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FC Bayern in der Champions League:Alles nur Ausrutscher?

  • Am Dienstagabend trifft der FC Bayern in der Champions League auf Ajax Amsterdam.
  • Nach den jüngsten sieglosen Spielen gegen Augsburg und Berlin sagt Trainer Niko Kovac, er habe die Chancenverwertung als Hauptursache identifiziert.
  • Arjen Robben sagt, man dürfe sich nichts einreden lassen über eine vermeintliche Krise.

Der FC Bayern, das ist spätestens seit Montag wichtig, spielt am kommenden Wochenende gegen Borussia Mönchengladbach. Dann geht es gegen Wolfsburg, Athen, Mainz und den SV Rödinghausen, anschließend heißen die Gegner Freiburg, wieder Athen, Dortmund, Düsseldorf. Und an diesem Dienstagabend spielt der FC Bayern halt noch gegen Ajax Amsterdam.

Das sind die zehn nächsten Gegner des FC Bayern, und kennen sollte man sie spätestens, seit Trainer Niko Kovac am Montag eine Prognose abgegeben hat. Er sagte: "Es wird nicht passieren, dass wir die nächsten zehn Spiele verlieren."

Nein, der FC Bayern ist gerade übrigens in keiner sogenannten Mini-Krise - diesen Eindruck hat Kovac in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Ajax vermitteln wollen. Aber insgeheim weiß er schon: Dieses Duell am Dienstagabend (21 Uhr) wird nicht nur darüber entscheiden, wer künftig die Champions-League-Gruppe E anführt. Es wird auch ein Stimmungs- und Erkenntnisspiel sein, ein Kick, der zeigen könnte, was diese jüngsten Bayern-Spiele gegen Augsburg (1:1) und Hertha BSC (0:2) eigentlich waren: kleine Nachlässigkeiten einer Mannschaft, die zuvor alles gewonnen hatte? Oder Hinweise darauf, dass dieselbe Mannschaft zwei, drei größere Probleme in den Herbst schleppt?

Der FC Bayern hat zwei seltsame Wochen hinter sich. In der ersten der beiden war er jener FC Bayern, von dem die Menschen glaubten, er werde wahrscheinlich erst wieder im April ein Spiel verlieren (vermutlich gegen Real oder Atlético Madrid). Er war der Verein, der mal wieder ein Spiel nach dem anderen gewonnen hatte, in der Bundesliga, im Pokal (gegen Drochtersen-Assel), in der Champions League. Dann folgten die Spiele gegen Augsburg und Hertha BSC, und plötzlich wirkte der FC Bayern nicht mehr ganz so unantastbar.

Wobei Kovac am Montag eine einfache Lösung präsentierte für die jüngsten Schwächen: Man müsse halt die Chancen nutzen. Kovac sagte: "Wenn die Chancen reingehen, dann diskutieren wir (die Journalisten und Kovac, d. Red.) nicht darüber, ob wir hoch angegriffen werden oder nicht." Zuvor hatte ihn ein Reporter gefragt, ob das hohe Pressing der Gegner für die Probleme der Münchner verantwortlich sei. Kovac verwies auf seine Zeit als Trainer von Eintracht Frankfurt. Da habe er die Bayern auch früh unter Druckt gesetzt (was im DFB-Pokal-Finale gut gelang). Es gebe aber Mittel dagegen, sagte er, um festzustellen: "Wir werden immer unsere Chancen kreieren."

Was man tun könne, um dieselben zu verwerten, wurde Kovac also gefragt, und der bediente sich eines Aphorismus aus dem Golf. Seitdem er in München sei, sagte Kovac, lasse er "sehr, sehr regelmäßig" Torabschlüsse trainieren. Im Golf sage man: "Je mehr ich übe, desto mehr Glück habe ich auch". Was Kovac sagen wollte: Irgendwann treffen sie halt schon wieder. Manchmal, so sagte er noch, würde er sich wünschen, dass jemand den Ball "über die Linie würgt".

Der Verweis auf die Chancenverwertung war, so gesehen, ein praktisches Eingeständnis der Schwäche, das keines war. Das klingt beim Thema Chancenverwertung ja immer mit: Wer Chancen hat, ist grundsätzlich überlegen, und wird - siehe Golf - auf lange Sicht treffen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Chancen eine unterschiedliche Qualität haben können; und dass die Bayern vor allem gegen Hertha BSC nicht übermäßig viele Chancen bester Qualität hatten.

Es hat in den vergangenen Tagen viele Ansätze gegeben, dieses Einseins gegen Augsburg und das Nullzwei in Berlin zu erklären. Die fortwährende Rotation, der nicht allzu breite Kader, der nicht abgeschlossene Umbruch - all das wurde genannt (neben der Chancenverwertung). Das Spiel gegen Ajax könnte nun, je nach Ausgang, weitere Indizien liefern für diese oder jene Erklärung - oder die Diskussion über die sogenannte Mini-Krise schnell beenden. Man dürfe sich nichts "einreden lassen" über eine vermeintliche Krise, sagte Arjen Robben, der wahrscheinlich von Anfang an spielen wird. Wenn sein Team jetzt eine Serie starte, "dann sieht alles wieder gut aus".

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