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Flick beim FC Bayern:Er zieht's jetzt durch

Hans Dieter Flick (Hansi ,Trainer Bayern Muenchen) mit Thomas MUELLER (MÜLLER,Bayern Muenchen). FC Bayern MuenchenTrain; Flick

Der Montag ist im Grunde ein ganz normaler Arbeitstag an der Säbener Straße - aber was ist für Trainer Hansi Flick (rechts neben seinem Vertrauten Thomas Müller) derzeit beim FC Bayern normal?

(Foto: imago images/Sven Simon)

Nach seiner Abschiedsankündigung schlägt Hansi Flick versöhnliche Töne an - hinter den Kulissen beginnt der Kampf um den Leipziger Julian Nagelsmann.

Von Christof Kneer

In der vergangenen Woche haben sie beim FC Bayern einiges dafür getan, dass sie jetzt eine etwas ruhigere Zeit vor sich haben. Sie sind in der Champions League ausgeschieden, und in der Bundesliga haben sie sich vorzeitig die deutsche Meisterschaft ... na, vielleicht nicht ganz gesichert, aber sie sind ihr doch sehr nahe gekommen. Es gibt also keine Champions-League-Aufregung mehr, schade zwar, aber so ist es nun mal, und die Gefahr, öffentlichkeitswirksam die Meisterschaft zu verspielen, ist verschwindend gering. So gesehen, könnten die Bayern also recht gelassen in ihr Dienstagabend-Spiel (20.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen ziehen, und sie könnten vorher noch schnell beobachten, wie sich der letztverbliebene Titelrivale RB Leipzig um 18.30 Uhr beim 1. FC Köln schlägt.

Aber es ist gerade alles etwas kompliziert beim FC Bayern, Blicke nach Leipzig inklusive. Dort trainiert der Trainer Julian Nagelsmann, der in der kommenden Saison Trainer in München werden könnte, vorausgesetzt, er will das, und er sagt das auch - und sein Verein hört ihm zu und lässt ihn dann auch gehen. Und natürlich vorausgesetzt, dass der aktuelle Trainer Hansi Flick den FC Bayern auch wirklich verlässt. Das hat er zwar angekündigt, aber in dieser Branche weiß man ja nie, und falls ... stopp. Das weiß man ausnahmsweise schon. Flick wird den FC Bayern verlassen, trotz eines laufenden Vertrages bis 2023.

Er geht davon aus, dass der Verein und er eine Lösung finden werden, und selbst wenn nicht: Flick hat sich in dieser Angelegenheit eine durchaus mit Sturheit zu verwechselnde Klarheit angewöhnt. Alles, was er tut und sagt, lässt sich nur so interpretieren: Er zieht das jetzt durch. Zur Not wechselt er im Sommer halt nicht wie allgemein erwartet zur deutschen Nationalmannschaft, sondern macht ein Jahr Pause. Schon im vergangenen Herbst, lange vor Joachim Löws Rücktritts-Ankündigung beim DFB, hat Flick ja zum ersten Mal daran gedacht, den FC Bayern vorzeitig zu verlassen.

Allein die Frage, wie es zu Flicks öffentlicher Abschieds-Ankündigung nach dem Wolfsburg-Spiel kam, gibt gleichzeitig die Antwort auf alles: Es geht nicht mehr viel zwischen den Bayern und ihrem Trainer, zu viel Misstrauen hat sich auf beiden Seiten angesammelt. Man missbilligt gegenseitig, um es in der Sprache des sonntäglichen Klub-Kommuniqués zu sagen. Im Grunde unterstellt jede Partei der jeweils anderen, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Unstrittig ist, dass Flick am vorigen Donnerstag, am Tag nach dem Aus in der Champions League, beim Klub den Wunsch nach einer Vertragsauflösung im Sommer hinterlegt hat; unstrittig ist auch, dass man offenbar überein kam, vor der Veröffentlichung dieser ungewöhnlichen Bitte erst noch die Spiele gegen Wolfsburg, Leverkusen (20.4.) und Mainz (24.4.) abzuwarten. Aber dann wird's kompliziert.

Tabubruch oder Akt der Notwehr?

Während der Klub in der Mitteilung vom Sonntag die "einseitige Kommunikation durch Hansi Flick" streng tadelte, begreift Flick seinen vermeintlichen Tabubruch als Akt der Notwehr. "Es war für mich einfach wichtig, dass die Spieler es von mir wissen, weil ich schon im Flurfunk mitbekommen hatte, dass das durchgesickert ist", sagte Flick am Montag. Offenbar war ihm nicht lange nach dem vertrauten Gespräch vom Donnerstag zu Ohren gekommen, dass sein Abschiedswunsch in der Branche angeblich schon die Runde machte. Es war wohl der Moment, in dem Flick wusste: Egal, wer das ausgeplaudert hatte, aber diese Nachricht würde niemals zehn Tage unter Verschluss bleiben.

Wer Flick kennt, weiß, dass ihm seine Mannschaft heilig ist, also war das womöglich auch der Moment, in dem er beschloss: Im Falle eines Sieges in Wolfsburg würde er mit der Nachricht erst nach drinnen und dann nach draußen gehen. Nachdem er in der Kabine die Mannschaft informiert hatte, "war es für mich auch der logische Schritt, den Medien und damit der Öffentlichkeit zu sagen, dass es so ist, damit ich nicht weiter rumeiern muss", sagte er am Montag. Beim schönen Verb "rumeiern" sprach er die Anführungszeichen mit - wie um zu erklären, dass das eigentlich nicht seine Art sei.

Aus Flicks Sicht ist das kein so guter Deal: Er, der Trainer, hat das Beste aus der Mannschaft rausgeholt, und im Gegenzug hat dieser innenpolitisch hoch komplizierte Klub es geschafft, das Schlechteste aus ihm, dem Trainer, rauszuholen. Flick hat ungewohnt abgründig gewirkt in den vergangenen Wochen, Fragen zu seiner Zukunft hat er sich gereizt verbeten, und im Verein haben sie es keineswegs gern gehört, wenn der Trainer den aktuellen Kader öffentlich schlechter bewertete als den der vergangenen Saison. Umgekehrt hat Flick sich im Verein durchaus allein gelassen gefühlt, und nach manch internem Gespräch ist er ratlos zur Bürotür hinaus, weil er zum Beispiel wieder nicht genau wusste, wie sich der künftige Klubchef Oliver Kahn eigentlich zu ihm verhält. Flicks Vertraute waren und sind seine Spieler.

Am Montag hat Flick versöhnliche Töne angeschlagen, er sei dem Verein "sehr dankbar, ich hatte und habe hier ein tolle, erfolgreiche Zeit". Flick möchte das gut über die Runden bringen und wird dabei ebenso wie die Öffentlichkeit gespannt verfolgen, wie sich das interessante Überangebot an wichtigen Männern in der Trainerfrage entscheidet. Der scheidende Klubchef Rummenigge, der designierte Klubchef Kahn, der Präsident Hainer, der Sportchef Salihamidzic sowie der ewig mächtige Hoeneß müssen nun einen neuen Trainer suchen, besser mit- als gegeneinander, und das könnte eine schwierige Aufgabe werden: Bei RB Leipzig sehen sie weiterhin überhaupt keinen Grund, warum sie den bis 2023 gebundenen Julian Nagelsmann vorzeitig aus der Firma lassen sollten.

© SZ/cca/ebc
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