So ganz egal ist es dann auch wieder nicht gewesen, wie dieses Fußballwochenende ablaufen würde. Immerhin gibt es in der Frauen-Bundesliga noch einen Titel zu vergeben, hart umkämpft zwischen dem FC Bayern und der TSG 1899 Hoffenheim. Die Meisterschaft mag bereits derart lange entschieden sein, dass man den Eindruck haben kann, die Saison sei längst vorbei. Aber es geht schon noch um was. Weil Pernille Harder beim 2:0 der Münchnerinnen gegen Eintracht Frankfurt traf, bleibt der Wettkampf um die Torjägerinnenkanone bis zum letzten Spieltag am nächsten Sonntag offen. Harder kommt auf 16 Tore in 24 Partien, Selina Cerci hat in 21 Einsätzen für die TSG ebenso oft getroffen. Und womöglich zieht ja sogar Vanessa Fudalla (23/14) von Bayer Leverkusen noch an den beiden vorbei. Also: Wo ist hier die Luft raus?
Die vierte Meisterschaft in Serie hatte sich der FC Bayern am 23. Spieltag Ende April bei Union Berlin gesichert. Aber auswärts und so kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona war außer ein paar Jubelsprüngen keine Party drin. Dafür gab es dann am Samstag im Münchner Campus-Stadion sehr viele Bierduschen für all jene, die sich die mit „Champions“ beschrifteten Sonnenbrillen aufsetzen konnten. Nach Sieg Nummer 23 in 25 Bundesliga-Partien mit 71 von 75 möglichen Punkten überreichte DFB-Präsident Bernd Neuendorf die Meisterschale an Kapitänin Glódís Perla Viggósdóttir. „Der Trainerwechsel im Sommer hat uns noch einmal neue Impulse gegeben“, sagte Klara Bühl in der ARD, was sich nicht zuletzt in erdrückenden 89:9 Toren bei nur zwei Remis ausdrückt.
Ob Bühl, die selbst in hoher Frequenz wichtige Impulse setzt, die Bayern vielleicht doch vorzeitig ins Ausland verlässt, ist eine der schwebenden bedrohlichen Fragen. Allein der Weggang von Georgia Stanway dürfte den Kaderplanern in der Kategorie Leistungsträgerin reichen. Die Abschiede von Torhüterin Maria Luisa Grohs, Carolin Simon und Natalia Padilla Bidas zählen eher als Teil der weiteren Evolution, wie bei Lea Schüller und Tuva Hansen, die beide in der Winterpause gegangen sind. Bevor sich das Gesicht des Teams verändert, kann die Weiterentwicklung unter dem Spanier José Barcala sich diesen Donnerstag aber noch im nächsten Titel ausdrücken. Im Finale gegen Pokalrekordsieger VfL Wolfsburg (16 Uhr, ZDF) ist das zweite Double nacheinander möglich.
Alles andere wäre nach dem internationalen Aus allerdings auch eine Enttäuschung für den FC Bayern, nur: In der fußballromantischeren Version der Geschichte gewinnt Wolfsburg das Endspiel mit Alexandra Popp, die selbst schon so viele DFB-Pokale in ihrer Vitrine stehen hat wie keine andere. Vom Sommer an wird die 35-Jährige nach 14 Jahren und 20 Titeln das Trikot von Borussia Dortmund tragen. Und zumindest ein Ziel hat der VfL mit ihr vorher erreicht, seit er am Samstag mit dem 4:2 gegen den SC Freiburg Tabellenplatz zwei und damit den inoffiziellen Titel „Best of the Rest“ sicher hat. Dadurch konnten sich die Wolfsburgerinnen für die dritte Qualifikationsrunde der Champions League qualifizieren. Fehlt noch eine Entscheidung, bis diese Saison wirklich vorbei ist: Bleibt der Hamburger SV in der Bundesliga – oder vollbringt die SGS Essen ein kleines Wunder und holt den Rückstand von drei Punkten bei einem elf Treffer schlechteren Torverhältnis noch auf?


