bedeckt München 21°

Nachfolge von Uli Hoeneß:Mehr als ein Freundschaftsdienst

  • Sollte Uli Hoeneß wirklich nicht mehr als Präsident des FC Bayern antreten, könnte ihm mit Herbert Hainer ein enger Vertrauter nachfolgen.
  • Der frühere Adidas-Vorstandschef müsste aber erst einmal von den Mitgliedern gewählt werden.

Zwischen Uli Hoeneß, 67 Jahre alt, und Herbert Hainer, nur zwei Jahre jünger, gibt es viele Gemeinsamkeiten. Beide sind Metzgersöhne und halfen in jungen Jahren im elterlichen Geschäft mit. Beide haben sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet. Beide führten über viele Jahre als Manager große Sportunternehmen und trieben sie mit enormem Ehrgeiz und Geschick zum Erfolg. Und beiden sagt man Handschlag-Qualität nach. Soll heißen: Mündliche Vereinbarungen gelten auch ohne schriftlichen Vertrag. Ausgemacht ist ausgemacht.

Sie kennen sich seit mehr als 20 Jahren und sind enge Freunde geworden. Als Hoeneß wegen seiner Steuervergehen in Haft saß, war Hainer einer der ersten, die ihn dort besuchten. Damals war er noch Vorstandschef des Sportartikel-Riesen Adidas. Andere Manager in solch einer Position hätten die Knastvisite allein aus Angst vor bösen Kommentaren vermieden. "Gerade in so einer Situation zeigt sich wahre Freundschaft", sagte Hainer später.

Bundesliga Eine schmerzhafte und zähe Zäsur
Uli Hoeneß

Eine schmerzhafte und zähe Zäsur

Der langjährige Vereinspräsident zieht sich zurück. Aber wann und wie? Über die Frage, wie das Erbe des FC Bayern geordnet wird, ist zwischen den Bossen Hoeneß und Rummenigge viel in die Brüche gegangen.   Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Sollte er Nachfolger von Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern werden, wäre das mehr als ein Freundschaftsdienst. Seit seiner Jugend als Stürmer beim FC Dingolfing in der Landesliga ist der Niederbayer Hainer ein Fußballverrückter. Als Adidas-Chef fädelte er mit Hoeneß 2001 die damals zehnprozentige Beteiligung des Sportartikelkonzerns an der FC Bayern München AG ein. Hainer sitzt dort im Aufsichtsrat und vertrat Hoeneß während dessen Abwesenheit als Vorsitzender. Sein Bruder Walter brachte es auf drei Bundesligaspiele für 1860 München. Auch Hainer wäre gerne Fußballprofi geworden, doch dafür reichte es nicht. Also studierte der mittlere von drei Söhnen nach Real- und Fachoberschule Betriebswirtschaft. Nach ein paar Jahren beim US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble heuerte er 1987 bei Adidas an, als Vertriebsmann für Taschen, Schläger und Bälle.

Zehn Jahre später steigt er in den Vorstand auf, 2001 wird er Vorstandschef. Als er den Job am 1. Oktober 2016 Kasper Rorsted überlässt, ist Hainer nach 15 Jahren der dienstälteste Chef der 30 Vorzeige-Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax). Den Umsatz verdreifacht, den Gewinn verfünffacht, den Börsenwert verzehnfacht, dazu Tausende Arbeitsplätze geschaffen - seine Bilanz stieß allenthalben auf Anerkennung. Als er sich am letzten Arbeitstag mit einem Fußballspiel zwischen einer Mitarbeiterauswahl und einem von ihm zusammengestellten Team verabschiedet, spenden ihm ein paar Tausend Adidas-Mitarbeiter stehend Beifall.

Seither vertreibt sich Hainer die Zeit mit einigen Aufsichtsratsposten, unter anderem bei Lufthansa und Allianz, reist mit seiner Frau um die Welt oder hilft der Tochter auf dem Pferdehof. Und wenn er im Lande ist, sitzt er beim FC Bayern auf der Tribüne. Meist neben Uli Hoeneß.

Bundesliga Der geht ja gar nicht

Uli Hoeneß

Der geht ja gar nicht

Viel spricht dafür, dass sich Uli Hoeneß wirklich von seinen Spitzenposten beim FC Bayern zurückzieht. Doch es sieht so aus, als könnte der Verein danach mehr denn je unter seinem Einfluss stehen.   Von Christof Kneer und Benedikt Warmbrunn