FC Bayern mit Arjen Robben gegen Villarreal:Heynckes beendet die Integrationsdebatte

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Bayern-Trainer Jupp Heynckes setzt auch gegen den FC Villarreal wieder auf Arjen Robben, obwohl der Niederländer weit von seiner alten Form entfernt ist. Die nötige Spielpraxis soll Robben auf höchstem Niveau bekommen - denn Heynckes weiß, dass er seinen schnellen Flügelmann noch braucht.

Carsten Eberts

Jupp Heynckes brauchte nur einen Satz, um die Zweifel an der erneuten Nominierung von Arjen Robben für die Bayern-Startelf zu zerstreuen. "Arjen muss ich so schnell wie möglich ranführen", sagte der Trainer vor dem Champions-League-Spiel am Dienstagabend gegen den FC Villarreal (Anpfiff 20.45 Uhr, Liveticker auf sueddeutsche.de). Zur Sicherheit, damit ihn niemand missversteht, schob Heynckes einen zweiten hinterher: "Natürlich spielt er von Anfang an."

Aufeinander angewiesen: Trainer Jupp Heynckes (links), Stürmer Arjen Robben (rechts). (Foto: imago sportfotodienst)

Heynckes meint es also ernst. Die vielen Stimmen, der Startelf-Einsatz seines holländischen Flügelstürmers beim 0:1 gegen Borussia Dortmund sei viel zu früh gekommen, wollte er gar nicht hören: Heynckes will Robben, denn er braucht Robben in den kommenden, unangenehmen Bayern-Wochen bis zur Winterpause. Heynckes will den 27-Jährigen sofort reintegrieren - auch wenn die Bayern ihren einst wichtigsten Mann in den ersten Partien womöglich durchschleppen müssen.

Die ersten Worte, die Robben nach der samstäglichen Niederlage gegen Borussia Dortmund an die Öffentlichkeit richtete, betrafen noch seine Gesundheit. "Ich hatte wenig Probleme", sagte der Niederländer, der gerade erst von seiner Leisten-OP genesen war, laut Robben der "schlimmsten Verletzung", die er je hatte. Auf seine körperliche Konstitution mag Robbens Satz zutreffend gewesen sein - er barg jedoch auch unfreiwillige Komik in sich.

Denn Robbens sonstiger Vortrag gegen Borussia Dortmund war alles andere als problemfrei - und wenn nicht problematisch, dann zumindest ineffektiv, wirkungslos. 70 Minuten mühte sich Robben auf seiner rechten Seite, wehrte sich erfolglos gegen die eigenartige Manndeckung von Dortmunds Marcel Schmelzer, die in dieser Form sonst nur gefährlichen Außenspielern beim Handball widerfährt. Kam Robben frei durch, was zwei-dreimal geschah, traf er die falschen Entscheidungen.

In der Arena verbreitete sich schnell das Gefühl: Mit seiner Nominierung für die Startelf hatte Heynckes dem Niederländer keinen Gefallen getan. In der zweiten Halbzeit winkte Robben sogar mit großer Geste, wenn er frei war - doch die Kollegen übersahen ihn. Nach 70 Minuten nahm Heynckes ihn wieder vom Feld.

Robben selbst warb um Verständnis für seine Startschwierigkeiten. "Normalerweise fängt man von der Bank an und kann langsam in den Rhythmus kommen", sagte Robben, der erstmals seit dem dritten Spieltag wieder in der Startelf gestanden hatte: "Das war kein kleines Spiel, um wieder anzufangen. Ich brauche den Rhythmus, ich brauche Spiele, um fit zu werden und auf mein Niveau zu kommen." Das nächste Spiel soll er am Dienstagabend gegen Villarreal bekommen.

Mit einem Sieg gegen die Spanier wollen die Bayern zunächst das Erreichen des Achtelfinals perfekt machen; patzt Manchester City in Neapel, wäre sogar der vorzeitige Gruppensieg drin. "Wir wollen unsere Spitzenposition verteidigen", gab Heynckes als Losung aus, betonte auch: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Niederlage gegen Dortmund vergessen machen." Das galt für die Mannschaft - insbesondere jedoch auch für Arjen Robben.

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Robbens Wichtigkeit für das Spiel der Bayern muss nicht gesondert betont werden. Es gab Monate, da rettete er seinem Klub im Alleingang sämtliche wichtige Spiele, auch wenn dies eher zu Zeiten war, als die Bayern noch nicht über ein solch ausgeklügeltes Offensiv-Vieleck verfügten. Ist Robben fit, gibt es bundesligaweit trotz aller Götzes und Reus' keinen Spieler, der mit schnelleren zwei-drei Schritten den ersten Gegenspieler stehen lässt, mit weiteren fünf-sechs schnellen Schritten die weitere Gegnerschaft düpiert und den Ball mit links ins Kreuzeck drischt.

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Viele waren auf Robbens Rückkehr in die Mannschaft gespannt. Zu unaufgeregt, beinahe erschreckend harmonisch hatten sich die Bayern in den Wochen ohne Robben präsentiert. So stellte sich die Frage, wo in der formidablen Offensive mit Franck Ribéry, Toni Kroos, Thomas Müller und Mario Gomez überhaupt Platz sein sollte. Für Robben, der unter den Fünfen zumindest auf dem Spielfeld als schwierigster Charakter gilt. Der nach misslungenen Aktionen nicht nur gegen Kontrahenten und Schiedsrichter wütet, sondern ebenso gerne auch gegen Mitspieler.

Die Verletzung von Bastian Schweinsteiger und die Rotsperre von Anatolij Timoschtschuk in der Liga haben Heynckes vor dieser Härtefrage zunächst bewahrt. Er konnte im Mittelfeld recht problemlos Platz schaffen für Robben, indem er Kroos auf die Sechs zurückbeorderte, Müller in die zentrale Offensive schob. Doch wie wird es, wenn nach der Winterpause alle wieder fit sind? Ribéry, Kroos, Müller, Gomez, Timoschtschuk? Dazu Schweinsteiger und Robben?

Auf der rechten Seite hat sich Heynckes vorerst festgelegt: Robben bekommt seinen Stammplatz zurück. Offener erscheint die Besetzung im defensiven Mittelfeld, wo Heynckes weiter auf Schweinsteiger verzichten muss. Gegen Dortmund hatte er Kroos zum Vertreter befördert, der seine Sache passabel erledigte - der jedoch erstens kein zweiter Schweinsteiger ist und zweitens der Offensive mit seinen schnellen Ideen merklich abging.

Belässt es Heynckes auch gegen Villarreal mit Kroos auf der Sechs und sollte sich bewahrheiten, dass Ersatzspieler David Alaba diesmal seine Chance in der Startelf erhält, bleibt die Frage nach Kroos' Kompagnon in der Zentrale. Gegen Dortmund agierte dort Luiz Gustavo in gewohnt mutiger, jedoch ungestümer Manier. Anders als in der Bundesliga, wo er wegen seiner roten Karte gesperrt ist, ist international auch Anatolij Timoschtschuk spielberechtigt. Für den Ukrainer spricht, dass er nicht nur zu den ballsichersten Spielern Europas gehört, sondern auch das Offensivspiel zielgenauer vorträgt als Gustavo.

Zumindest denkbar ist auch eine andere Variante: Timoschtschuk und Gustavo könnten als zentrales Duo agieren, Kroos als offensive Schaltstelle davor, Ribéry und Robben über die Außenbahnen. In diesem Fall müsste Müller auf die Bank weichen, der zwar zuletzt in der Nationalmannschaft überragte, gegen Dortmund jedoch kaum gelungene Aktionen hatte.

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