FC Bayern in der Einzelkritik:Nianzou bricht fast in Tränen aus

Lesezeit: 4 min

Bayerns Franzose verletzt einen Bielefelder schwer am Kopf. Kimmich glänzt als Herr der Chipbälle und Gnabry schickt Ostergrüße in eigener Sache. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp

Manuel Neuer

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(Foto: Ina Fassbender/AFP)

"Zu Ostern kann man sagen, Auferstehung wäre ganz gut", sagte sein Trainer Nagelsmann vor dem Anpfiff. Damit war das Thema gesetzt. Ähnliche Ansichten vertrat bekanntlich einer von Neuers Vorfahren im Bayern-Tor ("Eier, wir brauchen Eier"). Wunderte sich über die Tücken des Bielefelder Windes, der ihm im Gegenlicht manches Nachfassen abverlangte. Fischte einen Kopfball von Prietl humorlos von der Linie, da wurde es schon brenzliger. Verbrachte die zweite Hälfte im Schatten und damit im doppelten Sinne weitgehend unbehelligt - hatte Zeit, sich ebenso gute Sprüche wie einst Oliver Kahn zu überlegen.

Benjamin Pavard

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(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Ihm täte insbesondere eine Auferstehung beim Thema Flanken gut. Zu oft segeln sie immer noch durchs Halbfeld, als stammten sie von einem seiner Vorfahren, dem weltberühmten Franzosen William Sagnol. Interpretierte seine Position auf rechts sehr offensiv, als wolle er noch einmal die Chance zum Flankentraining nutzen. Gelangte dennoch nie ganz in die Tiefe und beließ es beim Anschub von jenseits der Mittellinie. Doch eigentlich liegt die Passion Pavards ohnehin im Abwehrzentrum - kommende Saison dürfte sein Platz eher dort sein.

Dayot Upamecano

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(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Passion, gutes Stichwort auch bei ihm. Hat sich in dieser Saison schon das ein oder andere Ei selbst ins Nest gelegt und ist für einen Abwehrchef mitunter ein bisschen zu still. Auf der Alm dann nicht nur still, sondern auch etwas zu gemächlich unterwegs, was auffällig enge Laufduelle mit einem Österreicher namens Patrick Wimmer zur Folge hatte. Mit dem Ball am Fuß aber immer wieder ein effektiver Raumgewinner. Es wirkte manchmal sogar, als könne er mit dem Leder bis zum Petersdom durchbrennen.

Tanguy Nianzou

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(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Dritter Franzose hinten drin, daher an dieser Stelle der Hinweis, was Osterhase überhaupt auf Französisch heißt: lapin de Pâques. Bewies, dass er kein Zauberer im Spielaufbau ist und leider auch etwas hüftsteif in manchen Aktionen. Hatte eine kritische Phase vor der Halbzeit, als er gegen Okugawa tatenlos fast dem 1:1 beiwohnte (der VAR verhinderte dies) und dann Kunze mit seinem Ellbogen beim Luftduell ausknockte. Extrem ungelenk sah das aus, über Rot hätte er nicht klagen dürfen - der Bielefelder musste schwer benommen runter. Dass Nianzou erst 19 ist, merkte man daran, dass er fast in Tränen ausbrach. Tat ihm arg leid, dieser Ellenbogeneinsatz. Verdaute den Schock zur Pause in der Kabine, wurde ausgewechselt.

Alphonso Davies

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(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Ist nach gesicherten Erkenntnissen weder Franzose noch der Osterhase. War gegen Villarreal nach seiner späten Einwechslung ins Unglück gehoppelt, als sein Abseits-Stellungsfehler den K. o. der Bayern bedeutete. Gegen Bielefeld mit offensiver Wiedergutmachung, als er über links reichlich Meter machte. Ist ohnehin auffällig inselbegabt: Vorne dank seiner Leichtfüßigkeit wirklich kaum zu stoppen, hinten mitunter windschief postiert. Brachte einen Flatterball um ein Haar im Winkel unter - mit rechts. Ja, mit rechts!

