FC Bayern in der Einzelkritik:Lewandowski beschränkt sich auf ein Kunststück

Der Bayern-Stürmer trifft spektakulär in Kiew. Manuel Neuer schrammt am Slapstick-Gegentor vorbei und Kingsley Coman macht es lasergenau. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Von Tim Brack

Manuel Neuer

Champions League - Group E - Dynamo Kyiv v Bayern Munich
(Foto: Valentyn Ogirenko/Reuters)

Ist ein Spezialist für Abwehrmaßnahmen, und hätte jeder Mensch mikroskopisch kleine Neuers in seinem Blut schwimmen, das hinterhältige Coronavirus würde immer sofort abgefangen werden. Die zweitbeste Lösung ist, sich Impfstoff zu spritzen. Weswegen sich zwei der Ungimpften nun haben piksen lassen. Neuer jedenfalls musste keine Viren parieren, sondern Bälle. Das machte er zweimal gut, und zweimal ungewohnt wacklig. Schlug einmal an einem Rückpass von Goretzka vorbei, der Ball trudelte an den Pfosten. Schrammte so am Slapstick-Gegentor vorbei. Wollte einen Ball fangen, ließ ihn aber abprallen und kassierte noch einen Treffer - das erste Kiewer Tor in der Champions-League-Saison.

Benjamin Pavard

Benjamin Pavard (FC Bayern Muenchen 5) im Zweikampf mit Mykola Shaparenko (Dynamo Kiew 10), UKR, Dynamo Kiew vs. FC Bay
(Foto: Eibner/imago)

Hatte in der Bundesliga die unangenehme Auswärtsfahrt nach Augsburg mitgemacht, wo Bayern 1:2 verlor. Wurde nun in Kiew von Schneegestöber und einer Temperatur knapp unter null Grad empfangen. Die Kälte ließ ihn offenbar auf seiner Defensivposition erstarren. Wurde zweimal überlaufen, die anschließenden, gefährlichen Flanken verteidigte dann Hernández. Taute auf, als er einen seiner berühmten Distanzschüsse Richtung Tor schickte, mit dem er ein Kiewer Abwehrbein zu Vorlage für Robert Lewandowski zwang. Rückte nach der Halbzeit in die Innenverteidigung und hatte auch dort reichlich zu tun. Konnte beim Gegentor nur zuschauen.

Tanguy Nianzou

Dynamo Kiew - Bayern München
(Foto: Efrem Lukatsky/dpa)

Ist fast so ein großes Versprechen wie der Curevac-Impfstoff. Will aber natürlich nicht so enden. Ist immer noch erst 19 Jahre jung und hätte in dem relativ unbedeutenden Gruppenspiel wohl auch eine Chance bekommen, wenn die Stammkräfte Süle (Corona) und Upamecano (Gelbsperre) nicht verhindert gewesen wären. Machte seine Sache über 90 Minuten ohne größere Wackler, auch wenn er beim Gegentor etwas zu spät kam. Doch da war er nur der letzte Mann einer Fehlerkette. Braucht noch ein stabiles Gerüst um sich herum. Verletzte sich dann bei einem Foul an der Schulter und musste ausgewechselt werden.

Lucas Hernández

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(Foto: Geny Savilov/AFP)

Wäre er ein Vakzin, er würde heftigste Impfreaktionen auslösen. Kann nicht niedrigdosiert in Zweikämpfe gehen. Das musste auch Vitaliy Buyalskyi erfahren, der die Stollen des Franzosen kurz vor der Halbzeit im Strafraum zu spüren bekam. Der Schiedsrichter übersah wie der VAR den Tritt auf den Fuß. Glück für Hernández, der ansonsten sehr wach wirkte und des Öfteren den Ausbesserer gab - wie ein Vakzin für ein lückenhaftes Immunsystem. Wurde in der Halbzeit mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt. Danach wurde die Bayern-Defensive löchriger.

Alphonso Davies

Alphonso Davies (FC Bayern Muenchen 19) im Zweikampf mit Vitaliy Buyalskyi (Dynamo Kiew 29), UKR, Dynamo Kiew vs. FC Ba
(Foto: Eibner/imago)

Hat große Teile seines Lebens in Kanada verbracht, sollte sich also eigentlich mit Schnee und Kälte auskennen. War trotz seines Tempos aber kein Booster für den Bayern-Angriff. Zu viele seiner Flanken und Zuspiele blieben im letzten Drittel hängen. Heutzutage dreht sich eben alles um die Quote.

