FC Bayern in der Einzelkritik:Ganz Pilsen hilft Sadio Mané

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(Foto: Robin Rudel/Imago/Sportfoto Rudel)

Der Stürmer macht Fortschritte bei seiner Formsuche, Goretzka zeigt, dass er führen kann - und de Ligt bekommt den Frust der Tschechen ab. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Felix Haselsteiner

Manuel Neuer

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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Konnte vor dem Spiel einige Jahre in seinem Champions-League-Tagebuch zurückblättern und sich an einen Oktoberabend im Jahr 2013 erinnern, als der FC Bayern Viktoria Pilsen 5:0 besiegte. Durfte damals noch Diego Contento sagen, wo er hinlaufen soll, Mario Götze zu seinem Tor beglückwünschen und zwischendurch mit Pep Guardiola fachsimpeln. Bälle musste er nicht halten, und während sich die Besetzung in den vergangenen neun Jahren verändert hat, liegt darin eine Konstante: Neuer konnte auch am Dienstag friedlich sein Tagebuch durchblättern, während er das Tor hütete.

Noussair Mazraoui

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(Foto: Christof Stache/AFP)

Beginnt inzwischen, sich auf der rechten Seite einen Arbeitsplatz mit Benjamin Pavard zu teilen, ganz so, wie das in der modernen Arbeitswelt vorgesehen ist. Wurde von Pilsens Außenspielern allerdings so selten geprüft, dass sich kaum eine Aussage darüber treffen lässt, ob er demnächst auch in den bedeutenden Spielen beginnen darf - wo bislang Pavard den Vorzug erhielt.

Dayot Upamecano

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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Hätte sich über weite Strecken des Spiels auch zu Neuer ins Tor stellen können, um sich Geschichten von früher anzuhören. Hatte so wenig zu tun, dass er sich sichtlich über jede Gelegenheit freute, seine neue Paradedisziplin "lange Schnittstellenpässe" vorzuführen. Tat das mit Bravour, durfte dann ein paar Minuten früher raus, um sich für das Dortmund-Spiel am Samstag zu schonen.

Matthijs de Ligt

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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Verbrachte eigentlich einen ähnlich entspannten Abend wie sein Nebenmann in der Bayern-Innenverteidigung, musste sich aber Mitte der ersten Halbzeit damit abfinden, dass der tschechische Stürmer Tomáš Chory beschloss, seinen Frust über das frühe 0:3 ausgerechnet am weitgehend unschuldigen de Ligt auszuleben. Verkraftete aber auch den Tritt gegen die Brust gut und verteidigte sicher und solide.

Alphonso Davies

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Spurtete in der ersten Halbzeit so freudig von hinten nach vorne und von vorne nach hinten, als habe Julian Nagelsmann ihm bereits vor dem Spiel verraten, dass er nur 45 Minuten Zeit haben würde, um sein Auslaufprogramm zu absolvieren. Wurde zur Halbzeit aus Schonungsgründen ausgewechselt, davor vollbrachte er Einzigartiges: Nahm einmal einem Pilsener im Strafraum der Bayern den Ball ab, was eigentlich zu seinen Kernkompetenzen als Verteidiger zählt, aber an diesem Abend fast schon eine sensationelle Meldung war.

Ryan Gravenberch

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(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Hatte gegen Viktoria Köln im Pokal sein Startelfdebüt gegeben und komplettierte daher am Dienstag das sogenannte Viktoria-Double, indem er auch gegen Pilsen von Anfang an spielte. Spielte umsichtig, ergänzte sich gut mit Leon Goretzka, der den etwas offensiveren Part spielen durfte und machte an einem Abend, an dem man wenig falsch machen konnte, vieles richtig. Wird gegen Dortmund wohl nicht in der Startelf stehen, darf sich aber berechtigte Hoffnungen auf das Viktoria-Triple in der kommenden Woche machen.

Leon Goretzka

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(Foto: Imago/ActionPictures)

Von Nagelsmann vor dem Spiel als ein Spieler bezeichnet, "der führen kann". Tat dies von seiner zentralen Mittelfeldposition aus in altbekanntem Stil: Der FC Bayern führte ab der siebten Minute, Goretzka ab der ersten. Körperlich robust und immer wieder mit Drang in den Strafraum, also in der Rolle, die er demnächst auch wieder neben Joshua Kimmich spielen wird. Eroberte zahlreiche Bälle von Pilsener Spielern und führte auch, indem er sich als Bedienungshilfe für Serge Gnabry und Eric Maxim Choupo-Moting zeigte, den beiden ihre Tore vorlegte und so für gute Stimmung sorgte.

