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Fanklub-Vorsitzender im Interview:"Diese Wortwahl gebührt einem großen FC Bayern nicht"

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß

Wie wird die Laune am Freitagabend wohl sein? Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Bernd Hofmann ist Vorsitzender des größten FC-Bayern-Fanklubs der Welt. Vor der Jahreshauptversammlung erklärt er, was Mitglieder über das Verhalten von Uli Hoeneß denken.

Bernd Hofmann ist der Vorsitzende des größten FC-Bayern-Fanklubs der Welt. Im Klub Nabburg/Oberpfalz organisiert er mehr als 5680 Mitglieder. Im Interview spricht der 69-Jährige über die aktuelle Situation des FC Bayern, Trainer Niko Kovac, die Dauer-Dominanz der Münchner und das Auftreten und die Zukunft von Uli Hoeneß.

SZ: Herr Hofmann, wie haben Sie den 5:1-Sieg des FC Bayern gegen Lissabon erlebt?

Bernd Hofmann: Wir waren - wie bei jedem Spiel - mit dem Fanklub im Stadion, das hat uns allen viel Spaß gemacht. Ich will nicht sagen, dass das gleich die Wende war. Aber ich glaube, es hat die Mannschaft und die Fans motiviert, dass es wieder aufwärtsgehen kann.

Denken Sie, dass es mit Niko Kovac aufwärtsgehen kann? Ist er der richtige Trainer für den FC Bayern?

Natürlich. Auf der Heimfahrt haben wir in unserem Fanklub diskutiert. Wir denken, Kovac macht eine gute Arbeit. Wenn der Ball nicht ins Tor geht, wenn Spieler sich nicht engagieren - dann kann der Trainer nichts dafür. Ein paar sind skeptisch, klar, aber wesentlich mehr sagen: Lasst ihn in Ruhe weiterarbeiten, der Junge braucht Zeit.

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Die Verantwortung liegt eher bei der Mannschaft und weniger beim Trainer?

Ja, das kann man so sagen. Das sind doch alles tolle Spieler, die im vergangenen Jahr noch mit einem wahnsinnigen Vorsprung deutscher Meister geworden sind. Die haben doch das Fußballspielen nicht in einem halben Jahr verlernt. Aber mei: Nach sechs Jahren mit sechs deutschen Meisterschaften soll es vielleicht nicht so sein, dass immer nur die Bayern vorne stehen. Das Team hat in dieser Saison viele späte Tore bekommen. Gegen Augsburg, gegen Freiburg, gegen Düsseldorf. Wenn man die nicht kassierte hätte, wäre der FC Bayern vielleicht wieder vorne und würde nicht sehen, dass auf der ein oder anderen Position eine Veränderung notwendig ist.

Sind Sie sogar ein bisschen froh darüber, dass der FC Bayern nicht schon wieder mit zwölf Punkten in der Liga vorneweg marschiert?

Klar, es gibt Leute, die den FC Bayern immer oben sehen wollen. Aber ich bin der Meinung: Es würde guttun, wenn mal ein anderer deutscher Meister wird. Der FC Bayern hat sechs Jahre lang dominiert und jetzt kann man sich mal anschauen, ob andere Mannschaften auch die Konstanz haben, oben in der Liga und in Europa mitzuspielen. Es tut dem Klub mal ganz gut, nicht an der Spitze zu stehen. So kann man Umbruch- und Aufbauarbeit beginnen.

Der FC Bayern ist ja ein Verein, der sich nicht nur über Erfolg definiert, sondern auch über seine Werte. Wie bewerten Sie das Auftreten des Vereins und speziell von Uli Hoeneß?

Natürlich wissen wir alle, dass das Auftreten nicht ganz so günstig war. Ich glaube, wenn Uli Hoeneß, unser Präsident, eine zweite Chance haben würde, dann würde er sich mit einer anderen Wortwahl hinter die Mannschaft stellen. Natürlich ist das schwierig, wenn man immer so im Fokus der Öffentlichkeit steht. Trotzdem war das überzogen.

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Wir im Fanklub denken, dass Uli Hoeneß sich in dieser Situation angegriffen gefühlt hat und dass der FC Bayern jetzt in der Krise besonders im Fokus der Öffentlichkeit steht. Jeder Fehler bekommt eine ganze Zeitungsseite. Da kann es passieren, dass man nicht den passenden Ton trifft. Aber wir wissen alle, dass diese Wortwahl einem großen FC Bayern nicht gebührt.

Sollte Uli Hoeneß weitermachen?

Da sind die Meinungen gespalten. Es gibt die, die sagen: Nur durch Hoeneß' Leistungen ist der FC Bayern da, wo er ist. Und dann gibt es die, die sagen: Nach so vielen Jahrzehnten ist es Zeit für einen Wechsel. Da ist der Fanklub geteilt. Es gibt noch die absoluten Hoeneß-Fans - und dazu gehöre ich eigentlich auch, weil ich weiß, was er für den Verein geleistet hat. Aber auch im Fußball gibt es einen Ruhestand. Ich denke, der Verein wird schon Nachfolge-Möglichkeiten durchdenken. Aber jemanden zu finden, der das Lebenswerk von Uli Hoeneß weiterführt, das ist wohl nicht so einfach.

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