Fußballerinnen des FC Bayern "Die Mannschaft ist so gut wie noch nie"

Doppel-Torschützin Mandy Islacker (Zweite von links) im Zentrum der Bayern-Festivitäten.

(Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)
  • Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg scheitern im Viertelfinale der Champions League an Olympique Lyon. Der FC Bayern zieht dagegen erstmals ins Halbfinale ein - mit einem 5:1 gegen Slavia Prag.
  • Die Münchnerinnen haben sich in dieser Saison zu einer Mannschaft mit sehr hohem Selbstvertrauen entwickelt, das sich in jedem Spiel zu steigern scheint.
  • Am Sonntag kommt es zum direkten Duell der beiden deutschen Spitzen-Teams: Bayern empfängt Wolfsburg im Pokal-Halbfinale.
Von Anna Dreher

Schon im vergangenen November hatte Lena Goeßling eine Vorahnung, wie sie sich ein paar Monate später wohl fühlen würde. Als die Viertelfinals in der Champions League ausgelost wurden, waren namhafte Klubs dabei wie der FC Barcelona, der FC Chelsea, Olympique Lyon und aus Deutschland der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München. Attraktive Kombinationen also, manche mehr, manche weniger günstig für das eigene Weiterkommen. Goeßling hat die Champions League mit Wolfsburg 2013 und 2014 gewonnen, der VfL galt auch in diesem Jahr als Titelanwärter. Aber im November schwand die Zuversicht, es wieder ins Finale schaffen zu können, und Goeßling sagte dazu: "Natürlich denkt man bei diesem Viertelfinallos: Scheiße, warum bekommen wir jetzt Olympique Lyon?"

Am Mittwochabend wurde Goeßlings Vorahnung bestätigt. Zum vierten Mal in Serie ist Wolfsburg auf dem Weg zum internationalen Titel an den Französinnen gescheitert, davon drei Mal im Finale. Die Runde der besten Acht nahm früh ein Highlight des Frauenfußballs vorweg. Doch nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel war auch das Rückspiel vor 4445 Zuschauern im ausverkauften Wolfsburger Stadion mit 2:4 (0:2) eine eindeutige Angelegenheit. Lyon zeigte seinem Finalgegner von 2018 wieder einmal: Tja, die bessere Mannschaft, das sind immer noch wir. "Wir sagen jedes Jahr, dieses Mal ist Lyon dran, dieses Mal sind sie dran - aber wir schaffen es irgendwie nicht", sagte Goeßling. "Die waren wieder eine Klasse besser. Keine Ahnung, ob wir zu viel Respekt hatten."

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In der Königsklasse der Frauen triumphiert Bayern München gegen Slavia Prag und ist weiter auf Triple-Kurs. Für die Wölfinnen ist Titelverteidiger Olympique Lyon eine Nummer zu groß.

Es war das höhere individuelle Niveau, das den Unterschied ausmachte. Neben der deutschen Nationalspielerin Dzsenifer Marozsán, die in so vielen Momenten ihr Ausnahmetalent zur Schau stellte, hat Lyon Weltfußballerin Ada Hegerberg in seinen Reihen oder auch Eugénie Le Sommer, die an diesem Abend ihr 41. Tor im 66. Champions-League-Spiel erzielte - um nur ein paar Namen zu nennen. Alles hoch veranlagte Einzelkünstlerinnen, die sich zum Nachteil jedes Gegners zu einem äußerst stimmigen Kollektiv zusammengefügt haben. Fünf Mal hat Lyon die Champions League gewonnen, drei Trophäen davon in den vergangenen drei Jahren.

