FC Bayern Heynckes spricht sich für Tuchel aus

"Ich denke, dass Thomas Tuchel die Qualität hat, auch einen FC Bayern zu trainieren", sagte Jupp Heynckes (r.) kürzlich noch. Daraus wird nun vorerst nichts.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
Von Benedikt Warmbrunn

Zu den weniger bekannten Eigenschaften von Jupp Heynckes gehört, dass er auch Humor hat. Er ist akribisch, das auf jeden Fall, er hat ein Gespür für die Menschen, aber als Entertainer für ein abendfüllendes Programm ist er nicht aufgefallen. Dass er auch lachen kann, übrigens auch über sich selbst, das zeigt er meistens dann, wenn er gelöst ist, wenn alle Anspannung von ihm gewichen ist. Zum Beispiel am Sonntagabend.

Wenige Minuten nach dem 4:0 des FC Bayern in Freiburg hatte Heynckes gerade erst dargelegt, warum er nicht glaube, dass der Freiburger Trainer Christian Streich, der zwei Meter neben ihm saß, im Sommer sein Nachfolger als Trainer des FC Bayern werde; Heynckes argumentierte vor allem mit dem Standort Freiburg ("schnuckelige Stadt"). Nun ging die Frage nach den Gerüchten um einen Kontakt zum FC Bayern an Streich, dieser schüttelte den Kopf hin und her, dann grummelte er ein paar Sätze ins Mikrofon.

Heynckes dagegen bekam einen roten Kopf. Dann fing er an zu kichern.

Am Sonntag hatte sich Heynckes so gelöst wie lange nicht mehr präsentiert, er wirkte wie ein Trainer, der sich von den Diskussionen um seine Person nicht berühren lässt. Seit Monaten hat ja Uli Hoeneß, sein Freund und Präsident, versucht, Heynckes in ein weiteres Jahr in München hineinzuschmeicheln, obwohl dieser immer gesagt hatte, dass er im Sommer aufhören werde. Zwischendurch hatte Heynckes keine Lust mehr, all die Charme-Attacken zu kommentieren. Er habe, sagte er dann manchmal fast flehend, bereits alles gesagt. In Freiburg sagte er nun zu Streich, dass dies ja "sicher die letzte Begegnung von uns beiden" sei. Es war nach langer Zeit ein Signal an seinen Freund und Präsidenten, seine Worte vielleicht doch ernst zu nehmen.

Am Mittwoch veröffentlichte die Sport-Bild zudem ein Interview, in dem der Trainer die Abmachung, wonach er in München nur bis zum Saisonende arbeite, bekräftigt: "Das ist eine Vereinbarung, die steht, ich bin immer dafür, dass man sich an klare Fakten hält." Und weil diese Vereinbarung steht, zumindest von seiner Seite aus, hat sich Heynckes Gedanken über den Plan B gemacht, den der Klub öffentlich bisher nicht diskutiert hatte. Diese Gedanken legen eine Lösung nahe: Thomas Tuchel.

Schon als er im Oktober vorgestellt wurde, hatte Heynckes Tuchel gelobt, nun sagt er: "Ich denke, dass Thomas Tuchel die Qualität hat, auch einen FC Bayern zu trainieren." Heynckes gefällt, dass Tuchel in Mainz in der Jugend und bei den Profis gearbeitet hat; dies sei "die Erfolgsleiter, die man gehen muss: Man lernt die richtige Ansprache, den Umgang mit den Menschen". Als Heynckes über Tuchels Jahre beim BVB spricht, gerät er sogar ins Schwärmen: "Dortmund hat unter Tuchel einen sehr tollen Fußball gespielt, mit gutem System. Alle modernen Elemente, die zum heutigen Fußball gehören, waren vorhanden. Tuchel wurde Vizemeister, Pokalsieger und ließ attraktiven Fußball spielen. Es hat mir Spaß gemacht, seinem BVB zuzusehen."

Dass es unter Tuchel in Dortmund atmosphärische Störungen gegeben habe, lässt Heynckes nicht als Gegenargument gelten - "als junger Trainer macht man Fehler, mein Gott, das kommt vor". Für den Tuchelianer Heynckes sind das "Kleinigkeiten": "Was zählt, ist doch: Seit Tuchel weg ist aus Dortmund, hat der Verein nicht mehr einen so tollen Fußball gespielt."

Heynckes äußerte sich jedoch nicht nur dazu, wer für ihn der ideale Nachfolger sei, sondern er ging auch ausführlich darauf ein, wer es alles nicht sei. Hoffenheims Julian Nagelsmann? "Er ist ohne Zweifel ein riesiges Trainer-Talent, aber eben erst 30 Jahre alt, er muss sicher noch weiter lernen." Leipzigs Ralph Hasenhüttl? "Hasenhüttl hat sicher das Format, einen großen Klub zu trainieren." Aber: "Er muss die Arbeit bei einem Topklub erst verinnerlichen und dann einen weiteren Plan haben." Nagelsmann und Hasenhüttl waren zuletzt ohnehin eher unwahrscheinliche Plan-B-Lösungen gewesen; der eine (Nagelsmann) war zu forsch aufgetreten, der andere (Hasenhüttl) hatte sich selbst ausgeschlossen, indem er sagte, dass er noch "ein paar Jahre" brauche.

Niko Kovac? Benötige noch die internationale Erfahrung

Heynckes analysierte jedoch auch die Jobchancen von Frankfurts Niko Kovac, der sich aus einer Außenseiterposition heraus zuletzt immer mehr der Rolle des heimlichen Favoriten angenähert hatte - Heynckes ist nun der Erste, der öffentlich ein Argument gegen Kovac als seinen eigenen Nachfolger nennt: "Es ist schon von Nutzen, wenn er im nächsten Jahr erst mal international mit seiner Eintracht spielt und diese Erfahrung sammelt."

In jenem nächsten Jahr wird Heynckes sich wohl wieder auf seinen Hof im Schwalmtal zurückgezogen haben, und aus der Distanz wird er beobachten, was der FC Bayern aus seinen Empfehlungen gemacht hat.

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Vom Konsenskandidaten bis zur großen Lösung

Wenn er seine Meinung nicht noch radikal ändert, dann wird Jupp Heynckes im Sommer aufhören. Aber irgendjemand muss trotz der gescheiterten Gespräche mit Tuchel ja Bayern-Trainer werden. Der aktuelle Stand bei allen möglichen Nachfolgern.