bedeckt München 34°

FC Bayern gewinnt in Wolfsburg:Und dann kam Luiz Gustavo

Bayrische Erleichterung in Wolfsburg: Trotz einer erneut schwachen Leistung in der Offensive gelingt dem FC Bayern München der erste Sieg der Saison. In letzter Sekunde. Luiz Gustavo verhindert einen historischen Fehlstart - und Felix Magath geht auf den Schiedsrichter los.

So schnell geht es nur in München. Gerade noch hatte der FC Bayern München "Plus" in einem begeisternden Spiel Brasilien besiegt, da drohte schon wieder heftiges Ungemach. Denn der FC Bayern "Minus", also abzüglich Mats Hummels, Mario Götze oder André Schürrle, der hatte das erste Saisonspiel in der Bundesliga ganz ohne Begeisterung verloren. Bei einer weiteren Niederlage in Wolfsburg - kaum auszudenken - hätte der schlechteste Saisonstart aller Zeiten gedroht. Aller Zeiten! Was wäre da los gewesen in München: Nichts Stolperstart. Katastrophe! So läuft das bei den Bayern.

VfL Wolfsburg - FC Bayern Muenchen

Die Erleichterung war gewaltig: Luiz Gustavo (rechts) bejubelt mit Bastian Schweinsteiger und Rafinha seinen erlösenden Treffer.

(Foto: dapd)

Was also tun? Der eigentlich so nüchterne Trainer Jupp Heynckes, mit den Mechanismen in München bestens vertraut, versuchte es vor dem Spiel gegen die Mannschaft des ebenso nüchternen Ex-Bayern-Trainers Felix Magath sogar mit ein wenig Pathos: "Du musst die Gier haben zu gewinnen." Und auch die Mannschaft probierte alles. Ohne Not (die Wolfsburger traten grashüpfergrün an), ließ man die traditionellen roten Trikots im Koffer. Der FC Bayern betrat den Platz mit weißen Hemden und dunklen Hosen.

Auf den ersten Blick wirkte das wie am Mittwoch bei der Nationalmannschaft. Und auch wenn es nicht aussah wieder bei der Nationalmannschaft, am Ende jubelten die in den weißen Hemden. Nach einem schwachen Spiel sicherten sich die Münchner einen glücklichen 1:0 Sieg - mit einem Last-Minute-Tor.

Uns so war nach dem Spiel auch die Nüchternheit zurück bei Heynckes: "Wir haben gegen eine VfL-Mannschaft gespielt, die mit breiter Brust aufgelaufen ist. Dass das 1:0 glücklich war, kann ich bestätigen," erklärte der Bayern-Trainer.

Tatsächlich traten die Wolfsburger zu Beginn des Spiels auf, als wollten sie unter allen Umständen und im Alleingang die Fußballehre Brasiliens retten. Schon nach 20 Sekunden bekam das Heimteam die erste Ecke zugesprochen, nach 80 Sekunden rutschte Ex-Bayer Hasan Salihamidzic in der Mitte nur äußerst knapp am Ball vorbei, nachdem Patrick Ochs auf der rechten Seite völlig frei zum Flanken gekommen war. Wolfsburg war da, die Bayern schienen überrascht, überrumpelt, überfordert.

Ohne Arjen Robben, der aufgrund von Rückenproblemen die Reise nach Wolfsburg gar nicht angetreten hatte, liefen die Bayern hinterher.16 Spieler aus dem Bayern-Kader waren in der Woche mit ihrer Nationalmannschaft unterwegs gewesen, eine Vorbereitung auf das Spiel: kaum möglich. Das schien sich zu rächen.

Toni Kroos war es dann, der ein erstes Zeichen setzte. "Klack!" So klang es, als er Hasan Salihamidzic an seiner empfindlichsten Stelle traf. Seinem eingegipsten linken Arm. Kroos reklamierte kurz Handspiel, Salihamidzic, das 34-jährige Bürschchen, lächelte. So wie er neun Jahre lang in München gelächelt hatte. Er war in dieser Zeit sechs Mal Deutscher Meister, hat die Champions-League gewonnen und den Weltpokal.

Ob er jetzt, im Spiel gegen gegen seine alte Liebe, seinem neuen Team tatsächlich noch helfen kann? Er konnte. Denn er rannte. Auch bis zur eigenen Grundlinie, warf sich, wenn es sein musste, mit dem Gips voran dem Gegner entgegen.

Auf der anderen Seite blieb Franck Ribéry dagegen meist an der Mittellinie stehen. Doch ab der Mittelinie rackerte der Franzose in Richtung Wolfsburger Tor, als wollte er sogar Mario Götze vergessen machen. Durch einen eher harmlosen Wischer im Getümmel gegen einen Gegenspieler zog er sich den Zorn des Publikum zu, dem seiner Gegenspieler versicherte er sich durch bissiges Nachsetzten und technische Finessen.