Bayerns 20. Spiel ohne Niederlage nacheinander

Am Mittwoch zirkelte Marozsán in der achten Minute einen Freistoß direkt ins Tor, Wendie Renard erhöhte per Elfmeter (25.). Dass Pernille Harder innerhalb von drei Minuten zum 1:2 (53.) und 2:2 (56.) traf, gab den Wolfsburgerinnen zwar Hoffnung - die wurde von Le Sommer (60./80.) aber wieder zunichtegemacht. "Wir waren nicht mutig genug", sagte Nationalspielerin Alexandra Popp. "Wir wollten ein Feuerwerk abliefern. Das haben wir nicht geschafft". Und Trainer Stephan Lerch sah den Verein nach dem geplatzten Triple-Traum in der Pflicht, "die nächsten Schritte" einzuleiten, "um international konkurrenzfähig zu bleiben", weil andere europäische Klubs den VfL überholt hätten oder gerade dabei seien. Die Enttäuschung darüber, erneut von Lyon die Grenzen aufgezeigt bekommen zu haben, saß tief. Der Entwicklung aber, dass im europäischen Ausland immer mehr in den Frauenfußball investiert wird und es dann auch diese Vereine sind, die international dominieren, könnte in diesem Jahr aus deutscher Sicht trotz Wolfsburgs Ausscheiden etwas entgegengesetzt werden.

Denn während die Spielerinnen des VfL das Stadion verließen, feierten jene des FC Bayern auf dem Rasen ausgiebig einen großen Erfolg: Erstmals in ihrer Geschichte haben sie das Halbfinale der Champions League erreicht. Nach einem 1:1 bei Slavia Prag, das trotz spielerischer Dominanz von vergebenen Chancen geprägt war, zeigte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Wörle beim 5:1 (3:0) am Mittwochabend im Abschluss wie befreit. "Es war unser großes Ziel, ins Halbfinale einzuziehen", sagte der 37-Jährige. "Jetzt haben wir es endlich geschafft, unter den besten Vier in Europa zu sein." Die Auftritte der Bayern in der Champions League waren bisher geprägt von einem Gefühl fehlender Reife, das sich vor allem in den Rückspielen gezeigt hatte. Gegen Prag fand dieses Muster nach den Toren von Fridolina Rolfö (23.), Melanie Leupolz (33.) und Mandy Islacker (41.) keine Fortschreibung. Nachdem Islacker zum zweiten Mal erfolgreich war (55.), änderte auch der Gegentreffer von Katerina Svitkova (77.) nichts daran. Jill Roord (83.) erhöhte auf 5:1.

Der FC Bayern hat sich in dieser Saison zu einer Mannschaft mit sehr hohem Selbstvertrauen entwickelt, das sich in jedem Spiel zu steigern scheint. Erst eine Partie hat der Tabellenzweite der Bundesliga verloren (0:6 gegen Wolfsburg), der Sieg gegen Prag war das 20. Spiel ohne Niederlage nacheinander. "Die Mannschaft ist so gut wie noch nie, das ist eine richtig verschworene Gemeinschaft", sagte Managerin Karin Danner. Es spielt auch fast keine Rolle, wen Wörle in die Startelf beruft - der Kader ist auf hohem Niveau flexibel. Wer eingewechselt wird, trifft oft auch noch. "Jede funktioniert, ob sie von Anfang an spielt oder nicht. Das ist echt überragend, so habe ich das noch nie gehabt", sagte Nationalspielerin Sara Däbritz. "Wir haben einen unglaublich guten Teamgeist."

Es ist dieser Teamgeist, mit dem der FC Bayern sich nun auch im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona am 20. und 27. April als bislang nur schwer einzufangende Mannschaft präsentieren will. Wichtig wird das aber schon am Sonntag, wenn es in einem anderen Halbfinale zum Spitzenspiel der Bundesliga kommt: Bayern empfängt im Pokal (15.15 Uhr, ARD) Wolfsburg, Tabellenführer, Doublegewinner von 2018 - und nun enttäuschter Champions-League-Verlierer. Der VfL werde mit viel Frust anreisen, so lautete an diesem Abend die Prognose. Und dass es auf die Tagesform ankomme, ein bisschen auf Glück und darauf, wer die intensiven englischen Wochen besser wegstecken könne. Es werde ein Kampf. Sara Däbritz jedenfalls hatte schon eine gewisse Vorahnung, wie sie sich in ein paar Monaten fühlen könnte: "Ich glaube, für uns ist noch viel drin."

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