bedeckt München

FC Bayern:"Fleißig, loyal, ausgeschlafen"

  • Der FC Bayern stellt Hasan Salihamidzic als neuen Sportdirektor vor. Er erhält einen Vertrag bis 2020.
  • Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß betonen, dass er weder eine Notlösung sei, noch Platzhalter für Philipp Lahm.
  • Dabei war neben Lahm auch Max Eberl eigentlich der Wunschkandidat für die Position.

Von Sebastian Fischer

Da saß er also auf dem Podium, der Mann, der dem FC Bayern so dringend gefehlt hat und ihn demnächst noch besser machen soll. Er trug ein frisch gewaschenes weißes Hemd, er grinste, er sah nett und freundlich aus. Allerdings musste er nun erklären, was genau eigentlich demnächst seine Aufgabe sein wird: Spieler verpflichten? Streitigkeiten in der Kabine schlichten? Interviews geben?

Hasan Salihamidzic, 40, der neue Sportdirektor des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München, blies erst mal die Backen auf, das brachte Zeit. Sein Blick sagte: Ja, gut, äh. Dann zeigte er nach links und nach rechts. Das sollten jetzt vielleicht besser die erklären, die sich das ausgedacht haben: Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende. Und Uli Hoeneß.

Hoeneß ist beim FC Bayern nicht nur auf den Präsidentenstuhl, sondern auch massiv an die Hebel der Macht zurückgekehrt. Das hatte er vor ein paar Tagen in China demonstriert, als er überraschend öffentlich machte, demnächst die Stelle des Sportchefs wieder zu besetzen. Nach dem Rücktritt von Matthias Sammer im vergangenen Jahr, da "haben wir gedacht, dass es eine Zeit lang ganz gut gehen wird", erklärte Hoeneß am Montag. Doch jüngst sei dann der Entschluss gereift, dass es ohne doch nicht gut geht. Ein Sportdirektor sei "dringend notwendig", sagte Hoeneß.

"Hasan ist nicht der Platzwarmhalter für Philipp Lahm", sagt Rummenigge

Es sei Rummenigge gewesen, so erzählten es die beiden, der auf Salihamidzic gekommen sei. Dann, sagte Hoeneß, habe es auch bei ihm "Klick" gemacht. Er habe noch eine Nacht drüber geschlafen, fertig. Am vergangenen Wochenende musste nur noch der Aufsichtsrat die Entscheidung absegnen. "Fleißig, loyal, ausgeschlafen", zählte Rummenigge die Qualitäten des Neuen auf, der seit 1. Januar bereits als Markenbotschafter für den Klub arbeitet. Außerdem spreche er fünf Fremdsprachen, lobte Rummenigge, Italienisch, Englisch, Bosnisch, Serbokroatisch und Spanisch, erklärte Salihamidzic. Alle sahen zufrieden aus. So, als hätte diese Personalie gar nichts Kurioses. Dabei waren ja eigentlich der Gladbacher Max Eberl und Philipp Lahm eigentlich die Wunschkandidaten gewesen, das bestritten Hoeneß und Rummenigge nicht. Doch Eberl und Lahm haben längst abgesagt, weshalb jüngst viele Namen gehandelt worden waren.

Der Name Salihamidzic zunächst eher nicht. Salihamidzic war 1998 vom Hamburger SV zum FC Bayern gekommen, er bestritt bis 2007 insgesamt 234 Bundesliga-Spiele für die Münchner, gewann 2001 die Champions League. Mit einem solchen Titel im Kreuz kann man bei den Helden-fixierten Münchnern was werden, zumal dann, wenn man sich wie der einstige Flügelflitzer "Brazzo" nicht nur der Gunst der Fans gewiss sein kann -, sondern auch der von Hoeneß. "Er kennt den FC Bayern von der Pike auf", erklärte Hoeneß, "wir sind überzeugt, dass wir den Mann gefunden haben, den wir lange gesucht haben."

Doch was die Aufgabe des Mannes sein soll, das mussten die zwei Männer, die ja sehr viele Aufgaben am liebsten selbst lösen, noch erklären: Salihamidzic soll Bindeglied zwischen Spielern und Vorstand sein. Er soll dem Kaderplaner Michael Reschke vorstehen, werde bei allen Vertragsgesprächen dabei sein und sich um Nachwuchs und Scouting kümmern, sagte Rummenigge. Er sei weder ein "Platzwarmhalter" für Lahm noch ein "Schnellschuss". Er "muss" viel Zeit in der Kabine verbringen, sagte Hoeneß. Salihamidzic erhält einen Vertrag bis 30. Juni 2020 und wird schon an diesem Dienstag beim Audi-Cup auf der Bank neben Trainer Carlo Ancelotti sitzen.

Blieb nur noch diese kleine Frage zu klären: Kann er das eigentlich alles?

Hoeneß sagte, es sei kein Problem, dass Salihamidzic Berufsanfänger sei. "In diesem Geschäft gibt es viele Dinge, die nicht im Handbuch stehen." Ihm ginge es um etwas anderes. Während andere Klubs immer moderner werden möchten, wünsche er sich seinen FC Bayern "zurück zu den Wurzeln", Mia san mia. Es ist in diesem Sommer bereits ein Champions-League-Held von 2001 zurückgekehrt, der Franzose Willy Sagnol, er ist nun Co-Trainer.

Salihamidzic steht für den FC Bayern wie ihn Hoeneß sich vorstellt, voller Stallgeruch und gegenseitigem Vertrauen. Gern auch giftig: Er erinnerte an ein Spiel Salihamidzics , in dem er Roberto Carlos von Real Madrid provozierte, bis Carlos ihm die Nase brach, Salihamidzic spielte weiter. Eine solche Einstellung täte dem Klub gut.

Und Salihamidzic? Sagte, es sei kein Problem für ihn, dass der Klub mit anderen Kandidaten gesprochen habe, er fühle sich nicht als Notlösung. Er werde demnächst "so richtig Gas geben", 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche für die Spieler da sein. Sportdirektor, das sei sein Traumjob. Und dass ihm die Erfahrung fehle? Naja, sagte er, da habe er ja ein bekanntes Vorbild, bei dem es einst genauso gewesen sei. Er zeigte nach links - zu Uli Hoeneß.

© SZ vom 01.08.2017/schm

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