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FC Bayern: Einzelkritik:Wie im Duplo-Werbespot

Beim 3:1 gegen Dortmund agiert van Buyten staksig, liefern Badstuber und Schweinsteiger eine Slapstick-Einlage und zeigen Ribéry und Robben Balzverhalten. Die Einzelkritik.

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Jörg Butt

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Der FC Bayern setzt seine Serie fort: Beim 3:1 gegen Dortmund gelang den Bayern der zwölfte Pflichtspielsieg in Serie. Zidan hatte die Gäste in der Anfangsphase in Führung gebracht, dann drehten van Bommel, Robben und Gomez das Spiel. Die Münchner in der Einzelkritik.

Jörg Butt Der Torhüter steht gewöhnlich nicht im Verdacht, arrogant zu sein - auch wenn er kürzlich einen Elfmeter arg lässig verschoss. Beim Gegentreffer ohne Chance, danach allerdings zwei Mal zu zögerlich beim Herauslaufen. Hielt sich zunächst mit Freiübungen warm, sah kurze Zeit später ein, dass dies völlig unnötig ist, weil vor ihm ja Demichelis und van Buyten agierten und ihm immer wieder Arbeit verschafften. Zeigte in diesen Szenen eine extrem kurze Reaktionszeit und perfekte Hand-Augen-Koordination, war in anderen Situationen abgebrüht und seelenruhig. In seinem Fall wäre der Begriff "arrogant" als Lob zu verstehen.

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Philipp Lahm

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Philipp Lahm

Steht gewöhnlich nicht in Verdacht, arrogant zu sein - auch wenn er kürzlich ein recht aufsässiges Interview in einer großen Tageszeitung gab. Scheint sich derzeit ein wenig unsicher zu sein, ob er angesichts von Schweinsteiger und Robben vor ihm überhaupt noch Vorstöße in die gegnerische Hälfte wagen soll. Wirkt deshalb unauffälliger als noch vor wenigen Monaten, defensiv allerdings derart solide, dass Louis van Gaal für ihn den Begriff "fehlerfrei" lernen sollte.

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Daniel van Buyten

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Daniel van Buyten

Wollte nach fünf Minuten wohl auch einmal auf der Linie klären, wie es zuvor schon Demichelis und van Bommel tun mussten. Die Art allerdings, wie er den Ball gegen Torschütze Mohamed Zidan verlor, könnte ihn in Verdacht bringen, arrogant zu sein - oder Probleme bei der Augen-Fuß-Koordination zu haben. Lieferte später ein Argument für Letzteres, als er einen für Gomez vorgesehenen Ball ungefähr 30 Meter am Empfänger vorbeischlug. Gegen den quirligen Zidan häufig ungelenkt. Für ihn könnte Louis van Gaal bald den Begriff "staksig" verwenden.

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Martin Demichelis

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Martin Demichelis

Steht gewöhnlich nicht in Verdacht, arrogant zu sein - auch wenn er im Laufe der Hinrunde mal recht forsch seine Reservistenrolle beklagte. Klärte nach drei Minuten auf der Linie. Verlor zehn Minuten später den Ball ähnlich dusslig wie zuvor van Buyten - hatte jedoch Glück, dass Lucas Barrios nicht so schnell war wie Zidan zuvor. Lieferte sich dann ein Duell mit van Buyten, wer die meisten Unachtsamkeiten und Stellungsfehler begeht. Schaffte es in den zweistelligen Bereich, unterlag dennoch deutlich. Für ihn muss Louis van Gaal das Wort "Unsicherheitsfaktor" in seinen Wortschatz aufnehmen.

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Holger Badstuber

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Holger Badstuber

Dieses Spiel war eine Bewerbung Badstubers (im Bild links) um einen Posten in der Innenverteidigung - was allerdings weniger an seiner Leistung lag als am Auftreten von Demichelis und van Buyten. Hat ähnlich wie Lahm das Problem, nicht genau zu wissen, ob und wann er offensiv aktiv werden soll. Seine auffälligste Aktion war die Slapstick-Einlage mit Schweinsteiger, als beide mit dem Ball an der Seitenlinie standen und einwerfen wollten. Entschied dieses Duell für sich und durfte den Einwurf ausführen. Sollte bald wieder den Beinamen "Innenverteidiger" tragen.

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Mark van Bommel

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Mark van Bommel

Es hat beim FC Bayern in dieser Saison Tradition, dass bei unansehnlichem Spiel meist einer trifft, zu dessen Primärqualität nicht die Torgefahr gehört. Diesmal war es van Bommel, der über den Erfolg seines 25-Meter-Schussversuchs ebenso verdutzt war wie der Dortmunder Torhüter. Erneut stark im Zusammenspiel mit Schweinsteiger, hielt den Offensivkräften den Rücken frei und stopfte bei deren künstlerischen Pausen sämtliche Löcher. Obwohl Louis van Gaal des Englischen mächtig ist, wird er ihn wohl nicht als "aggressive leader" bezeichnen - "Kapitän" reicht vollkommen.