Joshua Kimmich

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Blieb kürzlich auch nicht ganz unverschont von der Kritik, weil er das Münchner Nest in der Spielfeldmitte nur leidlich beschützen konnte. Diesmal in der Defensive deutlich weniger gefragt, dafür als Herr des Chipballs im Einsatz und als solcher recht erfolgreich, siehe Vorlage zum 1:0 und zu Gnabrys 2:0 - seine Torvorlagen elf und zwölf in dieser Spielzeit. Wehrte einen Bielefelder Volleypass (eher Gewalt -als Chipball!) frontal mit dem Gesicht ab und schüttelte sich kurz. Holte sich Gelb ab, weil er Prietl umsenste - immerhin wurde so das Nest nicht beschmutzt.

Leon Goretzka

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Sein Spiel lebt von körperlicher Fitness, von weiten Wegen und langen Schritten - und wer so spielt, der findet auch die Ausfahrt nach Bielefeld, obwohl es diese Stadt ja gar nicht gibt. Kurvte durch die Frühlingssonne und hatte eine Schusschance, als er Ortega zentral anvisierte. Wagte sich wie immer bis ins vorderste Zentrum, doch dort erreichte ihn nichts Brauchbares. Ist noch nicht der überpräsente Goretzka, der alles wegwalzt, aber er braucht solche Partien, um seine Physis zurück zu erlangen.

Marcel Sabitzer

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(Foto: Friso Gentsch/dpa)

War in Leipzig einer für jede Lage, doch München wartet noch auf seine Wiederauferstehung, nachdem er irgendwie nie so recht rein fand in diese Saison. Tauchte einmal vor Ortega auf, den er aber per Grätsche nicht überwinden konnte. Im Mittelfeld mit wenig Glanz und kaum nennenswerten Aktionen. Wenn er den Ball hatte, gab er ihn schnell weiter - wo sind eigentlich jene Kraftmärsche, die man früher von ihm sah?

Thomas Müller

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(Foto: Martin Meissner/AP)

Würde mit dem Osterhasen ein schlagkräftiges Duo abgeben. Beide rennen ja gerne unvermittelt in irgendwelche Lücken oder Vorgärten. Genoss den Ausflug auf die Alm, wo er munter durch die Gefilde kreuzte. Schlich und schlenderte, war immer irgendwo dabei, ohne den einen großen Moment. Könnte in Kürze seinen Vertrag verlängern, wie Oliver Kahn zu Ostern offenbarte.

Serge Gnabry

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Rennt auch gerne, hat ja alles andere als Hasenfüße und kann Bälle überall hinzwirbeln - wenn er die Muße dafür hat. Aber die war ihm zuletzt ein wenig abhanden gekommen, als er über seine Zukunft in München grübelte. Zog das Tempo an, wann immer er konnte, da raunte es auf der Alm. Doch es raunte meist nur kurz, denn dann verzettelte er sich. Besann sich dann aufs Wesentliche und schoss ein Volleytor aus dem Nichts. Muss man technisch erst mal so hinkriegen, diesen Ostergruß in eigener Sache. Insgesamt deutlich formverbessert.

Robert Lewandowski

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(Foto: Leon Kuegeler/Reuters)

Schoss sich schnell warm, traf erst die Latte, zwang dann Laursen zum Bielefelder Eigentor (und legte Musiala das 3:0 auf). Sammelt Erfolgserlebnisse wie andere Leute Schokoladeneier, was ihn auch in Barcelona begehrt macht. Aber dort müsste der Osterhase schon Säcke voll Geld hinterlassen, damit sie sich ihn leisten können. Sein Chef Oliver Kahn wünschte sich in seiner Doppelpass-Sonntagspredigt, "dass er möglichst lange beim FC Bayern bleibt". Lewandowskis Antwort steht noch aus - in Bielefeld deutete sich jedenfalls an, dass er seine Tormarke aus der Vorsaison (41) dieses Jahr nicht wiederholen dürfte.

Einwechselspieler

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Josip Stanisics Einsatz kam schon zur Pause, als er den unglücklichen Nianzou ersetzte. Musste direkt hinten in ein Laufduell und landete mit dem Gesicht im Gras. Jamal Musiala und Leroy Sane durften auch noch mitspielen - und wie unterschiedlich es ihnen erging: Ersterer entwickelte sich zum spielbestimmenden Mann, prüfte erst Ortega mit einem Rechtsschuss und traf dann zum 3:0. Letzterer schlurfte herum und untermauerte seinen Durchhänger zum Ende dieser Saison. Eric-Maxim Choupo-Moting und ein Nachwuchsmann namens Gabriel Vidovic (Bundesliga-Debüt!) kamen auch noch.

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