FC Bayern:Götze spielt mit Hingabe und Lust

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Wieder in der Startelf beim FC Bayern: Mario Götze.

(Foto: imago)

Aus dem Stadion von Matthias Schmid

Unter dem Plastikdeckel in der weißen Papiertüte bildeten sich schon schönste Formationen aus perlendem Wasser. Mario Götze achtete aber nicht auf den Dampf, der da nach oben drang, als er im Bauch der Münchner Arena stoppte. Natürlich hätte er den Inhalt der Tüte, die er in seiner linken Hand hielt, gerne sofort geöffnet, schließlich war sie mit zwei Lunchboxen gefüllt. Bevor er sie aber leeren konnte, sollte er noch seinen Arbeitstag einordnen.

"Ich merke, dass ich auf einem guten Weg und auch körperlich wieder fast bei 100 Prozent bin", sagte er also freundlich. Beim etwas schwerfälligen 1:0-Sieg des FC Bayern hatte er mal wieder von Beginn an auf den Rasen einlaufen dürfen. "Es ist jetzt wichtig, dass ich Spielminuten bekomme, meinen Rhythmus und dann werden wir sehen, was passieren wird", sagte er.

Götze, 23, hatte zuletzt aufregende und auch aufwühlende Tage erlebt, weil ihn Cheftrainer Pep Guardiola eher ignorierte als aufbaute. Es folgte eine öffentliche Debatte über seine Zukunft, die Fragen nach Form und Fitness - und schließlich das Länderspiel am Dienstag gegen Italien, als er beim 4:1 ein Tor köpfelte und eines vorbereitete. Aber was noch viel wichtiger war: Er spürte bei der Nationalmannschaft das Vertrauen von Bundestrainer Joachim Löw, der ihn ausdrücklich lobte. Löw tat dies ohne staatstragenden Gestus und auch die übertriebenen verbalen Liebessträuße, die Guardiola fast jedem Profi bindet.

Guardiola zeigt Mitgefühl

Der Spanier hatte Götze vor dem Spiel gegen Frankfurt mal wieder als einen der "besten Spieler bezeichnet, auf den ich je getroffen bin." Götze behielt nach der Partie lieber für sich, was er von solch öffentlich vorgetragenen Liebeserklärungen hält. Doch Guardiola zeigte am Samstag auch zum ersten Mal so etwas wie Mitgefühl mit seinem sensiblen Angreifer. "Es ist nicht einfach, wenn ein Spieler nicht jeden Samstag spielt. Ich war selbst Fußballer und weiß das", sagte er.

Götzes Darbietung gegen Frankfurt lieferte nun aber keinen allzu großen Aufschluss darüber, ob er sich nun in die Startelf gespielt oder eher wieder davon entfernt hat. Er spielte konzentriert, mit Hingabe und Lust, aber nicht immer besonders auffällig. "Ich will natürlich immer spielen", sagte er vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Benfica Lissabon am Dienstag. Mit einem famosen Antritt und einem Schuss mit der Pike bereitete er das spektakuläre 1:0 von Franck Ribéry vor, der den Ball mit einer Mischung aus Seitfall- und Fallrückzieher schließlich ins Tor wuchtete. "Seine zwei, drei besten Aktionen hatte Mario in der ersten Hälfte", hob Guardiola hervor.

Bei der Frage nach Interessenten lächelt er nur

Wenn Götze mal ein paar Meter Platz hatte, wie vor dem 1:0, als er in den offenen Raum stürmte, schnell und mit feiner Ballführung, da hatte er seine stärksten Aktionen. Doch meistens gönnten die Frankfurter ihm diesen Platz nicht und verteidigten eng wie eine Handballmannschaft um den eigenen Strafraum. Wenn Götze aber doch mal an den Ball kam, machte er ihn schnell und fiel mit sicherem Passspiel auf. Auch Guardiola entging das natürlich nicht: "Mario wird in den nächsten sieben, acht Wochen noch sehr wichtig für uns werden", sagte er.

Weiter in die Zukunft mochte auch Mario Götze nicht blicken, der beim FC Bayern noch einen gültigen Arbeitsvertrag bis 2017 besitzt. Er lächelte am Samstagabend, als er all die Klubs vernahm, die angeblich an ihm interessiert sein sollen: Dortmund, Liverpool, Juventus. "Ich kommentiere keine Gerüchte", sagte Götze nur. Nichts wollte er zudem darüber verraten, ob er schon mit dem neuen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti gesprochen habe. Dafür äußerte sich Kapitän Philipp Lahm. "Ich bin nicht in der Situation ihm etwas raten zu können, aber einen Wunsch habe ich schon, nämlich dass er weiter für uns spielt."

© SZ vom 03.04.2016
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