FC Bayern in der Einzelkritik:Gnabry und Tolisso verbessern ihre Verhandlungsposition

Lesezeit: 5 min

Im Vertragspoker überzeugen beide Spieler, Kingsley Coman erinnert sich an Tipps von Jupp Heynckes und Manuel Neuer stellt einen Bundesligarekord seines Chefs ein. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Von Martin Schneider

Manuel Neuer

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(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Besitzt schon ein paar Bundesligarekorde (unter anderem die meisten Zu-Null-Spiele gegen den gleichen Gegner, 17 gegen Hertha BSC, Anm.) aber die Bestmarke, die er mit dem 3:2 gegen Leipzig aufstellt, ist nochmal eine Erwähnung wert: Neuer ist nun der Bundesliga-Spieler mit den meisten Siegen. Durch Nummer 310 zieht er mit Oliver Kahn gleich. Und da der FC Bayern vermutlich bis Saisonende noch ein Spiel gewinnen wird, wird er bald auch alleiniger Rekordhalter sein. Ihm auf den Fersen ist Thomas Müller (siehe dort), dessen Zähler nun bei 296 steht - um den Rekord zu halten, sollte sich Neuer also hauptsächlich nicht schwerer verletzen.

Zeigte gegen Leipzig, dass er des Titels würdig ist, Dani Olmo scheiterte früh zweimal an Neuers Reflexen (Foto), beim ersten Gegentor war er machtlos, beim zweiten schoss ihm Nkunku respektlos durch die Beine. Revanchierte sich mit einer Parade gegen einen Szoboszlai-Schuss und hielt einen Forsberg-Nachschuss fest. Die meisten Bundesliga-Siege als Spieler und Trainer hat übrigens Jupp Heynckes mit 518 - man braucht ja noch Ziele im Leben.

Benjamin Pavard

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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Sah beim zwischenzeitlichen 2:2 unglücklich aus, weil ihm Christopher Nkunku ganz klassisch entwischte. Ein Argument zu seiner Verteidigung: Leipzig hatte den Ball frei im Mittelfeld, in der Situation kann man als Abwehrspieler nur noch reagieren. Pavard reagierte aber falsch. Und auch beim ersten Leipziger Gegentor (Foto) war er nicht an der Stelle, um einen Ball abzuwehren, wobei auch hier gilt: Da sieht man als Abwehrspieler schnell mal nicht gut aus.

Niklas Süle

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(Foto: MIS/Imago)

Was für eine Woche. Musste sich einiges anhören, vor allem von seinem Ex-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der ihn via Sport-Bild einen "brauchbaren" Spieler nannte, der sich "nie wirklich durchgesetzt" habe. Nicht nur angesichts von mittlerweile 159 Spielen für den FC Bayern könnte man darüber diskutieren, fest steht allerdings, dass Süle den Klub im Sommer verlassen wird. Es hätte "bestimmte Limitierungen" gegeben, sagte Vorstandschef Oliver Kahn vor dem Spiel und präzisierte, dass es "auch ums Geld" gegangen sei. Das hätte natürlich niemand erwartet.

Gegen Leipzig spielte Süle ganz brauchbar in der Abwehrzentrale, spielte dabei zwei bis drei mehr als brauchbare Pässe nach vorne. Sah beim ersten Gegentor ein bisschen unglücklich aus, als er den Ball noch von der Linie kratzen wollte, aber da kann man ihm nur dann wirklich einen Vorwurf machen, wenn man ihm absichtlich etwas nachsagen will. Verhinderte dafür mit seinem breiten Kreuz gegen Forsberg mutmaßlich das 3:3. Julian Nagelsmann meinte vor dem Spiel übrigens so deutlich, wie man das als Bayern-Trainer gerade so sagen kann, dass er Süle gerne behalten hätte.

Lucas Hernandez

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(Foto: Markus Fischer /Passion2Press/Imago)

Unauffällige Leistung des Verteidigers, bei dessen Transfer (80 Millionen Euro Ablöse) es keine "Limitierungen" gab. Aber da gab es ja auch noch keine Corona-Krise. Holte sich bei einem taktischen Foul früh (22. Minute) Gelb ab und ging vermutlich auch deswegen früh vom Feld. Für ihn kam Dayot Upamecano.

Joshua Kimmich

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(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Bekam unter der Woche öffentlichkeitswirksam von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) das Angebot, sich von ihm impfen zu lassen, und weil Kimmich - völlig überraschenderweise - keine Lust auf noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit rund um seinen Impfstatus hat, ging er bisher auf dieses Angebot nicht ein. Groovt sich auf dem Platz langsam wieder ein, sammelt Ballkontakte und Kilometer, vor dem 2:2 nicht ganz glücklich, aber insgesamt ein solides Spiel.

