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FC Bayern gegen Leipzig:Eine Machtdemonstration

Thiago feiert sein Tor zum 1:0.

(Foto: AFP)

Die zum großen Duell stilisierte Partie zwischen dem FC Bayern und Neuling Leipzig ist schon vor der Pause entschieden. Beim 3:0 wirken die Münchner gegen den Herausforderer nach dem Wechsel sogar gnädig.

Pep Guardiolas Bayern haben den Gegner gerne überrascht. Die Bayern haben manchmal mit einer Dreierkette begonnen, die sich bei näherem Betrachten als Viererkette herausstellte, und kaum hatte man das nähere Betrachten abgeschlossen, war die Vierer- schon wieder eine Dreierkette. Guardiolas Bayern waren bei gegnerischen Trainern wegen ihrer Unberechenbarkeit gefürchtet, für Carlo Ancelottis Bayern galt bislang eher das Gegenteil. Man wusste etwa, wie sie spielen und aussehen würden auf dem Platz - bis zu diesem spektakulären Mittwochabend.

Als Mats Hummels sich vor dem Aufwärmen tatsächlich traute, den Kabinengang zu verlassen, war bereits klar, dass das kein normaler Abend werden konnte. Mats Hummels war aufgrund einer verlorenen Wette mindestens so blond wie neuerdings Lionel Messi, vielleicht sah er sogar aus wie Heino ohne Brille - am Ende schaffte er es aber tatsächlich, dass seine Frisur ein Symbol für diesen ganzen bunten Abend war. Beim 3:0 (3:0) gegen den Tabellenzweiten RB Leipzig präsentierte sich der FC Bayern auf eine Art und Weise, in der man ihn tatsächlich selten gesehen hatte.

Alonso eine Schwachstelle? Mitnichten, der Spanier veredelt den schönsten Angriff zum 2:0

Das galt weniger für die Qualität des Vortrages, denn in sehr guter Verfassung hatte man den FC Bayern im Laufe seiner Vereinsgeschichte immer wieder mal erwischt. Aber dass die Bayern szenenweise einen Aufsteiger aus Leipzig doubeln, der eigentlich einen völlig anderen Fußball spielt: Das war schon ziemlich einzigartig. Ein Tor wie Bayerns 2:0 (25.) schießt normalerweise eher Leipzig:

Bundesliga Fuchs Lahm entscheidet das Spiel Bilder
FC Bayern in der Einzelkritik

Fuchs Lahm entscheidet das Spiel

Der Kapitän tritt als Fuchs auf, Mats Hummels strahlt mit neuer Frisur und Xabi Alonso braucht noch lange keinen Stuhl. Der FC Bayern beim 3:0 gegen Leipzig in der Einzelkritik.

Der Chilene Arturo Vidal eroberte im Mittelfeld so aggressiv den Ball, als habe er in Backnang die Ralf-Rangnick-Schule besucht. Auch die weiteren Rangnick-Lektionen setzte er so perfekt um, dass Leipzigs Sportchef sich bestimmt gefreut hätte, wenn das Tor nicht zufällig gegen seine Elf gefallen wäre: Balleroberung, Umschaltpass auf Lewandowski, der ohne schuldhaftes Zögern querlegt zu Thiago, der wiederum Xabi Alonso sucht und findet. Auch das passte ja zu diesem unterhaltsamen Abend: dass ausgerechnet ein würdiger, älterer Herr, der aus einer völlig anderen Fußballzeit stammt, diesen modernen Hochgeschwindigkeits-Spielzug mit einem Tor veredeln durfte.

"Wir wollten vor der Winterpause bewusst noch mal ein Ausrufezeichen setzen, das ist uns vor allem in der ersten Halbzeit gelungen", sagte Philipp Lahn später, und Ancelotti sprach gar von "perfekten 30 Minuten", in denen die Münchner den Leipzig-Style mit allerlei eigenen Qualitäten würzten. Im Grunde war Bayerns Überlegenheit sogar ein Kompliment für den Gegner: Die Münchner nahmen den neuen Rivalen extrem ernst, fühlten sich vielleicht auch angestachelt von den Hymnen, die dem Aufsteiger zuletzt so ausdauernd gedichtet wurden. Jedenfalls liefen die Bayern mit einer inneren Schärfe auf den Rasen, die man unter der Regie des eher gemütlichen Ancelotti bisher noch nicht gesehen hatte.

Dennoch gelang es den Gästen zumindest in der Anfangsphase noch, ihre Tugenden sichtbar zu machen; am Anfang waren sie es, die schnell umschalteten und auf diese Weise sogar zu einer großen Chance kamen, als Youssuf Poulsen an einem Schuss von Timo Werner (4.) vorbeirutschte.

Das war Leipzig, der respektlose Rivale, dem es völlig egal ist, dass er neu ist auf dieser Bühne. Aber ein paar Minuten später gab es dann doch das zweite Leipzig zu sehen: die Elf, der man im Angesicht der bayerischen Klasse schon deutlich anmerkte, dass die meisten Spieler vorige Saison noch in der zweiten Liga unterwegs waren.