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FC Bayern vs DFB:Rummenigges neueste Attacke ragt heraus

FC Bayern München: Karl-Heinz Rummenigge beim Audi Cup 2019

Arbeitet sich mal wieder am DFB ab: Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Der Boss des FC Bayern schickt Rügen in Richtung der DFB-Zentrale. Doch diesmal könnte es für die Münchner auch nach hinten losgehen.

Im Wirken von Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef des FC Bayern hat es an Vorwürfen in Richtung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wahrlich nicht gemangelt. Alleine in den zurückliegenden vier Jahren rügte er (kein Anspruch auf auch nur annähernde Vollständigkeit): die Arbeit der Sportrichter (Frühjahr 2016), das Auftreten des früheren Verbandsbosses Reinhard Grindel (Sommer 2018), die Verwendung von Bayern-Spielern für DFB-Werbemotive (Sommer 2018), die sportliche Leitung um Joachim Löw wegen des Umgangs mit den Münchner Ex-Nationalspielern Müller, Hummels und Boateng (2019).

Münchner Attacken auf die Frankfurter Zentrale gehören zum Standardrepertoire der Fußball-Republik. Und doch, der neueste Vorgang ragt da noch einmal heraus. Der DFB solle sich "einen Besen kaufen, um vor der eigenen Türe zu fegen", gab Rummenigge am Sonntag zu Protokoll. Und: "Wenn wir in den vergangenen Jahren eine Krise im deutschen Fußball hatten, war sie beim DFB zu suchen. Mir fällt da schon vieles ein, was mir in den letzten Jahren nicht gefallen hat."

Anlass für den Furor aus München waren diesmal kritische Anmerkungen des neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller, der im Spiegel die "Großkotzigkeit" einiger Profifußball-Vertreter angeprangert und "mehr Demut" eingefordert hatte. Das ist in diesen Tagen angemessener denn je. Aber dass Rummenigge darauf so scharf erwiderte, passt beispielhaft in die angespannte Stimmung, die im deutschen Fußball herrscht. Nicht zuletzt im Verhältnis zwischen dem DFB und dem Profibetrieb, dessen 36 Erst- und Zweitligisten sich in der Deutschen Fußball Liga (DFL) zusammengeschlossen haben. Dort hat Rummenigge zwar formal kein Amt inne, aber als Chef des Marktführers wird er als starke, streitbare Stimme des Profilagers wahrgenommen.

Im Fußballbetrieb sortiert sich gerade manche Beziehung neu

Das Verhältnis zwischen dem DFB und dem Profibetrieb ist seit der Ausgliederung der DFL vor zwei Jahrzehnten ein spezielles, mal harmonischer, mal brüchiger. Aber in diesen Corona-Zeiten gestaltet es sich besonders. Formal ist der DFB der Dachverband, der die Interessen von sieben Millionen Fußballern vertritt - und die DFL nur ein Mitglied dieses DFB. Aber bei ihr bündeln sich der gesamte Glanz und sehr viel Geld, und in den vergangenen Jahren wussten die Profivertreter ihren Einfluss weiter auszudehnen. Unter anderem wurden die im Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL festgelegten Finanzströme durch eine lange geheim gehaltene Zusatzvereinbarung so gestaltet, dass es fürs Profilager vorteilhafter wurde. Liga-Chef Christian Seifert gilt längst als der mächtige Mann im deutschen Fußball. Und dass in Person des früheren Freiburger Klub-Bosses Fritz Keller im Herbst ein Vertreter des Profilagers das DFB-Präsidentenamt übernahm, wirkte wie die Fortsetzung des Trends.

Aber jetzt sortiert sich im Fußballbetrieb manche Beziehung neu. Es beginnt mit der Irritation im DFB darüber, dass die erste und zweite Liga von der Politik das Okay für den Re-Start bekommen haben - der DFB für seine dritte Liga und den Pokal bisher aber noch nicht. Mehr noch betrifft es aber die großen und generellen Linien. Beim DFB haben sie den naheliegenden Schluss gezogen, dass die Corona-Krise wie "eine Art Brandbeschleuniger" wirke und alle Probleme "im Zeitraffer auf die Spitze" treibe, wie es der Generalsekretär Friedrich Curtius ausdrückte.

Der Profibetrieb und das Geschehen an der Basis haben schon länger kaum mehr gemein als die Tatsache, dass überall 22 Spieler, zwei Tore und ein Ball zum Einsatz kommen. Ansonsten sind es nahezu getrennte Welten, noch nie hat sich das so sehr gezeigt wie in dieser Zeit, in der die Bundesliga ihren surrealen Notbetrieb vorrangig mit einem - aus ihrer Sicht völlig gerechtfertigten - Argument wieder gestartet hat: weil vielen Klubs sonst der Ruin gedroht hätte. Wobei die Frage bleibt, ob diese Kurzfrist-Rettung wirklich die Lösung darstellt - oder ob der langfristige Schaden nicht größer sein könnte.

Aber es gibt auch andere Motive, warum mit Blick auf den DFB mancherorts Nervosität herrschen könnte. Denn der Besen, den Rummenigge dort endlich im Einsatz sehen will, wird ja bereits zur Hand genommen. Nur könnte er auch an anderen Stellen kehren als bloß an denen, die Rummenigge wohl im Sinne hat. Der DFB hat Forensiker engagiert, die den Geschehnissen rund um die WM 2006 und manch anderem Vorgang nachspüren sollen. Ziehen die das durch, könnte das durchaus auch den FC Bayern tangieren; schon, weil der damalige WM-Chef Franz Beckenbauer zu jener Zeit auch Präsident des Rekordmeisters war. Und die Bayern-Ikone schlechthin ist er sowieso. Sollte beim DFB nun wirklich sauber geputzt werden, könnten auch einige Erkenntnisse für die Bayern herausspringen. So war der Kehrhinweis aber wohl nicht gedacht.

© SZ vom 19.05.2020
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