120 Jahre FC Bayern:Die sturen Männer aus dem Café Gisela

FC Bayern/ Gründungsmannschaft

So sahen die Fußballspieler aus der Gründungsmannschaft des FC Bayern im Jahr 1900 aus.

(Foto: © FC Bayern München)
  • Am 27. Februar 1900, dem Faschingsdienstag vor 120 Jahren, unterzeichnen 17 Männer die Gründungsurkunde des FC Bayern im Café Gisela in München-Schwabing.
  • Anlass war ein Streit mit dem MTV München über den Beitritt zum "Verband Süddeutscher Fußballvereine".

Von Jakob Schätzle

Vielleicht hätte es den FC Bayern ohne eine sture Turnerabteilung und ebenso sture Fußballer nie gegeben. Vielleicht wären die Kicker des "Männerturnvereins München von 1879" (MTV 1879) ohne diese Sturheit weiterhin mit den Turnern unter einem Dach und zufrieden gewesen. Doch es kam anders. Am 27. Februar 1900, dem Faschingsdienstag vor 120 Jahren, hielt der MTV eine Sitzung ab. Die zugehörigen Fußballer wollten gerne dem "Verband Süddeutscher Fußballvereine" (VSFV) beitreten, der MTV lehnte das ab.

Die Fußballspieler hatten sich das jedoch bereits recht hübsch ausgemalt: Sie wären der erste Münchner Verein im VSFV, Pioniere sozusagen. Das wollten sie sich von der Ablehnung ihres ursprünglichen Vereins nicht kaputt machen lassen, also verließen die Kicker kurzerhand die Sitzung im Gasthaus Bäckerhöfl. Sie betraten ein Lokal in der Schwabinger Fürstenstraße, das Café Gisela, und gründeten noch am selben Abend ihren eigenen Verein, den Fußballclub Bayern München.

17 Männer unterzeichneten die Gründungsurkunde, unter ihnen Josef Pollack und Franz John, zwei der wesentlichen Antreiber. Pollack war Schriftführer bei der Gründung, John wurde der erste Präsident des Klubs. Dass mit Letzterem ein Fotograf aus Berlin an der Spitze des Vereins stand, war bezeichnend für das Selbstverständnis des FC Bayern: weltoffen, tolerant und ein bisschen elitär.

Nur Männer mit einem hohen Schulabschluss als Mitglied zugelassen

Die Heimat des neuen Münchner Vereins war Schwabing, der künstlerische, akademische Stadtteil. Seine Mitglieder waren vor allem Studenten, Künstler, Kaufleute. Diese Struktur pflegte der FC Bayern auch selbst, waren doch bis 1908 nur Männer mit einem hohen Schulabschluss als Mitglied zugelassen. Zu diesem elitären Image gesellte sich ein weltoffenes. Juden wie beispielsweise Pollack oder Gustav Manning, ein weiterer Initiator in der FCB-Entstehung, spielten von Anfang an eine bedeutende Rolle im Verein. Mit dem späteren Präsidenten Kurt Landauer, ebenfalls jüdischen Glaubens, setzte sich dies auch in den Folgejahren fort. Das NS-Regime diskreditierte den Verein im Dritten Reich als "Judenclub".

Ein weiterer Aspekt der Weltoffenheit des neuen Vereins war die Orientierung am internationalen Fußball. Bereits früh bemühte sich der Klub um Spielgegner aus dem Ausland und um Trainer aus England, wo der Fußball damals am weitesten entwickelt war.

Gründungsurkunde FC Bayern

Die Gründungsurkunde des FC Bayern

(Foto: FC Bayern/oh)

Der FC Bayern trug seine ersten Spiele auf der Schyrenwiese an der Wittelsbacherbrücke in München-Giesing aus. Nach einer kurzen Phase an der Theresienwiese zogen die Spieler 1901 nach Schwabing in die Clemensstraße 50, wo der erste Mäzen des Vereins, Friedrich Wamsler, ein Grundstück zur Verfügung stellte. Ziemlich bald darauf begann der Kampf um die Vorherrschaft in der Münchner Fußballlandschaft: Am 21. September 1902 kam es zum ersten Derby zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 München. Die Bayern gewannen mit 3:0, vom Duell Rot gegen Blau konnte aber noch keine Rede gewesen sein. Zu ihren roten Hosen kam Bayern München erst 1906, als sie mit dem "Münchner Sport-Club" fusionierten. Davor war der FC Bayern weiß und blau.

Das Café Gisela gibt es heute gleich zweimal. Eines steht in der "Erlebniswelt", dem Museum des FC Bayern in der Arena in Fröttmaning, das andere ist das Vereinsheim der Fanvereinigung Club Nr. 12. Das originale Café Gisela, wo der FC Bayern gegründet wurde, existiert dagegen nicht mehr. Der südliche Teil der Fürstenstraße, wo das Café war, heißt mittlerweile Kardinal-Döpfner-Straße und an der Hausnummer 4 erhebt sich eine große Fensterfassade, die Jalousien heruntergelassen. Keine Spur mehr vom Gisela. Ein Steinblock mit einem großen FC-Bayern-Emblem und der Gründungsurkunde erinnert jedoch daran, dass an diesem Ort vor 120 Jahren die Geschichte des FC Bayern München begann.

Zur SZ-Startseite
Champions League - Round of 16 First Leg - Chelsea v Bayern Munich

Nach 3:0-Sieg in London
:Ein Stift für den Trainer

Beim Bankett des FC Bayern macht Bayern-Boss Rummenigge Hansi Flick ein vielsagendes Geschenk. Dem Klub kann es nach anfänglichem Zögern in der Trainerfrage nun offenbar nicht schnell genug gehen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB