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FC Bayern enttäuscht erneut:Bald hilft auch kein Blumenstrauß mehr

Der FC Bayern München fürchtet nach der Niederlage in Leverkusen die zweite Saison hintereinander ohne Meisterschaft. Es droht ein Frühling voller Enttäuschungen, der Handlungsdruck auf den Klub steigt. Präsident Uli Hoeneß kann sein Erbe keineswegs als geordnet ansehen.

Jürgen Schmieder

Es war ein skurriles Bild, das sich nach der 0:2-Niederlage des FC Bayern in Leverkusen bot. Uli Hoeneß verließ das Stadion und bewegte sich auf den Münchner Mannschaftsbus zu. Er ging nicht wirklich, es war eine Mischung aus würdevollem Schreiten und gequältem Schlurfen, in dem weiten schwarzen Mantel sah der Präsident des FC Bayern ein wenig aus wie Marlon Brando in "Der Pate". Als er den Bus erreichte, stieg er langsam hinein, es war ihm anzusehen, wie schwer ihm jeder Schritt fiel.

CFO Karl Hopfner President Uli Hoeness and CEO Karl-Heinz Rummenigge of Bayern Munich react during Bundesliga match against Bayer 04 Leverkusen in Leverkusen

Trübe Aussichten: Finanzvorstand Karl Hopfner, Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (von links) auf der Tribüne in Leverkusen. 

(Foto: REUTERS)

Es war ein schwieriger Nachmittag für Hoeneß, es ist eine schwierige Rückserie für Hoeneß - es ist eine wahnsinnig schwierige Präsidentschaft für Hoeneß. In der Saison, in der er als Manager zurückgetreten war (2009/10), wurde der FC Bayern Meister und Pokalsieger und erreichte das Finale der Champions League. Es folgte eine Saison ohne Titel - und seit der Winterpause nimmt eine weitere trophäenlose Spielzeit von Woche zu Woche mehr Gestalt an. Die Münchner haben jetzt sieben Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund, sie müssen im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Basel einen Rückstand aufholen, im Halbfinale des DFB-Pokals treten sie bei Borussia Mönchengladbach an.

Zwei Spielzeiten ohne Feier, das hatte es beim FC Bayern zuletzt 1992 und 1993 gegeben. Da ist nicht nur die Bilanz der aktuellen Saison in Gefahr. Sondern durch die hartnäckigen Dortmunder die Stellung des Vereins als unangefochtene Nummer eins im Land. Uli Hoeneß kann sein Erbe noch lange nicht als geordnet ansehen.

Es hatte sehr gut begonnen mit dem Trainer Jupp Heynckes, der ja auch als guter Freund von Hoeneß die Atmosphäre im Klub beruhigen sollte. Heynckes hat aus einem Ensemble selbstbewusster Profis im Herbst eine wohl funktionierende Einheit geformt. Heynckes wirkte zu jeder Zeit souverän und gelassen, er war die ruhige Antithese zum rhetorisch begabten und stets emotionalen Dortmunder Trainer Jürgen Klopp.

Heynckes wirkt noch immer ruhig und souverän - genau deshalb hat ihn der FC Bayern zum dritten Mal ins Traineramt gebeten. Er moderiert, er gleicht aus, er stellt sich auch in der schwierigen Phase gelassen vor seine Mannschaft. Nur: Der Münchner Kader hat Schwächen, er ist nicht zusammengestellt für eine Krise. Heynckes hat - auch aufgrund einiger Verletzungen - derzeit bei der Wahl seiner Startelf kaum Möglichkeiten zu gestalten.

Der Ausfall von Bastian Schweinsteiger und Daniel van Buyten hat ihm im hinteren Mannschaftsteil alle Optionen geraubt. Für die Zusammenstellung des Kaders ist seit einiger Zeit Christian Nerlinger verantwortlich, auf der Jahreshauptversammlung hatte ihm Hoeneß zugerufen: "Die Schonzeit ist nun vorbei!"

Ein Besuch bei Hoeneß am Tegernsee mit Blumen und Pralinen, so hieß es einmal, war durchaus hilfreich, einen neuen Vertrag beim FC Bayern zu bekommen. Wer Uli Hoeneß am Samstag beim Schreiten zum Bus beobachtete, der ahnt: Sollten die Münchner auch in dieser Saison ohne Titel bleiben, dann könnte es sein, dass ihn nicht einmal der größte Blumenstrauß und die besten Pralinen der Welt versöhnen können.

Dann wird Hoeneß wohl handeln. Denn dauerhaft Zweiter zu sein, damit kann der Präsident des FC Bayern sich bestimmt nicht anfreunden.

© Süddeutsche.de/hum/luk
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