FC Bayern hofft auf Schweinsteiger:Zurück im Maschinenraum

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Ob Bastian Schweinsteiger gegen Real Madrid von Beginn an spielt, ist nicht bestätigt. Intern geht man jedoch davon aus. Die Bayern können den Ausfall von Arjen Robben kompensieren, bei Schweinsteiger gelang das in dieser Saison eher nicht. Nicht nur Uli Hoeneß ist der Meinung, dass das Team jemanden brauche, der richtig rangeht.

Andreas Burkert, Madrid

Durch einen Seiteneingang haben die ziemlich aufgeregten Mitarbeiter der madrilenischen Stadtpolizei die Gäste aus Deutschland ins Hotelfoyer geleitet, der Trubel ist doch recht groß gewesen an der Plaza der las Cortes. Jupp Heynckes ging voran, wer auch sonst, der 66-jährige Trainer der Münchner hat hier ja doch einen kleinen Heimvorteil, nachdem er vor 14 Jahren im Auftrag des örtlichen Real Club de Fútbol die Champions League gewann.

Nun ist er mit dem FC Bayern nach Madrid gekommen, man residiert zentral nahe des Prados; ganz am Ende der Reisegruppe marschiert Bastian Schweinsteiger über den Marmorboden des einhundert Jahre alten Hauses. Während vor ihm Arjen Robben noch ein etwa viersekündiges Interview-Statement in ein Handy spricht, macht er bereits den Eindruck, als gehe das große Spiel gleich los: Schweinsteiger schaut ziemlich entschlossen, und sein Kreuz ist imposant durchgedrückt.

Ob Schweinsteiger im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid von Beginn an spielt, hat Heynckes den Reportern aus aller Welt noch nicht bestätigen wollen; ein wenig Versteckspiel muss schon sein.

Mittwochfrüh, nach einem Gespräch mit dem Kandidaten, werde er entschieden, sagt Heynckes. "Aber es ist ja kein Geheimnis, dass er ein ganz wichtiger Spieler in meinem System ist." Dass er den defensiven Mittelfeldspieler trotz dessen Fehlzeiten in dieser Saison von Anfang an bringt in einer bedeutungsschweren Auseinandersetzung, davon wird aber intern ausgegangen.

Auch der Münchner Klubpräsident Uli Hoeneß lässt daran am Rande des Trubels keinen Zweifel. "Ihm fehlen natürlich schon noch zehn, zwanzig Prozent", sagt er. "Aber ich würde es auch versuchen, denn in so einem dem Spiel kannst du einen gut gebrauchen, der richtig rangeht."

Vor Weihnachten musste sich Hoeneß noch schwer beherrschen, um keinen Tobsuchtsanfall zu bekommen; dabei sprach man ihn damals gar nicht auf Borussia Dortmund an, sondern nur darauf, wie sehr Schweinsteiger den Bayern womöglich fehle. Ihren im Herbst angesammelten Winterspeck hatten die Münchner bis zum Fest fast hergeschenkt in der Tabelle. Schweinsteiger war verletzt.

Anfang November brach sich der 27-Jährige im Duell mit Neapel (3:2) das Schüsselbein. Aber daran lag es nicht, weshalb die Bayern plötzlich ihre Leichtigkeit und Balance verloren - darauf bestanden die Münchner. "Einen einzigen Mann" müsse man doch ersetzen können, zeterte Hoeneß zum herausragenden Mittelfeldstrategen der Weltmeisterschaft 2010 (die Spanier mal ausgenommen).

Knapp ein halbes Jahr später sind die Bayern inzwischen doch zur Ansicht gelangt, dass ihre Niederlage im nationalen Wettbewerb gegen Dortmund auch mit Schweinsteigers vielmonatiger Absenz zu tun haben könnte. "Ich bin der Meinung, dass wir ihn brauchen, er ist unser Stratege und hat so viel Erfahrung", sagt Heynckes.

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