Hobby als Kunst: Pferde. Galoppierte mit seinen meterlangen Haxen meist über Rechts Richtung Sechzehner, wo es aber zuging wie auf der Rennbahn in München-Riem. War in der ersten Hälfte mit zwei Abschluss-Versuchen noch der furchteinflößendste Münchner, verlor aber bald seine Gefährlichkeit. Musste schließlich für Thiago runter, als Guardiola bemerkt hatte, dass Müller nur noch trabte.

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Mario Götze

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Quelle: AFP

Seine Kunstfertigkeit ist grenzenlos, sein Hang zum Phlegma leider auch. Aber vielleicht erlebt der FC Bayern ja zum Saisonende den Premium-Götze. Nährte diese Annahme zunächst mit ein paar exquisiten Ballstreichlern. Verschwand aber mit zunehmender Dauer in den Tiefen dieses lauen Frühlingskicks und erinnerte plötzlich wieder an den Phlegma-Götze. Nach 75 Minuten war Schluss - irgendwie wollte er auch nicht mehr.

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Robert Lewandowski

Bayern München - Hertha BSC Berlin

Quelle: dpa

Ist in der Rib/Rob-freien Zeit aufgeblüht wie ein Maiglöckchen, weil er mehr Bälle erhält. Als Beweis dieser These segelte kurz nach Anpfiff ein kleines Kunstwerk von Gaudino in seine Richtung, das der Pole aber nicht veredeln konnte. Arbeitete sich mit beträchtlichem Aufwand an den Hertha-Riesen Langkamp und Brooks ab - Impulse blieben bis auf einen Kopfball in der 76. Minute aber aus. Wirkte diesmal eher wie ein welkes Maiglöckchen, aber wir sind ja auch noch im April.

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Sinan Kurt

Bayern Munich's Kurt challenges Hertha Berlin's Schulz during Bundesliga first division soccer match in Munich

Quelle: REUTERS

Wer ihn nicht kennt, findet im Netz blumige Beschreibungen wie "Mini-Reus" oder "Jung-Star" - und seit diesem Abend wohl auch "Bundesliga-Profi des FC Bayern". Feierte mit 18 Jahren sein Debüt für die Münchner, als er nach der Pause für Gaudino rein durfte. Flitzte gleich ein paar Mal los als gäbe es Extrageld fürs Sprinten, schlug ein paar Haken und wagte einige Dribblings. In diesem tristen Spiel war er damit schon eine echte Attraktion.

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Thiago

FC Bayern Muenchen v Hertha BSC - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Thiago: Erklärte in einem Interview mit der katalanischen Presse, dass sich sein Comeback wie ein gewonnener Titel anfühlte. Als er für Müller das Feld betrat, erhielt das Bayern-Spiel plötzlich den Zug, den es zum Titel gewinnen braucht. Auf Katalanisch würde man sagen: "Que crack".

Claudio Pizarro: Durfte auch noch mitspielen, weil es so schön war. Und wo es schön ist, macht der Peruaner immer gerne mit.

© sz..de/schma
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