FC Bayern:Mia san's, die neue Generation

FC Bayern: Erfolgreich in Lissabon: Der FC Bayern um Serge Gnabry.

Erfolgreich in Lissabon: Der FC Bayern um Serge Gnabry.

(Foto: AFP)

Der 25-jährige Serge Gnabry entscheidet das Halbfinale des FC Bayern in der Champions League. Er steht für den Umbruch, der dem Klub viel schneller als erwartet gelungen ist.

Von Christof Kneer

Als Serge Gnabry in diesem Halbfinale zum 1:0 für den FC Bayern traf, freute sich auch sein bester Kumpel. Gnabry ist ein beliebter Bursche, er hat ein paar Jahre in England verbracht, er hat dort noch genauso viele Freunde wie in seiner schwäbischen Heimat. Nach erfolgreich bestrittenen Fußballspielen berichten Spieler ja gerne, wie voll ihre Mailbox wieder gewesen sei, wie viele Nachrichte sie auf wie vielen Kanälen empfangen hätten, von etwa 300 Glückwünschen berichtete auch der Trainer Flick nach dem 8:2 gegen Barcelona. Das Blöde an Gnabrys Tor zum 1:0 war nun, dass sein bester von vielen guten Freunden ihm keine WhatsApp schicken konnte, weil er kein Handy bei sich trug; das Coole an Gnabrys Tor wiederum war, dass sein bester Freund den Gruß persönlich übermitteln konnte. Gnabrys bester Freund ist Joshua Kimmich.

Seit sie zwölf sind, spielen sie miteinander Fußball, in der Jugend des VfB Stuttgart haben sie sich die ersten Bälle zugespielt. Inzwischen stehen die beiden Kumpels für etwas, was man ihnen durchaus zugetraut hatte, allerdings noch nicht so schnell: Sie stehen für den Umbruch beim FC Bayern, der über ein Jahrzehnt von Lahm, Schweinsteiger, Robben und Ribéry geprägt worden war. Der FC Bayern könne ja nichts dafür, dass er so tolle Spieler gehabt habe, so etwa hat das die Branche zuletzt immer wieder gesagt, aber jetzt müssten die Bayern vielleicht doch einen Preis für die großen Jahre zahlen - denn zu ersetzen seien diese Spieler ja wohl kaum, oder? Dieser Robben-Move zum Beispiel auf der rechten Seite (von rechts nach innen ziehen, mit links schießen), der sei ja weltweit einzigartig, den gebe es nie wieder.

In der 18. Minute dieses Halbfinales von Lissabon startete Gnabry also rechts draußen und rannte los, er rannte an zwei, drei, vier Gegenspielern vorbei und hämmerte den Ball mit links ins Tor. Es sah etwas anders aus als bei Robben, der meist in kleineren Räumen und näher an der Strafraumlinie sprintete und vor der Verrichtung seines Werkes unnachahmlich mit dem Schussbein zuckte - aber ein sehr, sehr lässiger Gruß an Robben war es schon, dieses Tor von Serge Gnabry.

Und ein Zeichen war es auch, es hieß so viel wie: Servus Europa, mia san's, die neue Generation! Die Vorlage zu diesem Tor kam von Joshua Kimmich.

Die Bayern haben sich mit den Jahrgängen 1995/96 eingedeckt

Zuletzt ist viel über jene von der Sonne verwöhnten Jahrgänge 1995/96 berichtet worden, die im deutschen Fußball allmählich die Macht übernehmen, und es zeichnet den FC Bayern und seinen Umbruch aus, dass er sich mit diesen Prädikatsbuben flächendeckend eingedeckt hat. Neben Gnabry und Kimmich zählen auch Leon Goretzka, Niklas Süle sowie der frisch verpflichtete Leroy Sané zu dieser ambitionierten Generation, die auch jene extreme Athletik und Dynamik verkörpert, die im Spiel dieses aktuellen FC Bayern steckt.

Robben und Ribéry unersetzlich? Ja klar, auf ihre Art schon, und so konstant wie diese Legenden muss man ja auch erst mal sein. Aber auch auf ihren Flügeln spielen jetzt ungerührt dieser Gnabry oder der Franzose Kingsley Coman (Jahrgang 1996 übrigens) oder künftig dann Leroy Sané.

Auf der größtmöglichen Bühne hat Gnabry an diesem Halbfinal-Abend mal eben eine kleine Jahrgangsfeier organisiert, er bestand darauf, auch das 2:0 zu erzielen (33.). Diesmal war es kein typisches Robben-, sondern ein typisches Hansi-Flick-Tor. Genauso möchte Bayerns Trainer seine Elf ja spielen sehen: Gnabry erkämpfte sich den Ball und sprintete los, und weil er den Sprint auch nach Abgabe des Balles weiter durchzog, landete der Ball über Perisic und Lewandowski Sekunden später wieder bei ihm - Abstauber, Tor.

Im 19. Champions-League-Spiel war das nun schon Gnabrys neuntes Tor, ein durchaus beeindruckende Quote für einen Spieler, der nicht Robert Lewandowski ist. Bayerns polnischer Mittelstürmer rieb sich auf, er kämpfte, rannte und passte, und er tat dies immerhin in der beruhigenden Gewissheit, dass in jene Lücken, die er riss, umgehend der rasende Gnabry einbog - wie auch schon beim 8:2 gegen Barcelona, als Gnabry ebenfalls traf. Weniger beruhigend für alle künftigen Bayern-Gegner ist dagegen das, was Kimmich so über Gnabry denkt: nämlich, dass sein bester Kumpel sich selbst und der Welt immer noch nicht sein ganzes Potenzial gezeigt hat; dass er es noch besser kann.

In der vergangenen Woche kam die Nachricht, dass Arjen Robben, 36, das Training beim FC Groningen abbrechen musste, muskuläre Probleme. Er hat ja tatsächlich wieder angefangen, bald wird er wieder fit sein. Und dann wird er versuchen, Gnabrys Gruß zu erwidern, er wird wieder rechts antreten und nach innen ziehen.

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