Bayern in der Einzelkritik:Kimmichs Kopf wird Hoeneß-rot

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(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Der Nationalspieler moniert das harte Freiburger Spiel, Serge Gnabry zeichnet sich als Joker aus und Leon Goretzka zeigt wieder Muskeln - doch am Ende schaut jeder auf eine Einwechslung. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Martin Schneider

Manuel Neuer

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(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Alter Hase des Geschäfts, weswegen er natürlich weiß, dass Ausflüge nach Freiburg nicht vergnügungssteuerpflichtig sind. Allerdings: Im neuen Europa-Park-Stadion hat er noch nicht gespielt und dass er einen Torwart auf der anderen Seite erst bei der Nationalmannschaft und dann direkt in der Bundesliga wiedersieht, kommt auch nicht so oft vor - doch dass Mark Flekken nun auch niederländischer Nationalschlussmann ist, sagt ein bisschen was über die Entwicklung beim SC Freiburg aus.

War dem Gegner angemessen hochkonzentriert, vor allem bei Ecken, die beim Sportclub bekanntlich besonders gefährlich sind. Beim Gegentor durch Nils Petersen machtlos. Wenn Petersen eingewechselt wird, trifft er - so will es das Gesetz, da kann auch ein Welttorhüter nichts machen.

Und: Auch er als alter Hase hat er noch nie zwölf Mann auf dem Feld gesehen (siehe Einwechselspieler).

Benjamin Pavard

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(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Bildete mit seinen Landsleuten Nianzou, Upamecano und Hernandez "la défense" die französisch-bajuwarische Verteidigungskette. Musste wieder als Rechtsverteidiger auflaufen und wird deswegen vielleicht die Gerüchteküchenmeldungen um den Ajax-Spieler Noussair Mazraoui gelesen haben, an dem der FC Bayern angeblich interessiert sein soll. Der ist Rechtsverteidiger, was für Pavard aber weniger Konkurrenz als vielmehr Hilfe wäre, da ja im Sommer nach dem Weggang von Niklas Süle ein Rechtsfuß-Platz in der Innenverteidigung frei würde. Spielte auf seiner ewigen Zweit-Position gegen Freiburg aber gar nicht schlecht, erneut mit der ein oder anderen spektakulären Rettungsgrätsche.

Tanguy Nianzou

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(Foto: HEIKO BECKER/REUTERS)

Wurde in der zweiten Halbzeit von Christian Günter so rustikal weggegrätscht, dass sich Joshua Kimmich (siehe dort) zu einer Schmipftirade zu Nianzous Verteidigung veranlasst sah. Durfte wegen Süles Verletzung wieder starten und zeigte sich souverän. Sieht vor allem im Vergleich zu seinem Nebenmann Upamecano ein wenig schmalbrüstig aus, hat aber augenscheinlich eine sehr gute Ballbehandlung und beherrscht auch die Kunst des öffnenden Passes.

Dayot Upamecano

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(Foto: Thomas Kienzle/AFP)

Hat gerade einen schweren Stand beim FC Bayern, weil viele Beobachter von "Abwehrproblemen" sprechen und damit unausgesprochen ihn meinen. Der Punkt ist: Er liefert auch einfach in jedem Spiel Angriffspunkte. Erlaubt sich regelmäßig Fehlpässe, die man sich als erster Aufbauspieler besser nicht erlauben sollte. Vor dem Freiburger Ausgleich verließ er das Zentrum, gewann nicht den Ball und fehlte dann, um Nils Petersen zu stören. Gut für ihn: Bereitete Comans 3:1 mit einem sehr schönen langen Pass vor.

Lucas Hernandez

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(Foto: Thomas Kienzle/AFP)

Machte eines seiner besten Bayern-Spiele in jüngster Vergangenheit, was definitiv auch daran lag, dass Freiburg die Partie zum Kampfspiel erhob und Hernandez Kampfspiele liebt. Fightete und ackerte sich über die linke Seite, viel ging über ihn. Fand mehrmals mit guten Pässen Kingsley Coman und in der zweiten Halbzeit dann Serge Gnabry, der seinen Pass in ein Tor verwandelte.

Joshua Kimmich

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(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Verpasste zwei Länderspiele, weil seine Frau das dritte Kind erwartete - aber der Nachwuchs ist immer noch nicht da. Hat eine gute Beziehung zu Hansi Flick, sonst würde der Bundestrainer vielleicht mal kritischer nachfragen, warum er eine Reise zur Nationalmannschaft nicht riskieren kann, einen Ausflug nach Freiburg aber schon.

Statt zu Hause zu warten, wurde er von Christian Günter und Nicolas Höfler direkt mit zwei saftigen Bodychecks begrüßt, die Freiburger hatten es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht, gerade ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen. Hatte die beste Bayern-Chance der ersten Halbzeit, weil er eine Ecke direkt auf den kurzen Pfosten zog.

