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FC Bayern:Flick verurteilt Anfeindungen gegen Salihamidzic

Bundesliga - Bayern Munich v Bayer Leverkusen

Flick und Salihamidzic klatschen beim Spiel gegen Leverkusen ab.

(Foto: ANDREAS GEBERT/Pool via REUTERS)

Der Trainer des FC Bayern spricht von Grenzen, die überschritten werden. Faninitiativen fordern eine Ablösung des Sportvorstandes - dabei soll es zu persönlichen Angriffen gekommen sein.

Bayern-Trainer Hansi Flick hat die persönlichen Anfeindungen gegen Münchens Sportvorstand Hasan Salihamidzic scharf verurteilt. Auch die Familie des Ex-Profis wurde zur Zielscheibe. "Es werden Grenzen überschritten, das ist ein No-go", sagte Flick am Freitag.

Der 56-Jährige bemerkte, dass es bei seinen Differenzen mit Salihamidzic "nie ins Persönliche gegangen" sei. "Wir haben einen anderen Ansatz", sagte er zu den Problemen mit Salihamidzic. Flick hatte vor einer Woche angekündigt, seinen noch bis 2023 laufenden Vertrag beim deutschen Fußball-Rekordmeister zum Saisonende vorzeitig auflösen zu wollen. Viele Fans stempeln Salihamidzic dafür zum großen Buhmann. "Wir denken anders über Dinge. Aber es ist nicht so, dass wir uns persönlich nicht schätzen", sagte Flick. Die Beschimpfungen im Internet "missbillige ich absolut", sagte der Trainer.

"Jeder kann sich vorstellen, wie es ist, wenn seine Familie beschimpft wird. Hasan hat eine tolle Familie", sagte Flick nach persönlichen Begegnungen. Die Gesellschaft müsse grundsätzlich aufpassen, dass solche Auswüchse gerade auch im Internet nicht zur Tagesordnung würden. Fußball sei wichtig, erklärte Flick, das rechtfertige aber niemals derart persönliche Angriffe.

Eine Fan-Initiative hat mehr als 66.000 Unterschriften gegen Salihamidzic gesammelt

Auch Präsident Herbert Hainer hatte am Tag zuvor betont, der FC Bayern stelle sich "geschlossen und mit Nachdruck gegen Anfeindungen" in Richtung seines Sportvorstandes. "Sachliche Kritik ist selbstverständlich immer zulässig", betonte Hainer auf der Internetseite der Bayern, und stärkte dem angeschlagenen Sportchef demonstrativ den Rücken: "Persönliche Angriffe und Hetze verurteilen wir allerdings auf das Schärfste - dafür gibt es beim FC Bayern nicht den geringsten Platz."

Die Basis sieht Salihamidzic im Dauerzwist mit Flick als Hauptschuldigen - und fordert dessen Ablösung. Dass mancher Fan dabei weit übers Ziel hinaus schießt und sich in der Wortwahl arg vergreift, missfällt selbst der Initiative "Pro Hansi Flick, Brazzo raus!". "Das dulden wir in keinster Weise", sagte Sprecher Michael Frohsz dem Sportinformationsdienst, "wir wollen das auf fairer und sachlicher Ebene regeln". Die Gruppierung und ihr Kern, der "FC Bayern VIP Fanclub", vertritt rund 5000 Bayern-Fans und -Mitglieder weltweit und nennt sich "multikulturell". Sie hat mehr als 66.000 Stimmen gegen Salihamidzic und für Flick gesammelt - und ist dabei selbst zum Ziel von Beleidigungen geworden. "Wir müssen ein dickes Fell haben", sagte Frohsz. Von Hainer sieht sich der 39-Jährige in eine Ecke gestellt, "in die wir nicht gehören". Die Initiative strebt eine Mitgliederversammlung an, in der Salihamidzic abberufen wird, doch der Rekordmeister verweigert sich dem Wunsch nach einem Dialog.

Mit Salihamidzic aber werde es auch künftig Konflikte geben, meinte Frohsz, "egal unter welchem Trainer". Für ihn steht fest: "Wir müssen einen neuen Sportvorstand bekommen!" Traumkandidat der Fans ist Bastian Schweinsteiger. Und auch die Bosse haben den einstigen "Fußballgott" im Blick. Vorstand Oliver Kahn bezeichnete die Eingliederung ehemaliger Profis bei einem virtuellen Mitgliedertreffen am Dienstag als "Erfolgsfaktor" und nannte Schweinsteiger wie Philipp Lahm als Beispiele für Spieler, "die wir im Hinterkopf haben müssen". Doch er betonte allgemein: "Es wird nicht mehr reichen, nur eine Profikarriere gemacht zu haben und sofort in einem Profiklub Fuß zu fassen."

Die Fans werden wohl noch eine Weile mit Salihamidzic leben müssen. Sein Vertrag läuft bis 2023, Aufsichtsrat und Vorstand stehen fest zu ihm - auch im Konflikt mit Flick. Jede Medaille habe "zwei Seiten", führte Hainer aus. Die Klubbosse "verstehen, dass sich ein Trainer einen Kader mit am liebsten 30 Top-Stars wünscht - das geht uns ja allen so". Doch als Sportvorstand müsse Salihamidzic auch die Corona-"Schleifspuren" mit einem Umsatzverlust von rund 150 Millionen Euro berücksichtigen.

© SZ/dpa/sid/schm
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