Leon Goretzka

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(Foto: Genya Savilov/AFP)

Musste wieder auf seinen vertrauten Partner Joshua Kimmich verzichten, der ungeimpft in Quarantäne weilt. Übernahm dessen Mandat als offizieller Ballverteiler, was ihm im dichten Kiewer Zentrum anfangs nicht immer wie gewünscht gelang. Glänzte dann lieber mit Defensivaktionen: Checkte einmal einen Kiew-Spieler weg wie beim Eishockey, klärte mit einer Rückpass-Grätschte in höchster Not gegen Tsygankov. Der Ball landet noch am Pfosten, weil Neuer vorbeitrat. Spurtete auch in der 88. Minute zu einer klärenden Grätsche über den halben Platz. Musste viele Löcher stopfen, was auch ihm nicht immer gelang. Freut sich auf die Rückkehr von Kimmich.

Corentin Tolisso

Champions League - Group E - Dynamo Kyiv v Bayern Munich
(Foto: Valentyn Ogirenko/Reuters)

Nach etlichen Verletzungsproblemen erstmals in der Champions League in der Startelf. Sollte gleich mit die große Aufgabe übernehmen, Quarantäne-Kimmich zu ersetzen. Wirkte aber zunächst wie ein Fremdkörper: Bekam gleich einen Schuss von Goretzka in den Unterleib, verstolperte Bälle, spielte unachtsame Pässe. Rehabilitierte sich mit der Vorlage auf Coman vor dem 2:0. Füllte seinen Selbstvertrauens-Tank offenbar durch die Aktion. Kurz darauf mit gefährlichem Schuss. Danach deutlich solider in allen seinen Aktionen, aber eben noch nicht vollkommen im Spielrhythmus. Das zeigte sich auch beim Gegentor, als er es verpasste die Lücke im entscheidenden Moment zuzulaufen.

Kingsley Coman

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(Foto: Efrem Lukatsky/AP)

Gegen Augsburg noch malad mit muskulären Problemen. Wollte gegen Kiew offenbar zeigen, dass eine solche Niederlage mit ihm nicht passiert wäre. Pikste die ukrainische Defensive mit eifrigen Dribblings. Eine Immunisierung blieb aus, so konnte Coman mitten in der Drangphase von Kiew das 2:0 erzielen mit einem lasergenauen Schuss, bei dem der Schnee von Latte und Netz flog. Durfte nach etwas mehr als einer Stunde die Muskeln schonen. Eine Vorsichtsmaßnahme, um nicht eine weiter Verletzung zu provozieren.

Thomas Müller

Champions League - Group E - Dynamo Kyiv v Bayern Munich
(Foto: Valentyn Ogirenko/Reuters)

Beschwerte sich nicht, als er vor über 20 Jahren als kleiner Bub vom TSV Pähl die Bayern-RNA (bRNA) gespritzt bekam. Ist seitdem das Aushängeschild seines Klubs. Rannte als sogenannte Klubikone selbstredend auch in der Kälte von Kiew in jede ersichtliche und weniger ersichtliche Lücke. Müller hat eben einen speziellen Blick. Sah damit auch, dass Coman in seinem Rücken frei stand, als Tolisso in seine Richtung passte. Ließ den Ball deswegen genialisch durch. Manchmal sind halt die Nicht-Ballkontakte genauso wichtig wie die Ballkontakte.

Leroy Sané

Leroy Sane (FC Bayern Muenchen 10) am Ball, UKR, Dynamo Kiew vs. FC Bayern Muenchen, Fussball, Uefa Champions League, G
(Foto: Eibner/imago)

Durfte sich wieder im Zentrum herumtreiben. Arbeitet auffällig viel nach hinten, was auch nötig war, weil Kiew immer zu einem gefährlichen Konter fähig schien. Tauchte nur sporadisch im Strafraum auf. In der zweiten Hälfte lief die Partie etwas an ihm vorbei. Kurz vor dem Schlusspfiff ausgewechselt.

Robert Lewandowski

Dinamo Kiev v Bayern München: Group E - UEFA Champions League
(Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)

Erwärmte die Herzen der mitgereisten Münchner Fans früh im Spiel: Mit einem reaktionsschnellen Fallrückzieher erzielte er das 1:0. Würde die deutsche Regierung nur halb so schnell in der Pandemie reagieren, es gäbe keine. Es war das richtige Gegenmittel nach der Liga-Niederlage und bei widrigen Bedingungen. Beschränkte sich aber auf nur ein Kunststück. Den Fans wurde wieder kalt.

Einwechselspieler

Champions League - Group E - Dynamo Kyiv v Bayern Munich
(Foto: Valentyn Ogirenko/Reuters)

Bouna Sarr war der erste von vier Feldspielern auf der Münchner Bank, der eingewechselt wurde. Er kam für Hernández und reihte sich rechts in die Abwehr, was der Stabilität nicht unbedingt förderlich war. Sah kurz nach seiner Einwechslung Gelb. Auch Marc Roca durfte nach langer Ausfallzeit mal wieder ein paar Minuten sammeln und brachte fast alle seine Pässe an den Mitspieler. Malik Tilman durfte erstmals in der Champions League ran und Omar Richards zum dritten Mal.

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