FC Bayern Ein Hoeneß-Satz, der provoziert

Muss gerade sehr viel moderieren: Bayern-Trainer Niko Kovac.

(Foto: AP)

Nein, die Bayern rücken noch nicht von Niko Kovac ab. Der hat die größte Herausforderung seines jungen Trainer-Lebens zu meistern.

Kommentar von Christof Kneer

Auf der einen Seite war das nicht besonders nett von Thomas Tuchel, Carlo Ancelotti und Louis van Gaal, auf der anderen Seite hat aber auch wirklich keiner dieser drei einen Grund, dem FC Bayern Gutes zu tun. Tuchel hat sich von den Bayern anhören müssen, dass er bestimmt nur nervös geworden sei und nur deshalb dieses seltsame Paris den großen Bayern vorgezogen habe; Ancelotti ist von den Bayern vor einem Jahr samt kompromittierendem Begleitgeflüster entlassen worden; und selbst van Gaal haben sie in München mal rausgeworfen, obwohl doch jedermann abzüglich Uli Hoeneß weiß, dass van Gaal mindestens den Fußball und seine Frau Truus, vermutlich aber sogar die ganze Welt erfunden hat.

Und nun haben diese drei Männer also eine Phase, in der Bayern ausnahmsweise mal nicht gewinnt, niederträchtig ausgenutzt: Tuchel siegte mit seinem seltsamen Paris 6:1 in der Champions League; Ancelotti siegte mit Neapel gegen das Liverpool des heiligen Jürgen Klopp; und der unverbesserliche van Gaal hat in einem Interview nach Bayerns 1:1 gegen Ajax süffig angemerkt, dass der FC Bayern "immer älter" werde und es verpasst habe, "die Mannschaft zu erneuern".

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Der Bayern-Präsident sieht die ständigen Wechsel im Team als Grund für die aktuellen Probleme. Er hadert aber auch mit der öffentlichen Wahrnehmung.

Eine gefährliche Aussage von Uli Hoeneß macht die Runde

Niko Kovac, übrigens, kann nichts für die Siege von Tuchel und Ancelotti, und an der Altersstruktur seines Kaders ist er auch nicht schuld. Dennoch muss der ehemalige Bayern-Spieler nun erstmals erleben, was es für einen Bayern-Trainer bedeutet, wenn sein Team drei Spiele lang nicht gewinnt. Dann ist kein Bild zu schief und kein Satz zu klein, um nicht gegen einen verwendet zu werden. Von Tuchel gibt es Bilder, wie er im Scheinwerferlicht neben dem Weltstar Neymar steht, von Kovac gibt es nur das Bild, wie er bekümmert im Presseraum sitzt.

Und jetzt macht auch noch ein Satz von Uli Hoeneß eine nicht ganz ungefährliche Karriere: Am Ende müsse der Trainer "ja auch den Kopf dafür hinhalten", sagte Hoeneß am Rande eines Basketballspiels, als er nach der Aufstellungsrotation des Trainers befragt wurde. Dieser Satz wird nun mit weiteren Hoeneß-Sätzen vom Abend ("Hinzu kam die große Rotation, und dadurch war ein wenig der Wurm drin") zusammengemixt und gerührt und geschüttelt - um dann von manchen Medien als gemeine Frage serviert zu werden. Ob Hoeneß schon von Kovac abrücke? In jedem Fall darf die Wiesn-Krise als eine der größten Herausforderungen im Trainerleben von Niko Kovac gelten. Er muss nun nicht nur einen anspruchsvollen Kader moderieren, sondern alles auf einmal: Bilder, Sätze, Stimmungen. Er muss damit leben, dass jede Aufstellung und jedes Wort auf der Goldwaage landet - und dass jetzt am Samstag auch noch Mönchengladbach kommt, jene Elf, gegen die der FC Bayern in der jüngeren Vergangenheit immer gerne verloren hat.

Auch für die jüngere Vergangenheit kann Kovac nichts. Aber um es mit dem Goldwaagen-Experten Uli Hoeneß zu sagen: Für das Ergebnis dieses Spiels muss am Ende der Trainer den Kopf hinhalten.

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