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DFB-Pokal vor 25 Jahren:In der Nachspielzeit spitzt sich die Szenerie zu

Tatsächlich wurden die Münchner stärker, doch die Franken wehrten sich, "wie die Verrückten" seien sie gerannt, fand FCB-Manager Uli Hoeneß. Zudem drehte die Stimmung im Stadion, das mit vielen Münchner Anhängern gefüllt war. "Plötzlich hat man gemerkt, dass auch eingefleischte Bayern-Fans mit jubelten", sagt Stein. Die Bundesliga-Spieler wurden dagegen aggressiver, sie ahnten wohl, dass sie zu Statisten eines historischen Triumphs werden.

In der Nachspielzeit spitzte sich die Szenerie zu zur "Herzklopf-Situation", wie Stein sagt: Papin hob den Ball über den Torwart Ralf Scherbaum. Die Kugel senkte sich Richtung Tor, ehe der Franke Bernd Lunz ihr nachsprang und sie noch an den Pfosten spitzelte. "Sensationell!", ruft Stein, noch heute kann man sich die Szene im Internet anschauen. Wie auch den rot-weißen Jubel im Anschluss daran.

"Das darf nicht wahr sein", sagte Réthy, die Greuther feierten die Überraschung, die Bayern verschwanden. "Mit Abklatschen war nicht viel drin", sagt Stein. "Bis wir wieder in der Kabine waren, waren die Bayern schon im Bus in die Heimat." Ein Trikot hat nur Pfeuffer bekommen, der mit Lothar Matthäus in der Jugend gespielt hatte. "Jetzt müssen wir mit der Schmach leben", sagte Matthäus, der als Herzogenauracher die Ortschaft Vestenbergsgreuth kannte.

Die Gastgeber um ihren Helden Stein zogen weiter in eine Kneipe in Nürnberg und feierten bis tief in die Nacht. Lange ausschlafen konnte Stein, der noch am Abend für den nächsten Tag freibekommen hatte, aber nicht. "Halb Deutschland" wollte von ihm wissen, wie es zum Wunder kam. "Das komplett zu realisieren, hat aber Jahre gedauert." Seine Fußabdrücke sind im sogenannten Walk of Fame nahe des Berliner Olympiastadions verewigt, wie etwa auch die von Günter Netzer oder Gerd Müller. Stein arbeitet mittlerweile als Aufzugsmonteur, den Jubiläumstag verbringt er im Urlaub mit Gänsehaut-Gefahr in Südtirol. Knapp zwei Jahre nach dem Pokalcoup schlossen sich die Fußballer der TSV Vestenbergsgreuth der SpVgg Fürth zur SpVgg Greuther Fürth an. Aber das ist eine andere Geschichte.

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