Corentin Tolisso

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(Foto: Sascha Walther/Eibner/Imago)

Nach Süle der zweite von drei Spielern (siehe Serge Gnabry), der gerade im Zentrum von Vertragsspekulationen steht. Bei Tolisso war es ja so, dass der Klub erst unausgesprochen nicht so viel gegen einen Abschied gehabt hätte und nun, nach ein paar starken Leistungen, unausgesprochen nichts gegen eine Verlängerung hätte. Man sei "in Gesprächen", sagte Kahn, aber es gehörten "immer zwei dazu". Verbesserte gegen Leipzig erneut seine Verhandlungsposition. Starker Ballgewinn vor dem 1:0, sehr schöner Pass vor dem 2:1 - verlor streng genommen den Ball vor Leipzigs Gegentor, aber das Anspiel von Sané war auch extrem scharf. Insgesamt auffällige Leistung im positiven Sinne.

Serge Gnabry

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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Dritter Spieler im Vertragspoker, im Gegensatz zu Süle und Tolisso läuft sein Kontrakt aber bis 2023. Gnabry, davon kann man ausgehen, wird mitbekommen haben, was dem Klub die Unterschrift von Kingsley Coman ungefähr wert war und sehr wahrscheinlich wird er sich vom Leistungs- und damit auch im Gehaltsniveau auf der Stufe des Franzosen sehen. Ausgang der Verhandlungen offen. Lieferte gegen Leipzig jedenfalls keine Gründe, ihn schlechter zu behandeln. Aggressives Pressing, gute Ballgewinne, gute Abschlüsse, belohnte sein engagiertes Spiel (drittmeiste Ballkontakte, ungewöhnlich für Flügelspieler) mit dem Tor zum 3:2, bei dem die Statistiker noch entscheiden müssen, ob sie es Gnabry zuschreiben oder als Eigentor werten.

Thomas Müller

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Auch sein Vertrag (wie der von Neuer und Lewandowski) läuft 2023 aus, aber da sein Pferdehof nachweislich vor den Toren Münchens steht, kann man sich einen Wechsel bei ihm noch schwerer vorstellen. Und gerade läuft auch alles - zeigte erneut eine überdurchschnittliche Leistung, die bei ihm so normal werden, dass man sie streng genommen nicht mehr überdurchschnittlich nennen kann. Erzielte ein Tor, erzielte noch ein aberkanntes Tor (Lewandowski hatte in der Entstehung gefoult) und ging höchst zufrieden vom Feld.

Leroy Sané

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(Foto: Roger Petzsche /Picture Point LE/Imago)

War im 3-2-4-1-System Teil der mutmaßlich offensivsten Viererkette der Welt und hatte wie die anderen Drei die Aufgabe, bei Ballverlusten sofort ins Gegenpressing zu gehen. Früher wäre das ein abenteuerliches Unterfangen gewesen, aber der Sané von heute hat ja in Sachen Verteidigungs-Disziplin nur noch wenig mit dem Sané von früher zu tun. Erlaubte sich außerdem, schon vor Thomas Müllers Tor zu jubeln, was in dem Fall aber okay war (siehe Bild oben).

Kingsley Coman

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(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Falls Jupp Heynckes (der mit den meisten Bundesliga-Siegen) sich das Spiel angeschaut hat, wird er sich über eine Szene sehr gefreut haben. Henyckes, so erzählte es Coman selbst einmal, habe ihm einst geraten, vor dem Flanken Tempo rauszunehmen und erstmal zu schauen, wohin der Ball denn gehen soll. Den Hinweis des Ex-Trainers, Geschwindigkeit gegen Präzision abzuwägen, beherzigt Coman immer noch, perfekt zu sehen vor dem Tor von Robert Lewandowski, als Coman stoppte, schaute - und exakt auf den Kopf des Stürmers flankte.

Robert Lewandowski

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(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Philosophierte unter der Woche über den Wert der beiden Weltfußballerauszeichnungen, den Ballon d'Or (den er nicht gewonnen hat) und den Fifa-Weltfußballer (den er gewonnen hat). Er kam zu der Erkenntnis, dass der Fifa-Weltfußballer die bessere Auszeichnung sei. Da würden schließlich nicht nur Journalisten abstimmen, sondern auch Spieler und Trainer, die wirklich Ahnung hätten. Erzielte gegen Leipzig ein Kopfballtor, dessen Wert auch Journalisten anerkennen.

Einwechselspieler

Jamal Musiala (für Tolisso), Dayot Upamecano (für Hernandez), Marcel Sabitzer (für Müller) und Tanguy Nianzou (für Coman) kamen ins Spiel und nach der Partie erklärte Nagelsmann, er habe einfach niemanden aus der Startelf nehmen wollen. Keine gute Zeit für Ergänzungsspieler.

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