Jamal Musiala

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(Foto: Matthias Schrader/AP)

Ein 5:0 am dritten Spieltag der Champions League ist normalerweise eine hervorragende Gelegenheit für talentierte 19-Jährige, Spielpraxis bei den Großen zu sammeln und sich im "echten Fußball" zurechtzufinden. Musiala allerdings hat mit gemeinen 19-Jährigen ungefähr so viel zu tun wie ein Pilsener Bier mit einer Oktoberfest-Maß, weshalb er eine Halbzeit lang das Bayern-Spiel in der Offensive diktierte und sich dann auf die Bank setzte, um sich für das Topspiel am Wochenende zu erholen. Wie ein ganz Großer das eben so macht.

Leroy Sané

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(Foto: Eduard Martin/Imago/Jan Huebner)

Bildet mit Musiala ein Duo, das sich nicht nur in der Schuhfarbe einig ist, sondern auch in fast allen anderen Belangen auf dem Spielfeld. Spielte in der siebten Minute einen Doppelpass mit seinem Kopiloten und fand danach zwischen umher streunenden Pilsnern so viel Platz vor als wäre er im Englischen Garten unterwegs und nicht in der Arena. Nutzte seinen Platz zu einem kleinen Lauf in Richtung Tor und einem herrlichen Abschluss, der den klaren Sieg einleitete. Verwertete in der 50. Minute in Ermangelung von Jamal Musiala ein Zuspiel von Sadio Mané zum 4:0.

Sadio Mané

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(Foto: Robin Rudel/Imago/Sportfoto Rudel)

Leitete den Bayern-Sieg in der ersten Minute mit einer sogenannten Mentalitätsgrätsche ein, mit der er einem schockierten Pilsener Außenverteidiger namens Libor Holik einen Vorgeschmack auf dessen Arbeitstag gab. Mané bekam wie immer besonders viel Zustimmung von den Zuschauern (frenetischen Jubel für die Grätsche etwa sowie den Versuch eines Selfies durch einen Flitzer) und irgendwann beschlossen auch die tschechischen Verteidiger, dass sie dem Münchner Zugang bei seiner Suche nach der Form behilflich sein wollten. Zum Beispiel, als sie ihm in der 21. Minute in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit eine Vorlage zum 3:0 lieferten.

Serge Gnabry

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(Foto: Imago/ActionPictures)

Kennt sich mit schönen Plätzen aus und weiß daher natürlich, wo man in der Fröttmaninger Arena hinlaufen sollte, wenn man ein Tor erzielen möchte. Quer zum Laufweg von Leon Goretzka, wenn der eine Anspielstation im Strafraum sucht, war etwa eine gute Idee vor dem 2:0, Gnabrys erstem Tor in dieser Champions-League-Saison. Freute sich danach so sehr, dass er sich einen der gemütlichsten Plätze suchte: Goretzkas breite Schultern, auf denen man offenbar herausragend jubeln kann.

Einwechselspieler

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(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Josip Stanisic kam zur Halbzeit für Alphonso Davies und machte sein bestes Saisonspiel, was sicherlich mit einem sehr schwachen und schon geschlagenen Gegner zu tun hatte. Allerdings auch damit, dass er sich offensiv viel zutraute.

Eric Maxim Choupo-Moting (im Bild) hatte es in dieser Saison bisher nicht leicht, aufgrund von Verletzungen und unangenehmen Spielen, in denen er in der Schlussphase kurz auf den Platz kam und diesen dann erschreckend oft nicht als Sieger verließ. Pilsen war daher der perfekte Gegner, denn Choupo-Moting hatte es ausgesprochen leicht, erzielte nach perfektem Goretzka-Zuspiel das 5:0 und ging als einer der Gewinner des Spiels nach Hause - vor allem in puncto Selbstvertrauen.

Mathys Tel kam für Sané aufs Feld und spielte als 17-Jähriger die oben skizzierte Rolle, in der er jede Minute genießt, die er bei den Großen mitspielen darf. Benjamin Pavard durfte sich für ein paar Minuten in der Innenverteidigung ausprobieren, Marcel Sabitzer ersetzte Goretzka, ein Mangel an Führungsstärke war dem FC Bayern unter seiner Regie nicht anzumerken.

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