FC Bayern Die große Klappe hat Pause

Alles wieder gut: Die Bayern sind gut drauf, die Meisterschaft ist völlig offen.

(Foto: AFP)
  • Der FC Bayern freut sich, dass das Titelrennen in der Bundesliga spannend ist wie selten.
  • Die Münchner sparen sich jedoch Spitzen Richtung der kriselnden Dortmunder.
  • Sie wissen, dass sie ihre Chance gegen den BVB noch bekommen werden.
Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Der Begriff "langweilig" käme Karl-Heinz Rummenigge beim Gedanken an die jüngsten sechs Meisterschaften des FC Bayern natürlich niemals in den Sinn. Auch die Titel 23 bis 28 aus sechs meist spannungsfreien Spielzeiten hat der Vorstandschef liebgewonnen. "Aber die jetzige Saison", sagte Rummenigge am Wochenende mit einem Funkeln in den Augen, "die ist schon emotionaler."

Zuletzt hatten die Bayern einen Titel im Mai sicher (2016), vier bereits im April und einen gar schon im März (2014) - aber diesmal, da alles emotionaler ist, steht am 6. April erst das Duell mit Dortmund bevor. Dieses emotionale Vollprogramm können die zuletzt einsame Kreise ziehenden Bayern sogar genießen: Aufholjagd, Kopf-an-Kopf-Rennen, Fotofinish, Rathausbalkon? Nicht mal in einer personellen Übergangssaison, die Präsident Uli Hoeneß sogar inklusive möglicher Titelopferung ausgerufen hatte, zeigt die Konkurrenz das nötige Durchsetzungsvermögen.

2:0 nach elf Minuten: Es ging los, als hätten sie aufs Spiel gewartet wie Kinder aufs Christkind

Seit Samstag sind der BVB und die Bayern wieder punktgleich. Zwei punktgleiche Spitzenteams hatte die Bundesliga an einem 24. Spieltag zuletzt vor 14 Jahren (Bayern und Schalke). Hätten die Münchner, was sehr gut möglich gewesen wäre, am Samstag 7:1 bei Borussia Mönchengladbach gewonnen, wären sie jetzt mit dem BVB auch noch torgleich - und die Tabellenführung müsste geteilt werden.

Im März wird diese Meisterschaft nicht entschieden, im April wohl auch kaum und im Mai vielleicht erst spät. Die sich abzeichnende Dramatik stilisierte Rummenigge kurzerhand zur Markenstärke der Liga. Seit seine Bayern binnen vier Spieltagen sieben Punkte auf Dortmund und allein am Samstag auch noch vier Tore aufgeholt haben, spricht das Momentum zwar für München. Doch Rummenigge formulierte nach dem 5:1-Triumph in Gladbach aus einem Gefühl der Stärke heraus gönnerisch: "Noch ist nichts entschieden!"

Die Bayern begannen das Topspiel in Gladbach mit derart viel Verve, als hätten sie es seit dem Abpfiff des Dortmunder Spiels in Augsburg am Freitagabend kaum aushalten können, diese 20 Stunden mit profanen Dingen wie Schlafen, Essen, Körperpflege und Anreise zu vertrödeln. Die Münchner haben auf den Anpfiff offenbar gewartet wie Kinder aufs Christkind, und als das Spiel gerade mal elf Minuten alt war, führten sie schon 2:0. Javi Martinez (2.) und Thomas Müller (11.) wurden gefeiert, zwei Torschützen, die mit ihren Spielanteilen zuletzt nicht immer ganz zufrieden gewesen waren. Der Sieg hatte also auch noch therapeutischen Charakter.

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Die Bayern stellen beim 5:1-Spektakel gegen Gladbach ihre gefestigte Verfassung unter Beweis - und haben nun binnen vier Spielen sieben Punkte auf Tabellenführer Dortmund aufgeholt.   Von Ulrich Hartmann

Serge Gnabry (75.) und Robert Lewandowski (47./90+1.) erzielten die weiteren Treffer. Der Pole Lewandowski ist zusammen mit Bremens Peruaner Claudio Pizarro nun der treffsicherste ausländische Spieler der Bundesliga-Historie (195 Tore).

Gladbach, angeblich ein Champions-League-Anwärter, war bloß ein Sparringspartner - "Fallobst", sagt man beim Boxen. Über Borussias Ballverluste und Abwehraktionen am Samstag würde man selbst in Fußballniederungen spötteln. Es muss für die schwächelnden Dortmunder bitter gewesen sein, dieses Spiel im Fernsehen anzuschauen mit der Hoffnung, Schützenhilfe zu bekommen. Die Gladbacher, zuvor daheim zwölf Mal in Serie siegreich, haben nun drei Mal nacheinander zuhause verloren - Torverhältnis dabei: 1:11.