FC Bayern II:Mit dem Kumpel von Sadio Mané

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FC Bayern II: Ausbilder in Ausbildung: Trainer Martin Demichelis umarmt beim Münchner Derby gegen Türkgücü den 17-jährigen Lovro Zvonarek.

Ausbilder in Ausbildung: Trainer Martin Demichelis umarmt beim Münchner Derby gegen Türkgücü den 17-jährigen Lovro Zvonarek.

(Foto: Ulrich Wagner/Imago)

Bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern soll es einzig um die Ausbildung gehen, der Aufstieg hat keine Priorität mehr. Mané-Freund Désiré Segbé passt zwar nicht so ganz in dieses Muster - der 17-jährige Kroate Lovro Zvonarek schon eher.

Von Christoph Leischwitz

Womöglich handelt es sich nur um einen Freundschaftsdienst. Der FC Bayern hat nämlich nicht nur Sadio Mané verpflichtet, sondern, wie kürzlich bekannt wurde, in Désiré Segbé auch noch einen guten Freund des Offensivspielers. Segbé ist dem Vernehmen nach nicht ganz so talentiert wie Mané, er wird wohl deshalb viel eher in der Offensive der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommen, aber auch das ist fraglich. Segbé ist nämlich schon 29 Jahre alt und passt deshalb überhaupt nicht ins aktuelle Konzept der Regionalliga-Mannschaft.

Am vergangenen Sonntag stand für die Bayern das Regionalliga-Derby gegen Türkgücü München an, ihre erste Elf war dabei im Schnitt knapp über 19 Jahre alt. Die Bayern gewannen mit Mühe 3:2. Ziel soll sein, dass diese Jungspunde zwei bis drei volle Spielzeiten Männerfußball hinter sich gebracht haben, ehe sie in den Fokus von Cheftrainer Julian Nagelsmann geraten - oder eben auch in den Fokus von Zweit- oder Drittligisten, an die mittlerweile deutlich öfter verliehen wird als früher. Dieses Ausbildungsziel bedeutet im Umkehrschluss, dass der Aufstieg keine Priorität hat. Auch wenn sich der Klub gegen diesen natürlich nicht wehren würde. Doch auch am Campus des FC Bayern haben sie schnell bemerkt, dass andere Mannschaften dieses Ziel mit größerem Eifer angehen, die SpVgg Unterhaching etwa (auch wenn sie dort behaupten, es gar nicht soooo eilig zu haben).

Der 3:2-Erfolg gegen Türkgücü machte aber auch klar, dass viele Spieler noch einige Zeit benötigen, um erfolgreich an den Erwachsenenfußball herangeführt zu werden. Die Abwehr, wo das Durchschnittsalter im Vergleich zum Vorjahr besonders stark gesunken ist, sah oftmals verunsichert aus. Auf der anderen Seite hören sich sieben Tore nach drei Spielen erst einmal gar nicht so schlecht an. Doch gerade beim 0:2 gegen Aufsteiger Ansbach acht Tage zuvor wurde deutlich, dass auch die Offensive noch keine Mittel gegen tief stehende Gegner gefunden hat.

Dass die Bayern diesmal nicht mit aller Macht den Aufstieg anstreben, hat vor allem einen Grund: Die Qualität der vergangenen Saison ist, wenn man den gesamten Kader betrachtet, nicht ansatzweise vorhanden. Jamal Musiala, Gabriel Vidovic, Nemanja Motika oder Bright Arrey-Mbi - das sind nur einige der Spieler, die 2003 geboren wurden und in der Regionalliga nichts mehr dazulernen würden. Gerade im Angriff fehlt aktuell aber vor allem die Kaltschnäuzigkeit. Gegen eine sehr weit vorne postierte Abwehr Türkgücüs gelang auch mit klaren Kontern lange kein Tor.

Nachfolger von Luka Modric? Am Campus zumindest halten sie viel von Zvonarek

Einige wichtige Stammspieler fehlten zuletzt, der Südkoreaner Lee Hyun-ju zum Beispiel wird nach einer Corona-Infektion bald zurückerwartet. Ohne nun teure externe Spieler zu verpflichten, wird der Kader jetzt schon, zur Sicherheit, mit Spielern aufgebessert, die gar nicht unbedingt für die U23 vorgesehen waren. So wurde Vidovic wieder aktiviert, und auf Linksaußen kam der 17-jährige Lovro Zvonarek zum Einsatz. Der junge Kroate musste sich schon anhören, der Nachfolger von Luka Modric zu werden, auch am Campus halten sie sehr viel von ihm. "Super Leistung", sagte der Sportliche Leiter des Campus, Holger Seitz, nach dem Derby über den Blondschopf. Zvonarek selbst sagt: "Ich kann hier noch lernen, es ist super, alle Spieler sind sehr stark." Nach der Führung von Türkgücü erzielte Zvonarek den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1. In Kroatien wurde er mit 16 Stammspieler in der ersten Liga, er soll aktuell heiß begehrt sein. Ob er bei Bayern bleibt, entscheidet in erste Linie Nagelsmann. Es ist möglich, dass er zum Ende des Transferfensters verliehen wird; sollte aber Bayerns U23 sich weiter schwertun in der Liga, kann es passieren, dass Zvonarek noch etwas mehr Regionalliga-Spiele über sich ergehen lassen muss.

Ein weiterer Punkt, der das Aufstiegsziel relativiert: Auch der Trainer befindet sich noch in der Ausbildung. Martin Demichelis hat einen großen Namen, doch als U-23-Coach tritt er trotzdem in ziemlich große Fußstapfen. Seine prominentesten Vorgänger der vergangenen zehn Jahre heißen Sebastian Hoeneß, Tim Walter und Erik ten Hag. Demichelis sagt von sich selbst: "Ich stehe erst am Anfang meiner zweiten Karriere." Der 41-Jährige bekommt aller Voraussicht nach auch erst in ein paar Wochen die höchste Trainerlizenz ausgehändigt, vom italienischen Verband. Den sicheren Ausbildungsplatz hat der ehemalige Innenverteidiger seinem ehemaligen Mitspieler Hasan Salihamidzic zu verdanken. Der hatte ihn nämlich vor drei Jahren überaus kurzfristig an den Campus geholt, als U19-Trainer, weil damals Miroslav Klose die A-Jugend partout nicht übernehmen wollte und sich durchgesetzt hatte.

Nicht ganz unwichtig ist den Campus-Verantwortlichen diesmal auch die Youth League. Die U19 war vergangenes Jahr als Gruppenletzter in der Vorrunde ausgeschieden, diese Schmach will man diesmal auf jeden Fall verhindern. Der Plan lautet, stets die bestmögliche Mannschaft auf dem Platz stehen zu haben, was zulasten der Regionalliga-Mannschaft gehen könnte. Natürlich dürfte auch der 17-jährige Zvonarek in der Junioren-Champions-League spielen. Wenn er dann noch da ist.

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