FC Bayern:Die fünf "feindlichen" Spieler sind leicht zu dechiffrieren

Und was, bitte schön, war das für eine Startaufstellung, mit der Ancelotti seine Elf am Mittwochabend in ein 0:3 bei Paris Saint-Germain laufen ließ - ohne Hummels, ohne Boateng, ohne Ribéry, ohne Robben? War das schon Trotz-Coaching, nach all den enervierenden Trainerdebatten in den Wochen zuvor? Wollte er gar seinen Rauswurf provozieren? Vielleicht, weil es ihn zurück zum AC Mailand zieht, seiner alten Liebe? (Dass der Klub am Freitag beteuerte, in Vincenzo Montella einen ebenso guten Trainer zu haben wie Ancelotti einer ist, muss ja nichts heißen.)

Zumindest diesen unterschwellig präsenten Verdacht hat der Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Freitag zurückgewiesen: "Ich glaube nicht, dass Carlo das als Provokation gemacht hat", sagte er, "er war wirklich absolut überzeugt, dass wir mit dieser Aufstellung gewinnen können." So oder so: Harakiri-Coaching war es in jedem Fall.

Noch in Paris, Mittwochnacht um 3.30 Uhr, fiel daher die Entscheidung, ihn zu entlassen - so hat es jedenfalls der Präsident Uli Hoeneß am Donnerstag am Rande eines Vortrags in Siegen erzählt. Begründung: "Der Trainer hat fünf Spieler auf einen Schlag gegen sich gebracht. Das hätte er niemals durchgestanden." Und wie das so ist in diesem Verein, in dem selten alle die gleiche Tonlage pflegen, schob Hoeneß noch eine Bemerkung hinterher, die so gar nicht zu Rummenigges Freundschafts- Beteuerungen passte: "Ich habe in meinem Leben einen Spruch gelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste - deshalb mussten wir handeln."

Anschlussfrage: Wer ist da jetzt der Feind in wessen Bett? Ziemlich leicht zu dechiffrieren ist zumindest, wer die fünf "feindlichen" Spieler sind: wohl Boateng, Hummels, Robben, Ribéry und Müller. Also jene, die nach dem Renteneintritt von Philipp Lahm und Xabi Alonso das hierarchische Gerüst der Bayern-Elf bilden müssten - wenn Ancelotti denn ein solches aufgebaut hätte. Zur Wahrheit gehört aber ebenfalls, dass zuletzt auch diverse Spieler durch Disziplinlosigkeiten das Klima vergiftet haben: Müller mit öffentlichem Meckern, Ribéry mit Trikotschleudern, Robben und Hummels durch subtil geäußerte Taktikschelte. Dazu der Stürmer Lewandowski mit einem tendenziell schlaumeierischen, vor allem aber vom Klub nicht autorisierten Spiegel-Interview. Jetzt einfach so weiterzumachen, bloß halt ohne Ancelotti, dürfte da nicht viel ändern. Ja, bestätigte auch Salihamidzic am Freitag, man habe "keine gute Stimmung in der Mannschaft".

Womit man bei der Frage angelangt wäre, wie es jetzt weitergeht. Klar ist: Der Interimstrainer Willy Sagnol wird am Sonntag das Spiel bei Hertha BSC verantworten. Dann ist Länderspielpause. Und Hoeneß ist schon mit diesem Plan vorgeprescht: "Wir haben keinen Zeitdruck, aber nach der Pause von zwei Wochen wollen wir eine Lösung haben." Womit Hoeneß vor allem eines erzeugte: Zeitdruck.

Gut also, dass man nicht bei null anfängt.

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