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FC Bayern:Ein typischer Guardiola zum Abschied

Aus dem Stadion von Maik Rosner

Später saß Pep Guardiola wieder einigermaßen trocken im schlichten T-Shirt auf dem Podium und schaute nicht traurig, sondern vergnügt. Gelöst, fast erleichtert sah der Trainer des FC Bayern nun aus, nach seinem 102. und vorerst letzten Bundesligaspiel und dem Lauf durch das etwas ulkige Regenschirmspalier von Klublegenden wie Uli Hoeneß, Roy Makaay und Luca Toni, der kleinen Meisterfeier im Anschluss, dem Konfettiregen, den Bierduschen, den Worten des Dankes.

Dass Guardiola beim 3:1 (2:0) gegen Hannover 96 seinen 82. Ligasieg erlebt hatte, war so ziemlich das Unwichtigste gewesen an diesem Samstag, außer natürlich für den detailversessenen Perfektionisten, der auch in diesem Spiel nur unwesentlich weniger dirigiert und korrigiert hatte als sonst. Sogar beim Gang zum offiziellen Meisterfoto nach dem vierten Titel in Folge gab er seinen Spielern noch Laufwege vor. Dennoch genoss er seinen Ausstand nach drei Jahren in München und in der Bundesliga erkennbar, all seinem Lehrgeiz zum Trotz, wenn man so will.

Ein Platzsturm der Fans führt die Party zu einem schnellen Ende

"Es war ein schöner Tag", sagte Guardiola auf dem Podium. Schön, abgesehen vom Platzsturm einiger Tausend Fans, die die Party der Spieler auf dem Rasen einem abrupten Ende zugeführt hatten. "Schade, wir wollten ein bisschen länger feiern", sagte Guardiola, nachdem er sich als durchaus partytauglich erwiesen hatte. Mit einem der überdimensionalen Weißbiergläser im Arm war er wegen der Fans in die Katakomben geflüchtet und hatte selbst in diesem Moment beinahe Frohsinn vermittelt. Und Bierdusche, das hatte er zuvor mit großem Vergnügen demonstriert, kann er nicht nur passiv.

Weitergefeiert wurde am Abend auf der Party im Münchner Postpalast. Und weiterfeiern wollen sie auch am Sonntag, mit der traditionellen Sause auf dem Marienplatz im Stadtzentrum. Dort, auf dem Rathausbalkon, wird Guardiola womöglich noch einmal ähnliche Dankesworte wählen wie am Samstagabend auf dem Podium in der Arena.

"Ich habe viel gelernt, ich bin ein ein bisschen besserer Trainer geworden", sagte er. Die drei Jahre in der Bundesliga seien "sehr gut für mich und für meine Entwicklung" gewesen. Dann stand er auf und winkte noch einmal kurz. Die betonte Bescheidenheit, ein typischer Guardiola zum Abschied. Aber auch: ohne Tränen oder Wehmut. Manchester City wartet ja auf ihn - und er vielleicht auch auf ManCity, sein neues Projekt.

Geendet war der Nachmittag wie er begonnen hatte, mit Feiern, Danken und Abschied nehmen. Und vor allem: mit Guardiola im Mittelpunkt. Wie bereits vor dem Anpfiff, als Karl-Heinz Rummenigge seinen Dankesworten im Stadionheft weitere am Mikrofon folgen ließ.

"Lieber Pep", hob der Vorstandschef an und dankte dem Fußballlehrer "im Namen des ganzen FC Bayern" für "drei großartige Jahre", in denen er "die Mannschaft gefordert und gefördert" habe und "ein großer Botschafter für unseren Klub und die ganze Bundesliga" gewesen sei. Und bevor Rummenigge dem Trainer ein etwas skurriles Souvenir überreichte, das das Klubmaskottchen samt Arena darstellte, schloss er mit den Worten: "Lieber Pep, danke für alles, was du für uns geleistet hast."

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