Im Laufe der zweiten Halbzeit nahm sein Kopf immer mehr die Farbe "Hoeneß-Rot" an, weil er mit der Freiburger Härte nicht einverstanden war. Vollends eskalierte er nach einer Grätsche von Günther gegen den jungen Nianzou. Feierte nach Gnabrys Tor ausgelassen.

Leon Goretzka

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(Foto: Gerd Gruendl/Beautiful Sports/Imago)

Da spielt man fast vier Monate nicht und dann muss man sich auch noch im Schneeregen von Christian Streich anschreien lassen. Auslöser war ein Foul von Goretzka an Roland Sallai, was den Freiburger Trainer dazu veranlasste, sein emotionales Gemüt auszuleben. Thomas Müller (siehe dort) musste zu Hilfe kommen.

Goretzka stand ein bisschen überraschend direkt in die Startelf. Nach seiner langwierigen Knieverletzung direkt gegen zweikampflustige Freiburger zu starten - schwierig. Kam zunächst auch nicht so richtig ins Spiel, versuchte mal einen Scherenschlag, aber alles in allem sah man ihm die viermonatige Pause schon an. Gut, alles andere wäre auch seltsam gewesen. Wurde in der Halbzeit überraschenderweise auch nicht ausgewechselt - und das lohnte sich. Antizipierte eine Kimmich-Freistoßflanke korrekt, köpfte das 1:0, reckte die muskulösen Arme zu den Seiten und feierte mit den Fans im Auswärtsblock. Durfte dann in der 61. Minute in den Feierabend. Direkt danach fiel der Ausgleich.

Kingsley Coman

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(Foto: Thomas Kienzle/AFP)

Beherrscht normalerweise einen einfachen, aber kaum zu verteidigenden Trick: Er legt den Ball am Gegenspieler vorbei und läuft einfach hinterher. Und weil er schneller ist als nahezu jeder Verteidiger, ist das aus seiner Sicht nur allzu verständlich. Das Problem: Freiburg stand zunächst so tief, dass er den Ball ins Toraus legen musste. Es war einfach kein Platz. Darum war es kein Zufall, dass er erst zum 3:1 traf, als der Gegner ein bisschen aufmachen musste.

Thomas Müller

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(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Lieferte sich ein Wortgefecht mit Christian Streich, weil der Leon Goretzka (siehe dort) nach einem Foul beschimpfte und eigentlich ist so ein Streit Müller-Streich ein Dialog, den man gern überliefert hätte. Vielleicht erzählt es mal irgendwer irgendwann. Ansonsten spielte Müller in diesem Spiel keine so große Rolle, was verwunderlich war, weil Müller normalerweise immer dann gut ist, wenn das Spiel kompliziert wird.

Leroy Sané

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(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Oft unzufrieden, weil das Spiel meist nicht über die rechte Seite (seine) ging, sondern über die linke (nicht seine). Zuweilen mit lässigen Ballverlusten und nach vorne ohne entscheidende Aktion. Nicht sein Spiel.

Robert Lewandowski

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(Foto: Thomas Kienzle/AFP)

Eigentlich gibt es im Fußball das Gesetz: Vor dem Spiel nicht über mögliche Schwachstellen sprechen. Aber es wusste ja eigentlich eh jeder, dass Robert Lewandowski bei der polnischen WM-Qualifikation einen Schlag auf die Brust bekommen hatte. "Ich hoffe, er kriegt keine Schläge Richtung Rippe", sagte Julian Nagelsmann noch vor dem Spiel. Wenn es der Gegner dann trotzdem macht, dann wäre das natürlich nicht die feine Art - aber Fußball ist ein hartes Spiel.

Gezielte Stöße gegen seinen Brustkorb waren dann zwar nicht zu erkennen, was aber auch daran lag, dass die Freiburger gefühlt jeden Bayern-Spieler sehr hart bearbeiteten. Lewandowski wurde etwa so Mitte der ersten Halbzeit mal von Maxi Eggestein an der eigenen Strafraumkante gefoult, wohin er zurückgeeilt war, weil vorne nichts ging. Musste nach gut einer Stunde vom Feld - war wohl nicht zu einhundert Prozent fit

Serge Gnabry

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(Foto: ActionPictures/Imago)

Durfte es als kleinen Misstrauensbeweis empfunden haben, dass er schon wieder nicht starten durfte. Da hilft es natürlich in eventuellen Gesprächen mit dem Trainer, wenn man nur Sekunden nach der Einwechslung das wichtige 2:1 schießt.

Marcel Sabitzer

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(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Erzielte sein erstes Tor für den FC Bayern.

Einwechselspieler

... könnten das Spiel komplett auf den Kopf stellen. Denn der FC Bayern spielte kurzzeitig mit zwölf Mann, nachdem Niklas Süle und Marcel Sabitzer das Feld betraten, verließen offenbar nicht zwei Spieler (Coman und Corentin Tolisso) selbiges. So sagten es jedenfalls die Freiburger nach dem Spiel. Welche Konsequenzen das haben könnte, war zunächst unklar.

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