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Bastian Schweinsteiger

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Bastian Schweinsteiger

War der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des FC Bayern: stets unterwegs, immer anspielbar und auffällig zweikampfstark. Hat in den vergangenen Monaten ein erstaunliches Timing dafür bekommen, in welchen Situationen er Präsenz zeigen muss und in welchen er sich zurückzunehmen hat. Spielt weniger trickreich und mit weniger Schnörkeln als noch im vergangenen Jahr, was ihn umso effektiver macht. Zeigte wie schon gegen Mainz seine Kopfball-Qualitäten, traf jedoch nur die Latte. Daneben allerdings immer wieder mit schlampigen Zuspielen und unnötigen Ballverlusten, die den Verdacht erhärten, dass Louis van Gaal mit seinem Arroganz-Vorwurf vor allem ihn gemeint haben könnte.

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Arjen Robben

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Arjen Robben

War in der ersten Halbzeit verblüfft, dass Franck Ribéry immer wieder auf seiner Seite auftauchte. Lief deshalb hin und wieder auf Ribérys Seite. Ein schönes Dribbling von Ribéry konterte er mit einem kniffligen Solo, einen Übersteiger des Franzosen mit einem Hakentrick. Bisweilen hatte es den Eindruck, die beiden wären die balzenden Figuren aus dem Duplo-Werbespot, die ein hübsches Mädchen beeindrucken wollen. Als die beiden dann zum ersten Mal miteinander kombinierten - das war in der 50. Spielminute - fiel auch schon das 2:1. Herzte sich danach derart rührend mit Ribéry, dass wohl jedes Mädchen im Stadion dahinschmolz.

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Thomas Müller

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Thomas Müller

Seinen Stellenwert derzeit erkennt man daran, dass er trotz der Rückkehr von Ribéry in die Startelf immer noch von Beginn an spielen darf - Olic saß zunächst auf der Bank und kam dann auch nicht für Müller, sondern für Ribéry. In der ersten Halbzeit der unauffälligste Offensivspieler des FC Bayern, was angesichts der Mitspieler Robben, Ribéry und Gomez nicht als Kritik zu werten ist. Hat das Problem, dass in ihm das Platzhirsch-Gen nicht so stark ausgeprägt ist und er sich nicht lautstark beschwert, wenn er nicht bei den Spielchen von Robben und Ribéry mitmachen darf. Dürfte bei der derzeitigen Wertschätzung durch van Gaal keine Probleme haben, dieses Gen in sich zu entdecken.

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Franck Ribéry

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Franck Ribéry

Gewann das Dezibel-Duell gegen Arjen Robben bei der Vorstellung der Startelf. Als er zum ersten Mal den Ball berührte, brandete Jubel auf, als hätte der FC Bayern das 3:0 erzielt. Drei Sekunden später war der Jubel vorbei, Ribéry hatte den Ball verloren. Danach laufstark, trickreich und torgefährlich (sogar per Kopf) - und wortgewandt im Umgang mit den Kollegen: schimpfte mit Gomez, legte den Arm um Müller, dirigierte Schweinsteiger. Bereitete das Tor von Robben derart geschickt vor, dass Louis van Gaal tatsächlich einmal davon sprechen darf, dass eine "Chance kreiert" wurde.

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Mario Gomez

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Mario Gomez

Es gibt wohl kaum einen Stürmer in der Bundesliga, der beim Vergeben von Torchancen derart unglücklich wirkt wie Mario Gomez. Bringt sich immer wieder geschickt in Positionen, in denen er ein Tor erzielen könnte - und wirkt dann bisweilen hastig und ungelenk, dass Louis van Gaal bestimmt schon überlegt hat, ihm den Beinamen "Chancen-Entkreierer" zu geben. Hat jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Stürmern die Fähigkeit, sich genau in dem Moment, in dem 69.000 Menschen in der Arena die Hoffnung auf einen Treffer haben, gekonnt durchzusetzen und den Ball abgeklärt ins Tor zu schieben.

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Ivica Olic

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Ivica Olic (im Bild) Kam in der 70. Minute für Ribéry, führte sich sogleich mit einem Spurt und einem aggressiv geführten Zweikampf ein. Versuchte, die kompletten 20 Minuten zu spurten, was ihm fast gelang. Bei ihm darf sich Louis van Gaal aussuchen, ob er den Begriff "Dauerbrenner" oder "Nähmaschine" verwenden möchte.

Hamit Altintop Kam neun Minuten vor dem Ende für Arjen Robben. Konnte keine Argumente für mehr Spielminuten in den nächsten Partien liefern.

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